Nesselsucht: Oberhausener Dermatologe gibt Therapietipps

Wenn rote Quaddeln für furchtbares Jucken auf der Haut sorgen, leidet der Betroffene in der Regel an Nesselsucht. Schätzungen zufolge wird jeder vierte Erwachsene mindestens einmal im Leben von der Krankheit heimgesucht, deren medizinischer Name Urtikaria lautet. Allein in Deutschland leiden mehr als 800.000 Menschen an einer chronischen Nesselsucht, der schwerwiegendsten Ausprägung. Dr. Christian Tigges ist leitender Oberarzt an der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen. Im Interview erläutert der Mediziner, warum die Nesselsucht für Ärzte immer wieder eine Herausforderung darstellt.

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Eine Vielzahl von Ursachen

Die Hautkrankheit tritt aufgrund einer Vielzahl von Ursachen auf – was, so Dr. Tigges, „Diagnose und Therapie auch nicht ganz einfach macht.“ So können bestimmte Medikamente, darunter weit verbreitete Schmerzmittel wie Aspirin und Ibuprofen, eine Nesselsucht auslösen. Dr. Tigges weiter: „Aber auch Geschmacks-, Konservierungs- und Farbstoffe in Lebensmitteln sowie histaminhaltige Produkte wie Käse und Rotwein können schuld sein.“ Des Weiteren kämen auch bestimmte allergene Inhaltsstoffe in Fisch, Muscheln oder Krustentieren in Frage, außerdem Wärme, Kälte, Druck und Licht.

Echte Detektivarbeit also, die Mediziner da leisten müssen, um den oder die Auslöser zu bestimmen. Zunächst aber gilt es festzustellen, ob eine akute oder chronische Ausprägung vorliegt: Die akute Nesselsucht ist die häufigste Form der Krankheit; mit Unterstützung von kühlenden Umschlägen oder antihistaminischen Salben und Tabletten klingt der Hautausschlag recht schnell wieder ab. Halten die Beschwerden länger als sechs Wochen an oder treten sie vermehrt auf, handelt es sich um eine chronische Nesselsucht.

Magenkeim Heliobacter pylori oft verantwortlich

Laut Dr. Tigges steht bei der folgenden Spurensuche die Frage nach einem möglichen Infektherd im Körper im Vordergrund. Daher werden Patienten auch zum Zahnarzt, Frauen zum Gynäkologen geschickt. Blut- und Stuhlproben sollen klären, ob „der bekannte Magenkeim Heliobacter pylori schuld an der Nesselsucht“ ist. Das Bakterium ist zudem die häufigste Ursache für Magenschleimhautentzündungen und trägt zur Entstehung von Magenschleimhaut- und Zwölffingerdarmgeschwüren bei. Eine Infektion mit dem Bakterium Heliobacter pylori kann akut oder chronisch auftreten. Die Ansteckung erfolgt in der Regel oral, zum Beispiel durch Küssen.

Die Therapie einer chronischen Nesselsucht beginnt mit dem Einsatz einfach dosierter, nicht ermüdender Antihistaminika. Dr. Tigges: „Wenn sich binnen zwei Wochen keine Besserung einstellt, erhöhen wir die Dosis um das Vierfache.“ Sollte auch dies nicht helfen, werden entzündungshemmende Asthmapräparate verschrieben. „Als gute Alternative stehen uns seit einiger Zeit Antikörper zur Verfügung. Der Wirkstoff Omalizumab wird alle vier Wochen unter Aufsicht unter die Haut gespritzt“, so Tigges weiter. Der Großteil der Patienten sei innerhalb kürzester Zeit beschwerdefrei. Tigges: „Außerdem ist das Medikament gut verträglich.“
 


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    14. Februar 2018, 08:46 Uhr
    Aktualisiert:
    21. April 2018, 03:34 Uhr