Abendsprechstunde "Nierenschwäche": „Die Dosis macht das Gift“

MARL Neben Bluthochdruck und Diabetes führen auch falsch dosierte Medikamente und manche Erbfaktoren zu Nierenschwäche.

  • Abendsprechstunde "Niere"

    Ein ausführlicher Vortrag über die Ursachen, Diagnose und Therapie von Nierenschwäche sowie Erfahrungen aus der Praxis bei der Dialyse zogen die vielen Besucher der vom Medienhaus Bauer präsentierten Abendsprechstunde im Marler Marien-Hospital in den Bann. Foto: ANDREAS KALTHOFF

Unsere Nieren sind wahre Hochleistungsorgane: Unser gesamtes Blut, das sind rund 1800 Liter, fließt täglich rund 300 Mal durch sie hindurch und das Organ selbst enthält allein rund 20 bis 25 Prozent unseres Blutes. Doch die vielen kleinen Blutbahnen in den Nierenknötchen, in denen die Entgiftung stattfindet, sind auch gleichzeitig die Schwachstellen des Körpers.
Was diese Schwachstelle ausmacht und wie Nierenschwäche therapiert wird, darüber sprach Nephrologie-Chefarzt Dr. Markus Schmidt vom Marien-Hospital bei der vom Medienhaus Bauer präsentierten Abendsprechstunde. So bedeute akutes Nierenversagen innerhalb von 48 Stunde, dass sich die Nierenleistung verschlechtere. Bis zu 80 Prozent der Betroffenen erholen sich zwar davon. Dennoch tragen sie ein erhöhtes Risiko für Nierenleiden und sollten regelmäßig zur ärztlichen Kontrolle gehen. Lebensbedrohlich kann dagegen ein chronischer Nierenschaden verlaufen. Von ihm spricht man nach drei Monaten fortschreitenden Nierenversagens mit schlimmen Folgen, weil die harnpflichtigen Substanzen den Körper vergiften, Wasser sowie Salze nur unzureichend ausgeschieden werden und sich Ödeme bilden. Denn der komplette Mineralienhaushalt ist gestört. Neben Wasser lagern sich etwa Kalium, Kalzium und Phosphate an, die im schlimmsten Fall zu Gefäß- und Weichteilverkalkungen, Knochenerkrankungen, aber auch zu Herzrhythmusstörungen bis zum Tod führen können. Kennzeichnend ist oft auch die typische Blutarmut, Anämie genannt, sowie eine Knochenerweichung, auch als Erwachsenenrachitis bekannt, oder eine Übersäuerung des Blutes und Gicht als Folge, so Schmidt in seinem Vortrag.

Doch welche Ursachen kann Nierenversagen haben, und sind die Leiden immer selbst gemacht, also Risiken damit vermeidbar? Laut Schmidt machen zwei große Krankheitsbilder mehr als 50 Prozent aller Nierengeschädigten aus. Neben Diabetes mellitus (rund 30 Prozent) ist vor allem Bluthochdruck für Nierenleiden verantwortlich.

Vorbeugen gegen die Schrumpfniere

Die Verkalkung und damit Verengung der Blutgefäße betreffe laut Schmidt auch die Nierenknötchen, die in der Folge vernarbten und so irreparable Nierenschäden hervorriefen, etwa die Schrumpfniere, die mit sieben Zentimetern Größe rund fünf Zentimeter kleiner sei als ein normales Organ. Bei Diabetes wiederum sorge die erhöhte Eiweißausscheidung im Urin für Arteriosklerose der Gefäße und für eine vergrößerte Niere. Auch falsch dosierte Medikamente wie Diclofenac, Ibuprofen oder bestimmte Antibiotika sowie chronische Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Erbfaktoren können eine Nierenschwäche auslösen.

Vorbeugen könne man durch Reduktion der Risikofaktoren wie Rauchen und Alkohol, eine korrekte Blutdruckeinstellung sowie durch salz-, eiweiß- und phosphatarme Kost. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten auf die optimale Trinkmenge achten. Pro Tag sollten es mindestens zwei Liter Flüssigkeitszufuhr sein.

Aber Achtung: Herzinsuffiziente Patienten sowie die meisten Dialysepflichtigen dürfen dagegen nur sehr wenig trinken und sollten nierenschädigende Medikamente wie Antibiotika, jodhaltige Röntgenkontrastmittel und Immunsuppressiva meiden. Hier gelte: „Die Dosis macht das Gift.“


AUTOR
Ina Fischer
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. Mai 2019, 03:38 Uhr
    Aktualisiert:
    15. Mai 2019, 03:40 Uhr