Wirklich sicher verhüten – aber wie?

Verhütungsmittel gibt es viele. Aber welche sind denn, besonders für junge Menschen, empfehlenswert?
Aufklärungsunterricht hin, Gleichaltrigen-Austausch her. Die meisten Teenager wenden sich, wenn sie in Sachen Verhütung Lebenserfahrung benötigen, an ihre Eltern. Doch wissen die auch nicht alles. Klar, die gängigsten Dinge sind meist ein Begriff, aber wie sicher ist denn sicher? Und zu welchem Verhütungsmittel sollte man Sohn oder Tochter raten? Die zweite Frage können Eltern nur selbst beantworten. Dafür verraten wir aber die Antwort auf die erste.
 
Sicher oder wirklich sicher?
Stellt sich zunächst die Frage, wie sich die Sicherheit überhaupt messen lässt. Gut, dass es den Biologen Raymond Pearl gab. Er erfand den Pearl-Index. Dieser sagt aus, wie viele Frauen, die ein bestimmtes Verhütungsmittel nehmen, schwanger werden. Als Formel:
(Schwangerschaften x 1200) / (Mit dieser Methode Verhütende x Anwendungsmonate)
Heraus kommt eine Zahl, die aussagt, wie viele von 100 Frauen, die auf diese Weise verhüten, innerhalb eines Jahres schwanger werden – ganz ohne Verhütung übrigens 85-90. Dadurch wird nicht nur die reine Produktwirksamkeit gewertet, sondern auch andere Faktoren wie Anwendung, mögliches vergessen usw.
Für die folgenden Punkte haben wir uns nur auf die sichersten Methoden konzentriert – rein auf Pearl-indizierte Verhütungswirkung bezogen und ohne Rücksicht auf weitere Vor- und Nachteile.
 
Platz 10: Kondom
Auspacken, überstreifen, loslegen. Das sind die Haupt-Vorteile des „Verhüterli“. Hinzu kommt jedoch noch mehr. So sind Kondome die einzigen Verhütungsmittel, die auch gegen Geschlechtskrankheiten schützen. Zudem haben sie keine bekannten Nebenwirkungen und müssen nur direkt vor dem Geschlechtsakt eingesetzt werden.
Der große Nachteil: Kondome können reißen, können abrutschen und unterbrechen das Liebesspiel. Dennoch: Für One-night-Stands sowieso und auch als ergänzendes Mittel sind sie absolut ohne Konkurrenz, der breite Pearl-Index resultiert vor allem aus möglichen Anwendungsfehlern.
Pearl-Index: 2-12
 
Platz 9: Spirale
Sie gehört zu den sichersten Verhütungsmitteln überhaupt, dennoch ist ihre Wirkungsweise noch nicht restlos erforscht. Die Kupferspirale. Ein Stäbchen, das vom Gynäkologen in die Vagina eingeführt wird und dort für mehrere Jahre verbleibt. Es handelt sich nicht um ein hormonelles Präparat, viel mehr sorgt das Kupfer dafür, dass die Spermien gehemmt werden.
Der Nachteil betrifft vor allem junge Frauen: In der ersten Zeit kann es zu Entzündungen kommen und Frauen, die noch keine Kinder haben, stoßen die Spirale manchmal ab. Zudem ragt der Rückholfaden einige Zentimeter in den Vaginalkanal hinein. Und der korrekte Sitz muss halbjährlich geprüft werden.
Pearl-Index: 0,9-3,0
 
Platz 8: Verhütungspflaster
Hormonelle Verhütung, die man aufkleben kann? Das gibt es. Ein gut Handflächen-großes Pflaster, welches man drei Wochen tragen muss. Während dieser Zeit gibt es die gleichen hormonellen Wirkstoffe ab wie die Pille. Der Vorteil daran ist, dass man eine Pille vergessen kann. Das Pflaster bleibt jedoch kleben.
Gleichsam ist das auch schon der Nachteil: Denn ein Pflaster klebt nun mal je nach Hauttyp und Dusch-Häufigkeit unterschiedlich gut. Bei übergewichtigen Frauen kann die Wirksamkeit zudem auch geringer ausfallen.
Pearl-Index: 0,9
 
Platz 7: Vaginalring
Ein relativ neuer Vertreter der hormonellen Verhütungsmittel ist der Vaginalring. Das aus weichem Kunststoff bestehende Gebilde wird in die Vagina eingesetzt, verbleibt dort für drei Wochen und wird dann wieder entfernt – alles von der Trägerin selbst. Der Vorteil ist die hohe hormonelle Sicherheit in Verbindung mit der „Unvergessbarkeit“. Allerdings kann es als Negativfolge natürlich auch dazu kommen, dass der Ring „tatsächlich“ vergessen wird. Zudem berichten gerade junge, schmal gebaute Frauen, dass sie den Ring manchmal spüren – gleiches kann auch Männern beim Sex passieren.
Pearl-Index: 0,65
 
Platz 6: Minipille
Die Pille war, zumindest in ihrer ersten Zeit und teilweise auch noch heute (siehe Mikropille) ein Präparat, in dem mehrere Wirkstoffe arbeiten. Nicht so die Minipille, bei ihr kommt ausschließlich Gestagen zum Einsatz. Im Gegensatz zu anderen Pillen gaukelt sie dem Körper keine Schwangerschaft vor, sondern sorgt nur dafür, dass sich Zervix- und Gebärmutterschleim verändern, sodass Spermien gehemmt werden. Damit bleiben die hormonellen Nebenwirkungen weitestgehend aus – bei den gleichen Risiken, wie Vergessen der Pille.
Pearl-Index: 0,5-3,0
 
Platz 5: Weibliche Sterilisation (nur der Vollständigkeit halber)
Bei der weiblichen Sterilisation werden die Eileiter abgeklemmt, sodass sich gar keine Eizelle mehr einnisten kann. Sehr sicher, aber weil nur schwierig rückgängig zu machen, keine Option für junge Frauen.
Pearl-Index: 0,2-0,5
 
Platz 4: Östrogenfreie Pille
Östrogenfreie Pillen sind ein Mittelding zwischen der genannten Minipille und klassischen Präparaten. Auch hier kommt Gestagen zum Einsatz, zusätzlich aber noch der Wirkstoff Desogestrel, der den Eisprung ähnlich hemmt wie bei einer Mikropille, aber ohne viele der auftretenden hormonellen Nebenwirkungen.
Als Nachteil ist es allerdings notwendig, diese Pille 28 Tage am Stück „durchzunehmen“, mit entsprechend erhöhtem Risiko des Vergessens.
Pearl-Index: 0,14
 
Platz 3: Mikropille
Die Mikropille ist die „echte“ Pille. Sie ist ein Kombipräparat aus Gestagen und einem den Eisprung verhindernden Hormon – das „Mikro“ heißt nur deshalb so, weil die Wirkstoffe weitaus geringer dosiert sind, als bei früheren Pillen-Generationen. Sie wird drei Wochen lang genommen, dann für eine Woche abgesetzt, während der die Blutung eintritt. Gleichsam tummeln sich hier auch die meisten Präparate, die statt in der Apotheke online gekauft werden können, hier bietet sich das Portal Fernarzt.com an.
Der Nachteil entsteht durch mögliche Unverträglichkeiten. Zudem muss die Mikropille jeden Tag zur gleichen Uhrzeit eingenommen werden, das mögliche Zeitfenster ist sehr eng. Das benötigt viel Disziplin, an der es gerade jungen Frauen oft mangelt.
Pearl-Index: 0,1-0,9
 
Platz 2: Männliche Sterilisation (nur der Vollständigkeit halber)
Auch Männer können sterilisiert werden. Bei der Vasektomie werden die Samenleiter abgebunden. Eine Ejakulation findet zwar noch statt, diese enthält aber keine Spermien mehr.
Pearl-Index: 0,1-0,15
 
Platz 1: Verhütungsstäbchen
Der König der Verhütungsmittel ruft, wie könnte es anders sein, auch königliche Preise auf: satte 300 Euro kann man für das Verhütungsstäbchen einplanen. Dafür gibt es ein Hormon-abgebendes ganz dünnes Kunststoffstäbchen, das unter die Haut implantiert wird und dort drei Jahre lang verbleibt.
Die Vorteile liegen natürlich auf der Hand. Keine Chance, es zu vergessen oder zu verlieren, volle Wirksamkeit auch nach Erbrechen oder Durchfall. Allerdings: Einsetzen dürfen es nur speziell geschulte Gynäkologen und es gibt auch keine Möglichkeit, das Stäbchen kurzfristig abzusetzen.
Pearl-Index: 0-0,08
 



ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    22. Dezember 2017, 14:00 Uhr
    Aktualisiert:
    15. April 2018, 03:34 Uhr