Neues Album von alt-J: Indie-Rocker mit unvorhersehbaren Ideen

Alt-J gelten als die Band der Stunde. Ihre Songs sind unvorhersehbar und abwechslungsreich. Mit ihrem dritten Album „Relaxer“ wollen die Intellektuellen unter den Indie-Rockern beweisen, dass ihnen die Ideen nicht ausgegangen sind. Alt-J sind anders. Außergewöhnlich anders. Nicht nur, weil das Trio es versteht, aus komplexen und sperrigen Sound-Landschaften Ohrwürmer zu machen, denen man sich kaum entziehen kann. Die Twentysomethings sind mit ihrer verkopften Musik auch extrem erfolgreich.

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    Gus (v. l.), Thom und Joe machen als alt-J intelligent strukturierten Indie-Pop-Sound. Foto: Mads Perch

Eine Million Exemplare weltweit verkauften die ehemaligen Studenten der Universität von Leeds von ihrem 2012 erschienenen Debütalbum „An Awesome Wave“. Es präsentiert einen eigenwilligen, intelligent strukturierten Indie-Pop-Sound. Dazu kommt der gewöhnungsbedürftige Falsettgesang des Frontmanns Joe Newman, der manchmal nur melodiös in sich hineinmurmelt. Für das Album wurden alt-J in England mit dem renommierten Mercury Prize ausgezeichnet. Seitdem sind ihre Konzerte manchmal innerhalb von zehn Minuten ausverkauft. Die Musiker selbst bleiben trotz ihres Erfolges auf dem Boden. Selbst in ihrem Wohnort werden sie meist nicht auf der Straße erkannt. Erfolg ohne Ruhm, das ist so selten wie ein vierblättriges Kleeblatt.

Joe Newman (Gesang und Gitarre), Gus Unger-Hamilton (Keyboards) und Thom Green (Schlagzeug) erzählen uns von der Arbeit an ihrem dritten Album „Relaxer“ – extrovertierte, anziehende und avantgardistisch angehauchte Songs. Eine Richtung, in der ihre ungewöhnliche, aber eingängige Musik auch das formatierte Mainstreamradio treffen könnte. Der Begriff „Relaxer“ entstammt dem Friseurhandwerk. Das ist ein Gerät, mit dem man Locken glätten kann, verrät der ziemlich mundfaule Trommler Thom Green, der aufgrund einer Erkrankung nur noch 20 Prozent seines Hörvermögens besitzt.

Eine Kreativität, die schwindelig macht

Wie er auf diesen Titel gekommen ist, will er nicht mehr wissen. Er ruft bei ihm ein bestimmtes Gefühl hervor. Haben sie versucht, dieses Gefühl zu vertonen? „Nein, die Musik war zuerst da. Erst danach haben wir uns den Titel überlegt“.
Mit dem dritten Album entscheidet sich, ob einer Band ein langes Leben beschieden ist, heißt es. Sollte das zutreffen, stehen alt-J erst am Anfang ihrer Karriere. Frontmann Joe Newman beweist auf „Relaxer“ sein rühmenswertes Kompositionstalent und die nicht unwichtige Fähigkeit, besondere Effekte zu zaubern. Die Band strotzt vor Kreativität; ihr intellektueller, modernistischer Indie-Pop macht den Hörer geradezu schwindelig.

Die Wirkung von Klängen fasziniert die Band immer wieder aufs Neue. „Bis zu einem gewissen Grad reden wir über Sounds“, erläutert Joe. „Aber eigentlich wissen wir immer ziemlich genau, was wir wollen. In unseren Diskussionen geht es meist darum, wie wir unsere Ideen ausführen, aber auch ein bisschen um Atmosphäre. Wir arbeiten mit einem sehr überschaubaren Equipment. Auf diese Weise kommen wir schneller und leichter auf den Punkt“. Das Album reflektiert das, wofür die Bandmitglieder sich interessieren. Und das sind in erster Linie die Kollegen, wenn man dem grinsenden Joe Glauben schenkt. Sie helfen, lenken und überraschen sich gegenseitig, immer wieder, mit ihren manchmal etwas gewöhnungsbedürftigen, unkonventionellen Ideen.
Obwohl alt-Js Musik anspruchsvoll und kompromisslos ist, bleibt sie immer verständlich. Zu alt-Js Stärken gehört, nicht angestrengt zu klingen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich besonders bemühe“, sagt Joe Newman über seine Art, Musik zu machen. „Ich folge einfach nur meinem Instinkt“.

 


AUTOR
Olaf Neumann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. Juni 2017, 12:51 Uhr
    Aktualisiert:
    20. Juni 2017, 06:35 Uhr
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