Wahrheiten zum deutschen Kochverhalten

So wie sich der Zeitgeist des Zeitdrucks im Lebensstil widerspiegelt, spiegelt er sich längst auch im deutschen Kochverhalten.

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Deutsche kochen unregelmäßig

Das Kochverhalten der Deutschen verändert sich ununterbrochen und passt sich kontinuierlich an neue Anforderungen an. So auch im aktuellen Jahrzehnt: Nicht einmal die Hälfte der Deutschen nutzt heutzutage noch täglich den eigenen Herd. Vor vier Jahren waren es noch deutlich mehr Personen, die ihre Kochplatten zumindest einmal pro Tag verwendeten. Einige kamen sogar in der Mittagspause zum Essen nach Hause, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Schuld ist der allgegenwärtige Zeitdruck des aktuellen Jahrzehnts. Der immer schwieriger werdende Spagat zwischen forderndem Familienleben und anspruchsvollem Beruf hat dazu geführt, dass das Essenfassen in vielen Fällen nur noch nebenher passiert – eine ungesunde Angewohnheit, die erwiesenermaßen Übergewicht begünstigt.

Fertigware wird in Deutschland immer beliebter

Aus besagtem Zeitmangel sind die meisten deutschen Alltagsköche mittlerweile eher Aufwärmer als Köche. Laut Konsumforschern müssen Gerichte heutzutage möglichst schnell und einfach zuzubereiten sein. Wie ungesund stark verarbeitetes Fast Food ist, wissen die meisten Deutschen mittlerweile trotzdem und achten beim Kauf zumindest ein Stück weit auf die Zutaten. Tiefkühlkost-Hersteller haben diesen Trend bemerkt und bieten längst angeblich gesundes Fast Food aus Bio-Zutaten an. Trotz dieser scheinbar vielversprechenden Entwicklung bleiben entsprechende Gerichte in Wirklichkeit ungesund, weil sie meist noch immer Zucker und gesättigte Fettsäuren enthalten. Leider ist bisher offenbar nur einem verschwindend geringen Anteil aller deutschen Hobby-Köche bewusst, dass man mit den richtigen Rezepten gesunde Gerichte in Windeseile zubereiten kann.

Ältere Deutsche sind öfter Edelköche

Wer sich die Zeit dazu nimmt, erlebt die Nahrungsaufnahme als essenzielle Genusserfahrung. Dass Essen tatsächlich glücklich machen kann, liegt an dem engen Zusammenhang zwischen Nährstoffversorgung und Überleben. Das Belohnungszentrum im Gehirn löst bei der Nahrungsaufnahme Glücksgefühle aus, weil die Sicherung der Ernährungssituation für alle Lebewesen einen der existenziellsten Ansprüche darstellt. Weil das Essen nebenbei in Zeiten des Zeitdrucks zu einer allzu verbreiteten Unart geworden ist und sich ein Großteil aller Deutschen kaum noch bewusst auf den Akt der Nahrungsaufnahme konzentriert, erlebt nur noch ein geringer Anteil entsprechende Hochgenüsse. Studien zufolge ist der Genuss-Anspruch zumindest bei der älteren Generation noch verbreitet. In jüngeren Bevölkerungsgruppen waren selbsternannte Edelköche vergleichsweise seltener anzutreffen, während viele Deutsche aus höheren Altersklassen sowohl Genuss- als auch Nachhaltigkeitsansprüche an ihre Ernährung stellen. Nachhaltigkeit ist hierbei im doppelten Sinne zu verstehen, denn bewussten Essern geht es nicht nur um nachhaltige Sättigung, sondern auch nachhaltige Zubereitung. Während die Wegwerf-Manier des Konsumzeitalters jüngere Deutsche fest im Griff zu haben scheint, achtet man in höherem Alter eher auf bedarfsgerechte Portionen und wirft dementsprechend weniger Nahrungsmittel in den Müll.



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  • Erstellt:
    10. Mai 2019, 10:47 Uhr
    Aktualisiert:
    10. Mai 2019, 10:56 Uhr