Abendsprechstunde "Im Notfall": Es kommt auf jede Sekunde an

RECKLINGHAUSEN Bei einem Notfall ist es überlebenswichtig, dass Menschen beherzt handeln und dabei keine Zeit verlieren. Was dann wie zu tun ist, war Thema unserer Abendsprechstunde.

  • Was tun im Notfall? – Diese Kernfrage der letzten Abendsprechstunde des Medienhauses Bauer sorgte am vergangenen Montag für ein volles Haus bei einer anschaulichen und praktisch orientierten Veranstaltung. Foto: Jörg Gutzeit

Eine Passantin bricht bewusstlos zusammen, der Ehemann windet sich plötzlich unter schmerzhaften Krämpfen in der Herzgegend, der Freund oder die Freundin kippt von der Leiter und bleibt liegen. – Erleben möchte das niemand, gleichwohl sollte jeder wissen, was in solchen Situationen zu tun ist. Im Zweifel kommt es jetzt auf jede Sekunde an, darauf, dass sofort das Richtige getan wird – und das ist durchaus mehr als den Notruf 112 abzusetzen. Denn bis der Rettungsdienst eintrifft, darf meist nicht einfach nur gewartet werden.
Sehr eindringlich betonten dies die Fachmediziner des Recklinghäuser Knappschaftskrankenhauses bei unserer Abendsprechstunde. Das kleine Einmaleins der Ersten Hilfe für jeden erläuterte Sebastian Wiedemann, Oberarzt des Zentrums für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, anhand der Rettungskette, bei der jedes Glied ins andere greifen muss, wobei die ersten beiden Glieder in der Hand des Ersthelfers liegen. Er muss den Notfall erkennen (1.Glied) und etwas tun (2.Glied). Vorab appellierte er an die Besucherinnen und Besucher, einen Erste-Hilfe Kurs zu besuchen und sich bei aller nötigen Hilfsbereitschaft nicht selbst zu gefährden (Stichworte: Gas, Feuer, 4-spurige Autobahn). Dann listete er das Handwerkszeug der Ersten-Hilfe auf.

Grundsätzlich:
• Bleiben Sie ruhig.
•Bleiben Sie bei dem Pati-
enten .
• Wirken Sie beruhigend
auf ihn ein.
• Lagern Sie den Patienten
so, wie er es will.
•Nehmen Sie Körper-
kontakt auf.
• Setzen Sie so früh wie
möglich den Notruf 112 ab.
• Rufen Sie nach Hilfe.
• Helfen Sie dem Patienten
bei der Einnahme von Me-
dikamenten, die er regel-
mäßig nehmen muss,
suchen Sie aber nicht
irgendetwas aus der Haus-
apotheke zusammen.

Der Notruf 112:
Sagen Sie dem Rettungsdienst  wo (Straße, Stadt, Etage) was passiert ist, wie viele Menschen betroffen sind, welche Verletzungen oder Symptome Sie beobachten. Bleiben Sie am Apparat, um weitere Fragen zu beantworten. Falls eine Wiederbelebung nötig ist, leitet der Retttungsdienst Sie auch weiter per Telefon an, solange, bis der Notarzt eingetroffen ist.

Ein Fremdkörper in den Atemwegen führt zu plötzlich einsetzender Atemnot. adäquate Erste Hilfe kann lebensrettend  sein:
• Fordern Sie den Patienten auf, zu husten.
• Geben Sie ihm fünf feste Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter.
• Umfassen Sie ihn stehend von hinten auf Höhe des Oberbauchs. Ballen Sie eine Faust und legen Sie diese zwischen Nabel und Brustkorb. Greifen Sie mit der anderen Hand auf die Faust und ziehen fünf mal kräftig nach innen und oben.
• Tritt keine Besserung ein, beginnen Sie wieder mit fünf Schlägen auf den Rücken.
• Wiederholen Sie die Maßnahmen abwechselnd so lange, bis sich der Fremdkörper entfernen lässt oder die Rettungskräfte eintreffen.
• Wird der Patient bewusstlos, muss die Herzdruckmassage einsetzen.

Ein Mensch liegt scheinbar bewusstlos da:
• Sprechen Sie ihn an.
• Reagiert er nicht, heben Sie sein Kinn an, beugen den Kopf nach hinten und prüfen Sie, ob er atmet (hebt sich der Brustkorb? Fühlt man den Atem an der Wange? Hört man ihn?) – Nur bei tiefen regelmäßigen Atemzügen handelt es sich um normale Atmung.
• Ist er bewusstlos und atmet normal, drehen Sie ihn auf die Seite (Wiedemann: „Wie, ist total egal“), damit Erbrochenes ggf. abfließén kann.
• Bei fehlender oder unnormaler Atmung ist eine Herzdruckmassage nötig.

Die Herzdruckmassage zur Wiederbelegung:
• Beugen Sie sich über den Patienten, legen Sie bei gestreckten Armen den Handballen der einen Hand in die Mitte des Brustkorbs und die andere Hand darauf.
• Drücken Sie nun fest fünf bis sechs Zentimeter tief 100 mal in der Minute und zwar solange, bis der Rettungsdienst da ist. 100 mal drücken pro Minute, so Fachmediziner Wiedemann, erreicht, wer sich an dem Takt von gut tanzbarer Discofox-Musik orientiert. Wiedemann: „Staying Alive zum Beispiel – oder Highway to Hell“.
• Wenn eine zweite Person dabei ist, wechseln Sie alle zwei Minuten, da das Ganze sehr anstrengend ist.
„Keine Angst“, betonte Wiedemann mehrmals, „man kann nicht zu kräftig drücken, nur zu wenig. Sie können dem Menschen nicht schaden, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand wird er sterben, wenn Sie nichts tun.
 
Die nächsten Abendsprechstunden:

• 13. Mai: Nierenschwäche mit Fachmedizinern des Marien-Hospitals Marl.
• 27. Mai: Unfälle im Alter mit Fachmedizinern des St. Elisabeth-Hospitals Herten.
• 17. Juni: Künstliche Knie- und Hüftgelenke mit Fachmedizinern des Klinikum Vest.

Alle Abendsprechstunden beginnen um 18.30 Uhr. Wir informieren Sie auf unseren donnerstags erscheinenden Seiten „Gesund im Vest“.


AUTOR
Heidi Meier
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    3. Mai 2019, 11:50 Uhr
    Aktualisiert:
    3. Mai 2019, 13:50 Uhr