Autotest: Renault Twizy: Lautlos durch den Tag

MARL Unterwegs mit einem Elektroauto ohne Fenster und ohne Heizung, noch dazu im Oktober? Kein Problem. Drei Wochen lang haben wir den kleinen "Stromer" namens Renault Twizy Z.E. getestet – seine Stärken und Schwächen erfahren Sie in einem Protokoll eines typischen Wochentags.

« »
1 von 5
  • Der Renault Twizy macht eine gute Figur - und ist vor allem sauber unterwegs. Foto: Tobias Ertmer

  • Mit dem Twizy kommt man fast in jede Parklücke. Foto: Tobias Ertmer

  • So wird der Twizy aufgeladen. Foto: Tobias Ertmer

  • Die nach oben öffnenden Türen sparen zusätzlich Platz. Foto: Tobias Ertmer

  • In der Front steckt das Ladekabel - mit drei Metern Länge ausreichend lang zum "Ankabeln". Foto: Tobias Ertmer

7:20 

Es ist Montagmorgen, glücklicherweise sonnig und trocken. Ich hole den Twizy aus der Garage. Der Akku ist zu 100 Prozent geladen, die Reichweite wird mit 55 km angezeigt. Auf dem Weg zur Arbeit will ich Sohn eins an der Schule absetzen. Ich selbst habe meinen Laptop dabei, er einen Tornister. Das wird eng. Wobei die Sitzposition direkt hinter dem Fahrer, die Beine liegen rechts und links ausgestreckt, sonst bequem ist. Wir bekommen es hin. Auf der Fahrt werden wir ordentlich durchgeschüttelt – hier spürt man jedes Schlagloch. Irritierend sind die Dekostreifen auf dem Armaturenbrett. Diese spiegeln sich permanent in der Windschutzscheibe.

Nach dem Absetzen geht es weiter nach Marl in die Redaktion. 18 km lege ich zurück. Wegen der fehlenden Fenster (Gewichtsvorteil) kommt Cabriofeeling auf, im fließenden Verkehr gleite ich problemlos mit. Selbst Stellen mit 80 km/h meistert der Twizy (Spitze: 85 km/h). Besonders witzig: Durch das stufenlose Beschleunigen komme ich an der Ampel schneller weg als der tiefergelegte Pkw links neben mir...

8:02

Am Ziel angekommen eine Überraschung: Auf der Anzeige steht eine Reichweite von 43 km – obwohl 55 weniger 17 doch 38 sind. Die Erklärung klingt kompliziert, ist aber einfach: Rekuperation. Dieses Prinzip sorgt beim Twizy dafür, dass sich der Akku auflädt, sobald man vom Gas geht und den Wagen rollen lässt oder abbremst. Das wird auch während der Fahrt durch ein kleines Symbol angezeigt.

Auf dem Parkplatz des Medienhauses Bauer schalte ich lieber den Warnton ein – denn mit Schrittgeschwindigkeit ist der Twizy wirklich lautlos unterwegs. Nicht, dass mir jemand von den Kollegen vor die kurze Haube läuft. Einparken ist hingegen kein Thema: Mit 1,23 m Breite und Flügeltüren findet man (fast immer) einen Platz. Ich muss nur noch daran denken, alle losen Gegenstände aus dem Twizy mitzunehmen oder ins abschließbare, aber etwas klein geratene Fach zu packen.

16:13

Schicht für heute. Es geht nach Hause. Auf dem Weg wollte ich eigentlich noch Mineralwasser kaufen – doch das kann ich bei dem geringen Platz vergessen. Auf den Rücksatz passt nur ein größerer Rucksack oder eine große Einkaufstasche. Auf dem Rückweg fängt es an zu regnen. Das ist glücklicherweise kein Problem: Durch zwei kleine, hervorstehende Plexiglasscheiben wird der Regen abgefangen. Ich bleibe trocken. Zu Hause angekommen bleiben noch 22 km Reichweite – da habe ich wohl mehr Gas gegeben als auf der Hinfahrt.

16:40

Sohn zwei muss zum Fußballtraining – und will mal im Twizy fahren. Kein Problem. Sogar eine Sitzschale für Kinder passt mit rein. Nur die Tasche muss auf den Schoß. „Ein bisschen wie auf einem Roller, nur sicherer“, meint er. Stimmt. Die Aluminium-Fahrgastzelle wirkt stabil, die straffe und direkte Federung sorgt für Fahrspaß in Kurven und für leichte Hüpfer auf unebener Straße. Am Fußballplatz angekommen (6 km Fahrt) verbleibt laut Anzeige noch Strom für 14 km.

18:37

Zurück nach Hause. Mit Musik aus Stereoboxen, dank Bluetooth-Freisprechanlage. Ein Radio gibt es nicht. Als ich vor die Garage rolle, zeigt der Twizy eine Reichweite von 8 km an. Bedeutet für mich: Wenn ich morgen früh wieder elektrisch zur Arbeit fahren will, gehört der Twizy schnell ans Netz. Glücklicherweise ist das Laden dank Schuko-Stecker und Drei-Meter-Kabel unkompliziert. Da ich keinen Stromanschluss in der Garage habe, lädt der Twizy vor dem Haus – mit Verlängerungskabel.

22:28

Der Akku ist wieder voll. Ich nehme das Kabel ab und fahre den Kleinen wieder in die abschließbare Garage. Mein eigener Akku ist dafür ziemlich leer. Gute Nacht, kleiner Stromer…

Unser Videotest zum Twizy: 



ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. Oktober 2017, 22:02 Uhr
    Aktualisiert:
    7. April 2018, 03:33 Uhr