Carsharing: Studenten in der Spur

Für viele Studenten ist ein Auto kaum erschwinglich. Wenigstens zeitweise können angehende Akademiker die Freiheit auf vier Rädern günstig genießen – mit Carsharing zum Uni-Tarif oder mit einem Mietwagen. Wer etwas mehr Geld hat, bekommt auch ein Billigauto.

  • Studenten in der Spur - Wie Hochschüler günstig Auto fahren

    Fürs Foto strahlen die Kommilitonen noch. Innerlich aber kocht sie schon, denn sie weiß, dass ihr Mitstudent mit seiner Karre viel eher auf dem Campus ist als sie mit ihren Inlinern. Kleiner Tipp an die junge Dame: Dank Carsharing könntest du auch schneller von A nach B kommen! Foto: Andreas Schoelzel (Cambio)

Die Brieftasche von Studenten quillt selten über. Das Budget für ein Auto hat nicht jeder. Dabei halten junge Erwachsene viel von Autos: 89 Prozent der Bundesbürger zwischen 18 und 24 Jahren mögen die Freiheit am Steuer, wie eine repräsentative GfK-Umfrage aus dem Jahr 2014 zeigt. Neun von zehn jungen Erwachsenen (92 Prozent) haben bereits einen Führerschein. Häufig fehlt es jedoch am Geld, um den Wunsch nach uneingeschränkter Mobilität zu verwirklichen.
Auto fahren können Studenten trotzdem. Vergleichsweise günstig kommen angehende Akademiker beim Carsharing weg. Nach einer Untersuchung von Stiftung Warentest können Autos bereits ab 1,99 Euro pro Stunde auf Zeit gemietet werden. Der Vorteil: Kfz-Steuer, Versicherungsbeiträge sowie Kosten für Reparaturen entfallen. „Einige Anbieter haben auch Studenten-Tarife im Programm“, sagt Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbandes Carsharing (BCS).

Carsharing zu Uni-Konditionen

Ein Anbieter mit Uni-Konditionen ist Cambio. Das Carsharing-Unternehmen unterhält stationsgebundene Autos in 19 Städten Deutschlands und bietet einen Campus-Tarif an. Studenten müssen keine monatliche Grundgebühr zahlen, die je nach Tarif und Stadt bei 3 bis 25 Euro liegen kann. Ebenfalls vergünstigt ist der Mietpreis bei vielen Automodellen. „Für junge Autofahrer wollen wir die Einstiegshürden zum Autofahren so niedrig wie möglich halten“, sagt Bettina Dannheim, Sprecherin der Cambio-Gruppe. Mittlerweile nutzen mehr als 6 220 Kunden den Campus-Tarif. Auch Flinkster, Carsharing-Dienst der DB Services GmbH und mit etwa 300 000 Kunden größter Anbieter stationsgebundener Autos, gewährt Nachlässe für Studenten. Allerdings gelten die Rabatte bislang nur in Trier, Oestrich-Winkel und Wiesbaden. „Wir sind gerade dabei, auch mit anderen Universitäten Kooperationen auszuhandeln“, bestätigt ein Sprecher. Der größte Anbieter des stationsunabhängigen Carsharing, DriveNow mit 430 000 Kunden, bietet an manchen Universitäten ebenfalls Sondertarife an. Wo diese gelten, erfahren Studenten auf der Uni-Homepage.
Wollen Studenten auf ein Festival, ins Ausland oder in die Heimat, ist ein Mietwagen die bessere Wahl. „Bei Ausflügen ab drei Tagen sind gemietete Autos in jedem Fall günstiger als Carsharing-Pkw“, sagt Falk Murko, Mietwagen- und Reiseexperte bei der Stiftung Warentest. Beim klassischen Carsharing setzen sich die Preise aus Fahrtzeit und Fahrtkilometern zusammen. Je weiter und zeitintensiver die Tour ist, desto teurer wird es – dann sind die Kosten schnell höher als für einen Mietwagen.
Anbieter für Mietwagen wie Europcar, Hertz, Sixt und Avis bieten Vergünstigungen für Studenten an. Bei Hertz etwa bekommen Hochschüler Rabatt von 20 Prozent auf einen Pkw, wenn sie mindestens 19 Jahre alt sind und ihren Führerschein länger als ein Jahr haben. Auf solche Vergünstigungen sollten sich Studenten aber nicht verlassen. „Andere Anbieter sind unter Umständen ohne Studententarif günstiger“, sagt Falk Murko. Preise vergleichen Studenten am besten auf Mietwagenportalen im Netz. Stiftung Warentest empfiehlt nach einer Untersuchung vor allem die Seiten www.billiger-mietwagen.de, www.ihrmietwagen.de oder www.mietwagencheck24.de.

Eigene Karriere? Nicht auf Preis schielen!

Für manche Studenten ist ein Auto auf Zeit zu wenig. Unabhängigkeit bietet für sie nur ein eigener Pkw, am besten ein günstiger Gebrauchtwagen. Der ADAC warnt jedoch davor, nur auf einen günstigen Preis zu schielen. Ein Kleinwagen mag für 2 000 Euro zwar ein Schnäppchen sein. Doch mit 100 000 Kilometern auf dem Tacho ist das Risiko groß, dass der Wagen bei geringen Schäden zum wirtschaftlichen Totalausfall wird, erklärt Thomas Pitschi vom ADAC. „Über relevante Sicherheitssysteme wie ESP oder ABS sollte der Wagen in jedem Fall verfügen“, so der Experte.
Studenten mit größerem Budget können sich unter Umständen einen Neuwagen leisten. Billigautos starten bereits bei knapp 7 000 Euro. Der ADAC beurteilt Portale wie www.autohaus24.de, www.meinauto.de, www.carworld-24.de und www.netcar.de in Bezug auf Rabatte als „sehr gut“. Grundsätzlich sollten Studenten beim Neukauf jedoch bedenken, dass der Wiederverkaufswert rasant sinkt: „Im ersten Jahr ist der Wertverlust am größten“, sagt Vincenzo Lucà vom Tüv Süd. Je nach Laufleistung und Modell können Autos nach drei Jahren nur noch die Hälfte wert sein. Entschließen sich Studenten zum Kauf, kommen hohe Beitragssätze für die Kfz-Versicherung obendrauf. Bei Fahranfängern liegt der Beitrag bei 230 bis 240 Prozent über dem Basistarif, weil sie mit der niedrigsten Schadenfreiheitsklasse einsteigen. „Glück haben Studenten, wenn die Eltern das Auto als Zweitwagen versichern“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Wenn der Wagen bei Mutter oder Vater registriert ist, sinken die Beitragssätze auf 100 Prozent. Später können Eltern ihre Schadenfreiheitsklasse für den Zweitwagen aufs Kind übertragen.


AUTOR
Alexander Tietz
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. September 2015, 12:44 Uhr
    Aktualisiert:
    30. September 2015, 15:20 Uhr