Anna und Linda betreiben einen Online-Shop: Mit 21 Jahren in die Selbstständigkeit

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch bei Scenario junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Anna und Linda aus Marl.

  • VIP Anna und Linda

    Keine Sorgen mit „No worries“: Die Freundinnen Anna (l.) und Linda wagten mit ihren selbst entworfenen T-Shirts den Schritt in die Selbstständigkeit und bereuen ihn nicht. Foto: Kathi Lenger

Shoppen gehen – das ist eine große Leidenschaft von Anna und Linda. „Aber jedes Mal, wenn wir durch die Läden stöberten und uns die Kleidung angeschaut haben, haben wir uns gedacht: ,Das können wir doch besser’“, sagt Linda. Die beiden Freundinnen haben nach dem Abi acht Monate lang Work-and-Travel in Australien gemacht. Besonders die unbeschwerte und lockere Lebenseinstellung der Australier hat sie begeistert.

Zurück in Deutschland fing Linda an, Wirtschaftsrecht zu studieren. Anna widmete sich dem Studium der Betriebswirtschaftslehre. Der große Traum vom Selbstständigsein ging den beiden nicht aus dem Kopf. „Mein Papa sagte dann zu mir, wenn ihr das machen wollt, dann macht es jetzt“, erzählt Anna. Also machten die beiden Studentinnen Nägel mit Köpfen und gründeten eine GbR. „Das ist relativ unkompliziert. Die Anmeldung beim Gewerbeamt kostet gerade mal 40 Euro. Der Nachteil bei dieser Unternehmensform ist aber, dass man mit seinem Privatvermögen haftet“, fügt Linda hinzu. Auch die zwei Freundinnen mussten sich in das Thema Unternehmensgründung erst mal einfinden.

„Wir konnten natürlich einiges aus dem Studium mitnehmen. Besonders geholfen haben uns aber die Seminare für Gründer“, sagt Anna. Diese werden unter dem Titel ,Starter Center’ an der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen von der Emscher-Lippe GmbH durchgeführt. „Diese Seminare können wir allen jungen Leuten empfehlen, die auch darüber nachdenken, eine eigene Firma zu gründen“, erzählt Linda begeistert. Auch auf der Website werden schon allerlei Tipps zur Unternehmensgründung Step by step erklärt. Bei den Seminaren können sich diejenigen, die schon selbstständig sind und diejenigen, die es werden wollen, Tipps von erfahrenen Profis holen – und das kostenlos.

„Die Seminarleiter sind selbst erfahrene Profis. Sie geben sich viel Mühe und unterstützen dich, egal in welchem Stadium du gerade bist. Leider werden diese Seminare bisher kaum besucht. Da wundern wir uns immer, das können wir gar nicht verstehen“, sagt Linda. Vorteile bieten sie auch für die Job- oder Praktika-Suche und auch, um weitere Kontakte in der Branche zu knüpfen.

Mit dem neuen Wissen wollten die beiden als nächsten Schritt den Titel ihres Online-Shops als Wortmarke anmelden. Die Prüfung der Wortmarke hat bereits 290 Euro gekostet. Kosten, die die beiden nicht vorangebracht haben. Denn leider war ihr Titel „No Worries“ zu allgemein gehalten und wird in anderen Branchen schon genutzt. Nun versuchen sie eine Bildmarke, ein Logo, anzumelden. Die Kosten hierfür sind noch mal doppelt so hoch.

„No worries“ bedeutet so viel wie „Keine Sorgen“ und ist ein Satz, den die Mädels von den Australiern oft gehört haben. Der Lebensstil der Australier ist es, den die zwei mit ihrer Marke transportieren wollen. „Deshalb haben wir unsere Texte auf unserer Website auch auf Englisch formuliert. Das hat einfach besser gepasst. Unsere Zielgruppe sind junge Leute, die gerne reisen, unbeschwert und leicht durchs Leben gehen. Bisher haben wir drei T-Shirts mit unserem Schriftzug ,No worries’ in den Farben Weiß, Grau und Blau von einer Firma besticken lassen. Sie sind klassisch schlicht und unisex. Im Winter sollen auch Wintermützen und Pullis dazukommen.“

Im September 2017 das Gewerbe angemeldet

Das Gewerbe haben die beiden im September 2017 angemeldet. Doch bis sie das erste Geld einnahmen, musste noch so einiges an Vorarbeit geleistet werden. Sie mussten ein Geschäftskonto einrichten, eine Webseite bauen, die übrigens am 19. Oktober an den Start ging, die AGBs schreiben, das Design für das Logo erstellen, die ersten Materialien beim Großhandel bestellen, ihren Shop auf Social-Media teilen, Fotos für ihren Instagram-Account schießen und sogar die Ware an die Kunden liefern.

„Das frisst natürlich alles viel Zeit“, sagt Anna. „Wir studieren beide und haben beide zusätzlich noch einen Nebenjob. ,No Worries’ ist unser drittes Standbein. Das bedeutet auch, dass wir immer am Wochenende, meist sonntags, und auch unter der Woche bis spät in die Nacht arbeiten. Außerdem versuchen wir, soweit es geht, möglichst viel selbst zu machen. Das Schöne daran ist, dass uns die Arbeit Spaß macht. Es ist wie ein Hobby. Man muss einfach mit dem Herzen dabei sein und darf anfangs nicht an das Geldverdienen denken.“

Ihr Wunsch ist es aber, eines Tages von der Selbstständigkeit leben zu können. „Wir machen uns da aber keinen Stress. Bis man eine Marke aufgebaut hat, ist es ein langer Weg. Selbst wenn es noch fünf oder zehn Jahre dauert, dann ist das auch okay“, sagt Anna. „Wir glauben schon, dass wir das schaffen können, weil wir einfach nicht aufgeben“, sagt Anna und grinst. Kein Wunder bei dem Namen des Shops.

INFO Website des Starter-Centers für den Kreis Recklinghausen:
www.kreis-re.de/
Inhalte/Wirtschaft/Startercenter
Online-Shop von Anna und Linda:
www.noworriesgermany.com
Instagram: noworriesgermany
Kosten für ein T-Shirt: 29,90 Euro