Nehmen wir einmal das „Sitz“. Ihr Hund schaut in eine andere Richtung und bemerkt Ihr Signal gar nicht – entweder weil er es aus Ihrem Wortschwall nicht heraushört, oder weil er „Sitz“ nicht verbal abgespeichert, sondern mit einem Sichtsignal verknüpft hat. Bei vielen ist das der Finger, frontal vor dem Hund erhoben und mit vorgebeugter Haltung. Der Hund wird das „Sitz“ meist nur dann ausführen, wenn diese Kriterien erfüllt sind. Außerdem vermitteln wir so in der Hundesprache eine leichte Bedrohung, da wir uns frontal gegenüber stehen und uns vorbeugen.
Wir wollen unseren Hund aufmerksam machen, sprechen ihn mit Namen an, doch er hat etwas anderes zu tun. Nun beugen wir uns wieder dem Hund entgegen und versuchen Augenkontakt herzu stellen. Doch der Hund weicht uns immer mehr aus. Wir gehen hinterher. Er ignoriert uns immer mehr? Nein, da steckt der Fehler im Detail. Er sieht es als Bedrohung an und versucht uns durch das Wegschauen zu besänftigen.
Wir rufen unseren Hund zurück, beugen uns ihm wieder entgegen, doch er läuft in einem Bogen an uns vorbei. Aber: Er will uns damit nicht provozieren, sondern macht eine respektvollen Bogen, um einem Streit aus dem Weg zu gehen.
Da wir uns in unserer Kommunikation missverstehen, werden wir Menschen immer ungeduldiger, sogar sauer, und, auch wenn wir es nicht aussprechen, unser Körper verrät uns. Der Kreislauf beginnt wieder, der Hund will uns immer mehr besänftigen und geht uns aus dem Weg. Er gähnt, fängt an zu schnüffeln, kratzt sich, schüttelt sich. Das ist alles Stressabbau.
Das bedeutet: Ihre Körpersprache sollte für den Hund klar und eindeutig zum Signal passen. In diesem Beispiel:
gelassen bleiben, freundlich sprechen und ggf. ein Handsignal hinzunehmen, den Körper nicht versteifen, nicht vorn überbeugen. Wenn ein Hund, der das Signal schon kann, dann nicht folgt, brechen Sie jede Aktivität ab und warten. Das zieht seine Aufmerksamkeit auf Sie. Wenn er sich dann setzt, agieren Sie ganz normal weiter.
Ein anderes Beispiel: Wir sind mit unserem Hund unterwegs. Er läuft aufgeregt herum und schaut ab und an zu uns. Nun kommt ein anderer Hund entgegen. Da unser Bello andere Hund nicht so gerne mag, nehmen wir die Leine schon mal etwas kürzer, damit wir ihn besser halten können. Durch die Spannung in der Leine wird er von uns auf die „Gefahr Hund“ aufmerksam gemacht und übernimmt sofort den Part des Aufpassers, der eigentlich unserer sein sollte. Er macht Theater und da wir das nicht wollen, wird der Hund ausgeschimpft und an der Leine gezogen, wir nehmen eine bedrohliche Haltung ein und unser Hund liest wieder einmal was ganz anderes. Er fühlt sich nämlich von uns unterstützt und bestätigt.
Wie könnte diese Situation positiv verlaufen, ohne viel Geschrei? Nun: Zunächst nehmen wir den Hund auf die andere Seite und machen einen Bogen an dem anderen Hund vorbei. Dabei schauen wir den anderen Hund gar nicht an, wir gehen hoch erhobenen Hauptes vorbei. Staksen wir, wollen wir nach Ansicht des Hundes eher angreifen, gehen wir gebeugt, wähnt er uns unsicher, gehen wir mit einem lockeren Schritt weiter, zeigen wir ihm Sicherheit und Souveränität und das er sich um nichts zu kümmern braucht.
Hunde spiegeln unsere Körpersprache wieder. Sie passen sich an, wenn wir selbstsicher auftreten. Doch zeigen wir uns unsicher, übernehmen sie sofort für uns – und das sogar, wenn sie selber unsicher sind.
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