Abendsprechstunde "Herzklappenfehler": Goldstandard ist die Operation

RECKLINGHAUSEN RECKLINGHAUSEN. Wenn die Herzklappen schlappmachen, wird’s ernst. Der Herzchirurg oder das Katheterlabor muss sie wieder fit machen, um das Überleben zu sichern.

  • Brechend voll war das Recklinghäuser Bürgerhaus Süd bei der Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer mit den Herzspezialisten des Elisabeth-Krankenhauses und der Uni-Klinik Essen. Foto: Kristina Schröder

Bei einer anschaulichen und spannenden Abendsprechstunde sahen unsere Besucherinnen und Besucher am vergangenen Montag im Recklinghäuser Bürgerhaus Süd, wie der Herzchirurg defekte Herzklappen ersetzt oder wie der Kardiologe sie im Herzkatheterlabor wieder repariert. Prof. Dr. Daniel Wendt, Oberarzt am Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum der Uni-Klinik Essen, und Dr. Thomas Lawo, Chefarzt der Kardiologie des Elisabeth-Krankenhauses Recklinghausen, erläuterten im voll besetzten Saal ihre intensive Zusammenarbeit und ihr jeweiliges Vorgehen, wenn es darum geht, Patienten mit Herzklappenerkrankungen zu retten.

Betroffen ist meist entweder die Aortenklappe, die den Blutfluss zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader (Aorta) steuert, oder die Mitralklappe, die die gleiche Funktion zwischen Vorhof und linker Kammer hat. Sie können durch Verkalkung verengen oder aber sie schließen nicht mehr richtig. Manchmal ist es auch eine Kombination von beidem.

Da das Herz bei einem Klappenfehler große Kraft aufbringen muss, um noch eine normale Blutversorgung des Körpers aufrechtzuerhalten, ist in den meisten Fällen über kurz oder lang eine Herzschwäche die Folge.
Dieser Prozess verläuft schleichend und lange Zeit unbemerkt bis die Patienten irgendwann Schwindel, Schmerzen in der Brust und / oder Luftnot verspüren. Wenn diese Symptome auftauchen, so Prof. Wendt, sei die Erkrankung schon weiter fortgeschritten und es müsse sofort gehandelt werden. Tue man es nicht, läge die Wahrscheinlichkeit, die nächsten zwei Jahre zu überleben nur noch bei 50 Prozent.

Was folgt, ist in der Regel eine Herzoperation. „Das ist noch immer der Goldstandard“, betonte Wendt. Der klassische Weg führe über die Auftrennung des Brustbeins, das anschließend mit Drähten wieder stabil verschlossen werden könne. Der Patient wird an eine Herz-Lungenmaschine angeschlossen und das Herz damit ruhiggestellt. Bei einer verkalkten Aorta-klappe wird diese dann abgeklemmt und geöffnet, die – manchmal enormen – Verkalkungen herausgeschnitten und die Klappe anschließend durch eine Prothese ersetzt.

Wie der Herzchirurg erläuterte, gibt es da eine breite Palette von Modellen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. So müsse man bei biologischen Klappen vom Schwein oder Rind zwar kein blutverdünnendes Marcumar einnehmen, allerdings hielten diese Klappen auch nur 15 bis 20 Jahre und seien daher nur für ältere Patienten geeignet. Jüngere bräuchten in jedem Fall eine mechanische Klappe, die lebenslang hält, aber auch genauso lange mit der Einnahme des Blutverdünners verbunden ist.

Insgesamt, so Prof. Wendt, habe der Klappenersatz eine enorme Entwicklung hingelegt. Man könne ihn inzwischen auch über deutlich kleinere Öffnungen des Brustbeins oder auch mit nur sechs Zentimeter großen Schnitten im Rippenbereich durchführen. Und: „Nach einer solchen OP haben die Patienten die gleiche Überlebensaussicht wie die Normalbevölkerung.“

Etwas anders ist die Vorgehensweise bei der Operation eines Defekts der Mitralklappe. Auch hier wird das Herz durch den Anschluss einer Herz-Lungen-Maschine stillgelegt, um die Mitralklappe zu reparieren. Allerdings muss diese in den Leistengefäßen angeschlossen werden, sodass eine solche Operation nur möglich ist, wenn die Beinschlagadern nicht verkalkt sind. Ist das der Fall, kann eine nicht mehr schließende Mitralklappe bei dieser Operation mit künstlichen Sehnenfäden und einem Ring so zusammengerafft werden, dass Sie ihre Arbeit wieder korrekt ausführt und muss nicht ersetzt werden.

Aber, trotz aller faszinierenden herzchirurgischen Kunst: Die Hälfte der Patienten ist zu krank, um so operiert zu werden. Ihre Herzklappenfehler müssen ohne Öffnung des Brustkorbs und ohne Stilllegung des Herzens vom Kardiologen per Herzkatheter verringert werden – in der Regel über die Leiste oder die Schlüsselbeinarterie.

Wegen Verkalkungen ist aber auch das manchmal nicht möglich, und dann, so berichtete Prof. Wendt nicht ohne Stolz, kommt wieder der Herzchirurg zum Einsatz mit einem Verfahren, dass unter Mitwirkung von Wendt in Deutschland an der Uni-Klinik Essen erstmals durchgeführt wurde: Der Eingriff mittels Katheter über die Herzspitze. Lächelnd erzählte Wendt dem staunenden Publikum, dass er die Herzklappe einer 97 Jahre alten Frau so gerettet hat. Zu ihrem 100. Geburtstag hat sie ihn persönlich eingeladen. Gestorben ist sie mit 107.
 

Die Kardiologie des Elisabeth-Krankenhauses Recklinghausen wird geleitet von Chefarzt Dr. Thomas Lawo. E-Mail: thomas.lawo@ekonline.de
Sekretariat: Annette Nickel Tel: 0 23 61 / 601-315 (von 7.30 Uhr bis 16.15 Uhr)
E-Mail: annette.nickel@ekonline.de
Sprechstunde nach Vereinbarung
Das Westdeutsche Herz- und Gefäßzentrum am Universitätsklinikum Essen deckt das gesamte Therapiespektrum zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab: Aortenchirurgie, Transplantationen, Bypass-Operationen, Rhythmus-Chirurgie, minimalinvasive Herzchirurgie, Herzklappen-Chirurgie.
Kontakt: Universitätsklinikum Essen,Klinik für Thorax- und kardiovaskuläre Chirurgie
Westdeutsches Herz- und Gefäßzentrum Essen
Hufelandstraße 55, 45147 Essen, Tel.: 02 01 / 723- 49 01 und -4913
@ www.uk-essen.de/Herzchirurgie
Die nächsten Abendsprechstunden:
• 29. April: Notfallmedizin mit Fachmedizinern des Klinikums Vest.
• 13. Mai: Nierenschwäche mit Fachmedizinern des Marien-Hospitals Marl.
• 27. Mai: Unfälle im Alter mit Fachmedizinern des St. Elisabeth-Hospitals Herten.

• Alle Abendsprechstunden beginnen um 18.30 Uhr. Und wie immer werden wir Sie donnerstags unter  „Gesund im Vest“ ausführlich darüber informieren.

 



AUTOR
Heidi Meier
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    11. April 2019, 15:23 Uhr
    Aktualisiert:
    11. April 2019, 18:09 Uhr