Alles anders macht … der 16. Geburtstag. Über Rechte, Pflichten und Verantwortung

Für viele Jugendliche stellt der 16. Geburtstag einen großen Schritt ins Erwachsenleben dar. Nur noch zwei Jahre bis zur Volljährigkeit. Doch was ist in eben diesen zwei Jahren überhaupt erlaubt? Das verrät dieser Beitrag.

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  1. Mehr Jobchancen
Wer sich neben der Schule etwas dazuverdienen möchte, hat mit 16 deutlich bessere Chancen einen begehrten Nebenjob zu erhaschen. Mit 16 ist nämlich mehr erlaubt, als noch mit 15 Jahren. Zwei Beispiele: Wer in der Bäckerei jobbt oder in der Landwirtschaft, dem wird nun erlaubt bereits um 5 Uhr morgen zu arbeiten zu beginnen. Wer in einer Gaststätte bedient, darf diesem Nebenjob bis 22 Uhr nachgehen. Aber Achtung: Die Chance, mehr Geld zu verdienen, birgt auch ein Risiko – und zwar für die Eltern der jungen Erwachsenen. Bei 8.300 Euro im Jahr liegt die magische Grenze. Wird diese überschritten, erhalten die Eltern kein Elterngeld mehr und die Einnahmen aus den Nebenjobs müssen steuerlich angemeldet werden. Apropos Geld … Damit der Jugendliche auch einen Ort hat, an dem er das Gehalt deponieren kann, dürfen Jugendliche ab 16 Jahren ein eigenes Konto eröffnen. Schulden machen ist übrigens nicht erlaubt. Überziehen dürfen sie ihr Konto also nicht.
 
  1. Größere Getränkeauswahl
Wer sich abends gern mit Freunden trifft, darf dies nun ganz offiziell auch „auf ein Glas Bier“ tun. Bier, Wein und Sekt sind nun ganz offiziell erlaubt – sowohl der Erwerb, als auch der Verzehr. Tipp: Wer erstmals mit alkoholischen Getränken experimentiert, tut dies am besten in Gesellschaft guter Freunde oder auf einer privaten Feier. So können die Folgen des Alkoholkonsums besser kontrolliert werden.
 
  1. Längerer Ausgang
Bis Mitternacht haben 16-Jährige Ausgang. Wo sie diese Zeit verbringen, dürfen die jungen Erwachsenen dabei selbst entscheiden. Das heißt: Erlaubt ist sowohl das abendliche Picknick im Park als auch der Discobesuch. Während Outdoor-Aktivitäten meist bereits gegen 21 Uhr ins Rollen kommen, kann in einer Disco bis 23 Uhr noch Flaute herrschen. Wer dann als 16-Jähriger länger bleiben möchte, muss seine Überredungskünste walten lassen. Erklären sich die Eltern einverstanden, ist es möglich mit einem entsprechenden Partyzettel, den Aufenthalt in der Disco zu verlängern. Tipp: Die Muttizettel-Vorlage ermöglicht eine Verlängerung der Partynacht. Dokumentiert werden darauf sowohl die Daten des Jugendlichen als auch die Daten des Volljährigen, den die Erziehungsberechtigten mit der Aufsicht betrauen. Kontaktdaten der Erziehungsberechtigten sowie eine Kopie deren Ausweise kippen die Mitternachts-Deadline.
 
  1. Mehr Bürokratie
Bye, bye, Kinderausweis, heißt es pünktlich zum 16. Geburtstag. Das heißt, ab sofort haben 16-Jährige einen klassischen Personalausweis – seit 2010 im Scheckkartenformat. Achtung: Die Anfertigung des Personalausweises kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher ist es wichtig, das Dokument rechtzeitig zu beantragen. Zur Beantragung eines Ausweises müssen Minderjährige grundsätzlich ihre Eltern mitbringen. Wird erstmals ein Ausweis erstellt, ist die Vorlage der Geburtsurkunde Pflicht. Was beim Antrag zu beachten ist und, was das Dokument kostet, erklärt die zuständige Kommune. Die Stadt Recklinghausen hat alle wichtigen Informationen online zusammengetragen.
 
  1. Mehr Mobilität
Ein Stückchen mehr Mobilität verspricht das 16. Lebensjahr, denn ab 16 Jahren dürfen Jugendliche den Roller- oder Moped-Führerschein machen. Auch gilt auf manchen Quad-Tracks oder Kartbahnen ein Mindestalter von 16 Jahren.
 
  1. Mehr Rechte
Der Kauf eines Prepaid-Handys ist ab 16 Jahren auch ohne Erlaubnis der Eltern möglich. Zu informieren sind die Erziehungsberechtigen, wenn der Jugendliche im Internet shoppt. Eine schriftliche Erlaubnis ist nötig, um einen Smartphone-Vertrag abzuschließen. Im juristischen Fachjargon heißt das: Jugendliche ab 16 Jahre sind beschränkt geschäftsfähig. Weitere Details zum Thema Geschäftsfähigkeit Minderjährigerer sind im Anwaltsforum nachzulesen.
 
  1. Mehr Politik
Wer politisch interessiert ist, darf nun in eine Partei eintreten, um selbst politisch aktiv zu werden. Hier, im Bundesland Nordrhein-Westfalen, dürfen Jugendliche ab 16 Jahren übrigens bereits zum Wählen gehen. Die Idee, bereits ab 16 Jahren die Politik mitzubestimmen, wird bereits seit einigen Jahren (seit 1996) umgesetzt. Heute ist das Wahlrecht für Jugendliche ab 16 Jahre in Niedersachen, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Nordrhein-Westfalen aktiv.
 
  1. Liebe und Partnerschaft
Im Gesetz verankert sind Regeln und Gebote für sexuelle Beziehungen. Zum Vergleich: Im Alter von 14 Jahren durfte der (Sexual-)Partner nicht älter als 21 Jahre sein. Mit 16 darf der Partner nun auch älter als 21 Jahre sein. Für die Hochzeitsglocken gelten übrigens andere Altersbeschränkungen. Wer im Alter von 16 Jahren vor den Traualter treten möchte, darf dies nur mit einem Partner, der volljährig ist, tun. Auch die Eltern des 16-Jährigen müssen der Heirat zustimmen.
 
  1. Veränderungen im Dienstleistungsbereich
Kaum einer weiß, dass ein Friseur Niemanden unter 16 Jahren die Haare färben darf. Ab 16 Jahren ist dies erlaubt. Andere, weitreichendere optische Veränderungen – wie etwas das Stechen eines Piercings oder das Tatöwieren der Haut – werden von seriösen Studios nur mit der Einwilligung der Eltern vorgenommen. Zwar darf der Vertrag abgeschlossen werden (Stichwort: Geschäftsfähigkeit), aber die Ausführung sollte nur mit Einwilligung der Eltern erfolgen. Optional steht 16-Jährigen frei, ob sie sich bereits jetzt einen Hausarzt suchen wollen oder bis zur Volljährigkeit den Kinderarzt aufsuchen.

Abbildung 1: unsplash.com (CC0 Public Domain)
 



ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    1. Februar 2018, 16:33 Uhr
    Aktualisiert:
    1. Februar 2018, 16:35 Uhr