Schlechte Erfahrung gesammelt: Der etwas andere Praktikumsbericht

Praktische Erfahrung ist alles. Je mehr davon, desto besser, und wenn auch nur auf dem Papier. Schande über mich, aber ich habe meine Weihnachtsferien tatsächlich für ein Praktikum geopfert, anstatt so zu tun, mich auf mein Abitur vorzubereiten. Hätte ich eine blödere Entscheidung treffen können?

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    Übers Kaffeekochen-Dürfen hätte sich auch Eva bei ihrem Praktikumsplatz richtig gefreut. Sie hatte nichts zu tun. Foto: Arnd Petry/dpa/gms

Am ersten Tag bin ich 20 Minuten zu früh. Das Streber-Gen in mir. Freundlicher Gruß zurück, eine kleine Führung durch die Räume und ich werde an meinen zukünftigen Arbeitsplatz verfrachtet, samt Gast-Passwort für den Computer. Yay! Um 10 Uhr findet die tägliche Konferenz statt. Ich stelle mich kurz vor, höre zu, verstehe wenig, erhalte einen Auftrag mit einer Kollegin, die aber vorher noch was anderes erledigen muss, also warte ich erst mal an meinem Arbeitsplatz ab. Eine ganze Stunde werde ich ignoriert. Meine Auftragspartnerin sitzt im anderen Raum, quatscht mit Kollegen, wirkt eher desinteressiert an mir. Doch was ist der zweite Schlüssel neben Selbstbewusstsein? Genau! Eigeninitiative. „Kann ich irgendwo behilflich sein?“, frage ich deshalb. Da erhalte ich erst mal überraschte Blicke. Ach ja, die Praktikantin ist ja auch noch da. Ganz vergessen. „Äh, ja… klar, wir können gleich los“ sagt man mir. Top!

Noch nicht einmal mit Kopierarbeit oder Kaffeekochen werde ich beauftragt

Nach weiterem Warten geht es dann auch ab. Zwei Anlaufstellen hatten wir. Da können wir uns doch sicher aufteilen? „Äh ja, sicher.“ Oder auch nicht. Stattdessen werde ich vor dem Betrieb hingestellt, ich bekomme eine Aufgabe für fünf Minuten, während meine Partnerin schon einmal vorgeht… Die Aufgabe mache ich doch gern und erfolgreich – naja, nicht ganz so erfolgreich, eine wichtige Anweisung an mich wird vergessen, wie ich im Nachhinein erfahre, als meine Kollegin nach einer Stunde zurückkehrt und direkt wieder geht. „Nun ja, das kriege ich ja wohl noch mal hin“, denke ich, und nach erneutem einstündigen Warten gehen wir zwei wieder herein.
Und dort heißt es wieder: Warten. Noch nicht einmal mit Kopierarbeit oder Kaffeekochen werde ich beauftragt, einfach nichts, man ignoriert mich, zeigt mir nur noch einmal halbherzig einen Vorgang. Gegen drei ist wieder Konferenz, dort fällt meine Anwesenheit wieder auf: „Ja, also, Sie können dann eigentlich auch gehen, wir haben jetzt auch nichts Konkretes mehr für Sie.“ Der Aufforderung kam ich liebend gern nach. Natürlich mit einer höflichen Verabschiedung.

Ich werde nur vor dem Computer oder vorm Büro geparkt

Ich hatte auf keinen Fall sofort mit Chef-Jobs und Tonnen an Verantwortung gerechnet, aber auch nicht damit, die meiste Zeit einfach vor einem Computer oder vorm Büro geparkt zu werden, was die restliche Praktikumszeit so blieb. Ich hatte Zeit, mir Fragen zu stellen: Woran mag die seltsame Behandlung liegen? An meinem Äußeren? Wirke ich doch zu schüchtern? Oder ist es nichts Persönliches, sondern einfach normales Praktikanten-Prozedere? Letzteres glaube ich nicht, denn während meines Praktikums beim Kindergarten habe ich fleißig mit angepackt. Das war super. Hier bin ich aber zumindest nicht überarbeitet.

Ist jedes Praktikum so eine Katastrophe oder habt Ihr andere Erfahrungen als Eva gemacht? Mailt uns (gerne auch anonym), was Ihr so erlebt habt, unter scenario@medienhaus-bauer.de!


AUTOR
Eva (17)
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. Januar 2016, 15:54 Uhr
    Aktualisiert:
    19. Januar 2016, 16:49 Uhr