Wohnungssuche in Münster: Theologie-Studentin Sophie braucht ein Zimmer

Wohnen Als mehr oder weniger erfahrene Studentin begab ich mich in Münster auf Wohnungssuche. Auf WG-Suche, um genau zu sein. Weil ich als zweites von vier Kindern einfach nicht daran gewöhnt bin, dass es in einem Haus still ist und weil ich immer jemanden brauche, dem ich die Ohren wund quatschen kann.

  • WG-Zimmer

    Foto: Sophia Daniel

Die erste Episode dieser Odyssee verlief, gelinde gesagt, nicht unbedingt zufriedenstellend. Nach mehr als zehn Besichtigungen und Gesprächen, bei denen ich zwar interessante Menschen kennengelernt habe, aber niemals ernsthaft in Betracht gezogen hätte, mit einem dieser Menschen zusammen wohnen zu wollen, war ich ziemlich desillusioniert, was ein bezahlbares, einigermaßen zentrales Zimmer innerhalb von Münster angeht. Also entschied ich mich dafür, umzudisponieren und selber mit einem Kommilitonen eine WG zu gründen. Was wiederum ein unbekanntes Terrain für mich darstellte – das ganze Hinterhertelefonieren bei den Vermietern, die immer wieder aufkeimende Hoffnung, dass eine Wohnung bezahlbar sei und dann – natürlich – die Absage.
 

Ich entwickelte regelrecht einen Hass auf Durchgangszimmer und Küchen, die für läppische 2500 Euro übernommen werden müssten. Und auf die Aussage: „Tut uns leid, an Studenten vermieten wir prinzipiell nicht.“

Spricht mein Fach nicht für mich?

Vielen Dank. Hörte ich mich am Telefon etwa an wie eine ständig betrunkene Kettenraucherin, die im 20. Semester Orientalistik studiert und jedes Wochenende Party macht oder wovor hatten die Vermieter Angst? Ich meine, ich bin im zweiten Semester Evangelische Theologie – spricht das nicht für sich?
Nach kurzer Zeit erklärte ich also auch dieses Projekt für beendet und zog wieder alleine los. Insgesamt hatte ich über 16 WG-Besichtigungen im gesamten Münsteraner Stadtgebiet – und das waren nur die, zu denen ich auch wirklich hingegangen bin. Weil ich angesichts dieser Aussichtslosigkeit im Haus meiner Eltern immer unausstehlicher wurde und zudem mein Zimmer einer Möbelfundgrube glich, packte ich kurzerhand meine Siebensachen (und es waren wirklich nicht viel mehr als sieben) und logierte bei einer Freundin auf der Couch.

Diese Couch und auch die WG meiner Freundin wuchsen mir in den nächsten drei Wochen sehr ans Herz, und so rechnete ich beinahe nicht mehr damit, so kurz vor Beginn des Sommersemesters noch fündig zu werden. (Meine Freundin anscheinend auch nicht, denn sie ließ einen zweiten Wohnungsschlüssel für mich anfertigen.)
Bis ich eines Abends eine weitere Besichtigung hatte. Eigentlich hatte ich dort gar nicht mehr hingehen wollen, weil ich in dieser Woche bereits sieben Vorstellungen und echt keine Lust mehr hatte. Aber dann raffte ich mich doch auf. Ich fuhr also mit dem Aufzug (Pluspunkt) in die dritte Etage und betrat die Wohnung. Sah die Küche mit den Fenstern (Pluspunkt). Das Mini-Esszimmer (Pluspunkt). Das vom WC getrennte Badezimmer (Pluspunkt). Den riesigen Balkon (Pluspunkt). Das wunderschöne Laminat in meinem Zimmer (Pluspunkt).
Nach einem Kennenlernen mit einer meiner potenziellen Mitbewohnerinnen, das sich als anderthalbstündiges Plaudern herausstellte, fuhr ich nach Hause. Und erhielt ein paar Tage später den Anruf der Anrufe: „Hi, wir sind’s. Hättest du Lust bei uns einzuziehen?“ Jaaaaaaaaaaaa, hatte ich!

Hier bei uns spielt das pure Leben

Und jetzt wohne ich also seit gut drei Monaten wieder in einer Bude – voller Poster und Postkarten, mit herzlichen Mitbewohnerinnen und einem Balkon, der nach einem akuten Anfall von ansteckender Pflanz-Wut mittlerweile einem Urwald ähnelt. Hier spielt das pure Leben: Unter uns die türkische Großfamilie, die gerne mal bei Festen die orientalische Bass-Musik durchs Haus wummern lässt, und über uns die freundliche Dame mittleren Alters, die den ganzen Tag über nichts Besseres zu tun hat, als ihre Handtaschenratte, äh, ihren Chihuahua anzuschreien. Abgesehen von kleineren Lappalien wie einer auslaufenden Spülmaschine, die dreimal nacheinander die Küche unter Wasser gesetzt hat und eines undichten Waschbeckens ist unsere Wohnung top!
 

Naja, und abgesehen von der tropfenden Gummidichtung unserer Waschmaschine und unseres lecken Wasserhahns. Und unseres Herds, bei dem man die Gradzahl schätzen muss, weil es keine Temparaturanzeige gibt… Aber dafür haben wir eine französische Mikrowelle, und das ist wiederum ziemlich cool!



AUTOR
Sophia Daniel
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    25. August 2015, 14:10 Uhr
    Aktualisiert:
    30. September 2015, 15:21 Uhr