Cluesos "Neuanfang": Nichts Neues

Pop Wir alle kennen doch diese Nächte: Sechs Stunden lang getanzt, drei Bier zu viel getrunken, das Trommelfell mal wieder überstrapaziert und dann ist es so weit: endlich zu Hause. Die Schuhe in die Ecke schießen und ab auf die Couch. Ruhe und Entspannung. Das ist zuerst der Himmel auf Erden, aber nach spätestens 20 Minuten schläft man dann ein. So in etwa lässt sich das neue Album von Clueso beschreiben.

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  • Clueso

    Foto: Christoph Koestlin

  • Clueso Album

Nach seiner Trennung von Band und Manager sowie der anstrengenden Deutschlandtour 2015 musste Thomas Hübner aka Clueso erst einmal runterfahren, chillen und einiges an Schlaf nachholen. Er wird nun mal auch nicht jünger. Dazu ging er aber nicht auf die Couch, sondern direkt wieder in den Proberaum. Das Ergebnis: „Neuanfang“. Der gleichnamige Titelsong eröffnet die zehn Tracks des mittlerweile siebten Albums mit entspannten Drumbeats, eingängigen Keyboard-Melodien und der gewohnt ruhigen Stimme von Clueso, die den Track abrundet – ein chilliger Popsong und die perfekte Couch-Musik.

Austauschbare Pop-Balladen

Direkt danach sorgt der gebürtige Erfurter mit „Achterbahn“ dafür, dass wir nicht direkt einschlafen. Deutlich schneller und grooviger macht der Song Hoffnung auf ein abwechslungsreiches Album. Leider bewahrheitet sich das nicht ganz. Es folgen austauschbare Pop-Balladen wie „Erinnerung“ oder „Wenn du liebst“. Auch wenn das Instrumentale dabei durchaus Potenzial hat und der Mann weiß, wie man Töne trifft, wirkt Cluesos Gesang etwas einfallslos und monoton – müde und ausgelaugt nach einer langen Tour eben. Im dritten Song holt sich der 36-Jährige zwar nach eigener Aussage „Neue Luft“, doch die geht ihm spätestens nach der Hälfte des Albums wieder aus. Vielleicht liegt’s am Alter.

Beim siebten Song „Anderssein“ eilt dann Sara Hartman zur Rettung ins Studio und weckt den müden Kerl aus seinem Mittagsschlaf auf. Der Song ist der Höhepunkt des Albums und der englische Refrain von Sara hat echten Ohrwurmfaktor. Danach schläft das Album wieder ein. Der Song „Gordo“ handelt von einem traurigen Schimpansen, der von der NASA ins All geschossen wurde, und ist damit inhaltlich etwas spannender als der Rest. Wach macht er uns deshalb aber auch nicht. Das letzte Lied „Sorgenfrei“ hat tatsächlich einen schönen Outro-Charakter, leider ist es da nur nicht das erste auf dem Album.

Für Pop-Fans und Freunde ruhiger Balladen ist die Platte sicher ganz nett anzuhören. Nur leider auch nicht mehr. Wenn man die Lieder mit früheren Hits wie „Chicago“ vergleicht, mit denen sich Clueso und sein damals unverwechselbarer Stil einen Namen machten, wird schnell klar: Das kann er besser. „Neuanfang“ hat durchaus seine Höhepunkte und ist in all seiner „Müdigkeit“ auch stimmig. Leider fehlt der Wiedererkennungswert von früher. Zu mehr als Entspannen und Einschlafen taugt die Platte leider nicht. Denn genau genommen ist sie vieles, aber nichts Neues. Aus diesem Grund verteile ich an Cluesos „Neuanfang“ drei von fünf Sternen.



AUTOR
Sebastian Pielnik
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    23. November 2016, 15:26 Uhr
    Aktualisiert:
    23. November 2016, 15:35 Uhr
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