Abendsprechstunde "Der weibliche Beckenboden": „Wie eine Gummischüssel“

DATTELN Der Beckenboden spielt eine tragende Rolle im Körper einer Frau. Leiert er zu sehr aus, senken sich Gebärmutter, Blase und Darm. Aber man kann etwas dagegen tun.

  • Was tun, wenn der Beckenboden schwächelt? – Antworten auf diese Frage gab’s bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer. Foto: Jörg Gutzeit

Als „Hochleistungsmuskel incognito“ bezeichnete Dr. Dorothee Drüppel, Chefärztin der Gynäkologie des St. Vincenz-Krankenhauses, den Beckenboden bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer am vergangenen Montag in der Dattelner Klinik. Er hat vielerlei Aufgaben, wird von den Frauen aber oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn er Probleme macht. „Wie eine Gummischüssel“, so Dr. Drüppel, sitzt der Beckenboden unter den knöchernen Strukturen des Beckens. Seine drei Muskelschichten stabilisieren Rumpf, Steißbein und Kreuzbein, stützen Blase, Darm und Gebärmutter, wirken mit bei der Sexualität, sorgen durch Anspannung dafür, dass Blase und Darm sich nur gewollt entleeren, und durch Entspannung dafür, dass ein Kind geboren werden kann.

Dabei ist er großen Belastungen ausgesetzt: Übergewicht, Geburten, körperliche Anstrengung – insbesondere Tragen und Heben von schweren Dingen – und auch die inneren Organe üben Druck auf ihn aus. Mit zunehmendem Alter erweitert sich außerdem die Scheide. All das führt dazu, dass der Beckenboden schwächer wird und sich senkt.

Wie Dr. Drüppel ausführte, spüren die Patientinnen das durch ein Druck- und Fremdkörpergefühl, Schmerzen im Unterbauch oder Rücken, Harninkontinenz, Harnwegsinfekte oder auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Dabei könne sich sowohl die Gebärmutter senken als auch die Scheidenwände, die Blase oder der Darm.

Wenn es dazu gekommen ist, stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, mit denen die Betroffene aktiv gegensteuern kann. Dr. Drüppel nannte hier an erster Stelle die Reduzierung von Körpergewicht und Belastungen wie schweres Heben und Tragen. Überaus wichtig sei außerdem regelmäßige Beckenbodengymnastik – am besten täglich und lebenslang und übrigens schon in jungen Jahren zur Vorbeugung. Zu empfehlen sei es, einen Kursus zu besuchen, in dem man dann lernt, die Muskeln des Beckenbodens zu erspüren und richtig zu trainieren.

Für Frauen, die ihre Beckenbodenmuskeln nicht erspüren können, empfahl sie die sogenannte Biofeedback-Therapie. Dabei werden kleine Elektronen in die Scheide eingeführt, deren schwache elektrische Impulse dabei helfen, die Muskeln gezielt ansteuern zu können. Das entsprechende Gerät gibt’s auf Rezept. Auch bei Harn- oder Stuhlinkontinenz kann es eingesetzt werden.

Bei Senkungen und auch Inkontinenz kommen außerdem je nach Ausmaß der Beschwerden unterschiedliche Pessare zum Einsatz – solche, die wie ein Tampon eingeführt werden können, um durch Stützung der Blase z.B. Harnverlust beim Sport zu verhindern oder auch größere Exemplare, die der Arzt einsetzen und wechseln muss.

Letzte Option, so die Fachärztin, wäre dann die Operation. Dabei könnten in die vordere oder hintere Scheidenwand straffende Abnäher genäht oder auch ein stabilisierendes Netz eingelegt werden. Allerdings sei man damit heute eher zurückhaltend „weil es auch nach der Operation nicht so unwahrscheinlich ist, dass es mit zunehmendem Alter wiederkommt.“ Daher schöpfe man erst mal alle anderen Methoden aus.
„Es gibt also einige Möglichkeiten, Ihnen zu helfen“, machte Drüppel den Frauen Mut. „Wenn Sie Probleme haben, sprechen Sie diese bei Ihrem Gynäkologen an.“
 

Beckenbodengymnastik
Drei einfache Übungen zum Beckenbodentraining gab Dr. Dorothee Drüppel den Besucherinnen der Abendsprechstunde mit auf den Weg. Dr. Drüppel: „Das sieht man nicht und kann es überall zwischendurch machen – an der roten Ampel, in der Schlange an der Supermarktkasse ...“

1. Die Blume: Harnleiter und After entspannen – die Blume öffnet sich; beides zusammenpressen – die Blume schließt sich (mehrfach wiederholen).

2. Die Lichtkegel: Setzen Sie sich gerade auf die Sitzbeinhöcker. Stellen Sie sich Harnröhre und After als Lichtkegel vor und führen Sie diese zusammen und wieder auseinander, zusammen und auseinander ...

3. Der Aufzug: Spannen Sie den Beckenboden an – erst leicht dann immer stärker, wie ein Aufzug, der langsam nach oben fährt, fahren Sie dann genauso langsam wieder herunter, und immer wieder langsam rauf und runter ...
Die nächsten Abendsprechstunden

8. April: Herzklappeninsuffizienz mit Fachmedizinern
  des Elisabeth-Krankenhauses Recklinghausen.
29. April: Notfallmedizin mit Fachmedizinern des Klinikums Vest.
13. Mai: Nierenschwäche mit Fachmedizinern des Marien-Hospitals Marl.

• Alle Abendsprechstunden beginnen um 18.30 Uhr. Wie immer werden wir Sie donnerstags ausführlich darüber  informieren.
 


AUTOR
Heidi Meier
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. März 2019, 16:31 Uhr
    Aktualisiert:
    28. März 2019, 16:52 Uhr