Astrid Wirger: Sicherheit und Kontrolle sind für einen Hund extrem wichtig. Mit fünf Monaten ist er gerade im Junghundalter, also Rudelrangordnungsphase. Er sucht jetzt seinen Platz im Familienverband. Scheinbar kümmern Sie sich in seinen Augen nicht um die Sicherheit der Familie und da der Platz nicht besetzt ist, übernimmt er ihn. Ob Radfahrer, Jogger, rennende Kinder, Mofas, Autos, alles, was sich schnell und unkontrolliert bewegt, ist für ihren Hund erst einmal Beute, der man hinterherjagen kann, aber etwas, das nicht unter seine Kontrolle bringen kann. Immer wieder kommen diese an seinem Haus vorbei und hören nicht auf ihn. Er bellt bestimmt während dieser Begegnungen. Nun hatte er ohne Leine die Chance, endlich mal einen von diesen Frechen zu stoppen. Also: Nichts wie los!
Nun starten Sie schreiend hinterher. Na, denkt er, der geht es auch nicht anders, sie unterstützt mich tatkräftig. Außerdem hat er die Erfahrung gemacht, dass Sie, wenn Sie ihn rufen und er zu Ihnen kommt, fix nach ihm greifen, damit er nicht wieder abdüst. Doch gerade das bringt ihn dazu, immer einem Abstand von zwei Metern zu halten.
Von alleine werden sich beide Sachverhalte nicht auflösen. Gerade weil Sie immer mit Leckerchen arbeiten, nimmt ihr Hund Sie nicht sehr ernst. Denn: Die besten Brocken geben Sie ab, anstatt sie selber aufzuessen. In Situationen, die er als gefährlich ansieht, wird er sich ohnehin nicht mit Futter beschäftigen. Denn es gibt wichtigere Dinge zu klären.
Um eine Änderung in seinem Verhalten zu erreichen, müssen Sie für die Sicherheit sorgen. Lassen Sie ihn immer auf der von der „Gefahr“ abgewandten Seite laufen. Stoppen Sie ruhig einmal Radfahren und Jogger, so dass er sehen kann, dass Sie so etwas können. Üben Sie mit Personen, die Sie vorher instruieren. Lassen Sie ihn nicht alleine in den Garten. Rennt er am Zaun entlang und versucht, alles in den Griff zu bekommen, legen Sie ihm eine Hausleine an, nehmen sie kommentarlos auf und führen ihn ins Haus, gehen aber selber wieder in den Garten. Nach ca. einer Minute holen Sie ihn wieder dazu, jagt und bellt er wieder, muss er wieder hinein – solange, bis er begreift, dass er dafür nicht verantwortlich ist.
Schauen Sie sich einmal die zehn Hausregeln an, die auf den Internetseiten des Medienhauses Bauer nachzulesen sind. Dort finden sie auch die ganze Serie „Von Menschen und Hunden“ mit einem Bericht, in dem ich den Aufbau eines Notfallrückrufs erläutere. Beide werden Sie in der Erziehung Ihres Hundes unterstützen.
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