Annika in Indonesien: Anders als erwartet

Eines habe ich für mich begriffen. Wenn uns hier in Deutschland die Knie zittern und uns der Winter um die Ohren schlägt, ist es besser, sich für ein paar Tage in die Sonne zu verabschieden. In diesem Jahr hat es mich um die halbe Welt verschlagen – in das wunderschöne Indonesien. Zugegeben wusste ich kaum bis gar nichts über das Land in Südostasien. Doch eine Freundin von mir macht dort im Moment ihr Auslandssemester, sodass ich einfach die Chance nutzte, um sie zu besuchen und nebenbei noch meine erste Asienreise anzutreten. Selten war ich so wenig auf das vorbereitet, was mich im Urlaub erwarten würde.

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    Tempel Borobudur. Foto: Annika Mittelbach

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    Annika freut sich über dieses glasklare Wasser. Foto: Privat

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    Im Kochkurs lernt Annika vor allem eins: Man kann nie genug Chili ins Essen hinzufügen. Foto: Privat

Alleine trat ich also den Langstreckenflug von Düsseldorf nach Jakarta an, Indonesiens Hauptstadt. Es war der erste Langstreckenflug alleine und der erste Flug mit Umsteigen. Beides hat mehr oder weniger gut funktioniert, auch wenn mir nach dem 19-Stunden-Flug und Warterei ganz schön der Po wehtat.
Meine Freundin holte mich glücklicherweise vom Flughafen ab und ich konnte mich voll und ganz auf die neuen Eindrücke konzentrieren. Es gibt so viele kleine Dinge, die mir auffielen, es gibt so viel, was in Indonesien ganz anders ist als in Deutschland.

Jakarta ist eine riesige Stadt mit über neun Millionen Menschen, die auf engstem Raum zusammenleben. Dort ist es laut und der Verkehr ist der Wahnsinn. Als Autofahrer muss man zwar nicht auf Fußgänger achten, denn in Indonesien geht niemand zu Fuß. Doch auf den zweispurigen Straßen tummeln sich neben den Autofahrern häufig noch zahlreiche Roller, die jede noch so kleine Lücke für sich nutzen, um doch noch einen Meter weiter vorne zu sein. Zudem ist Jakarta auch eine Stadt, die wohl nie zur Ruhe kommt, alleine dadurch, dass Indonesien ein muslimisches Land ist und fünfmal am Tag der Imam zum Gebet ruft (lautstark, mitten in der Nacht, das erste Mal um vier Uhr morgens). Doch auch sonst ist es lauter als bei uns: Handys werden generell auf Lautsprecher benutzt, überall hörte ich lautstarke Unterhaltungen. Und: Indonesier singen anscheinend auch gerne.

Überfordert von der Masse an Eindrücken

Ein wenig überfordert mit der Masse an Eindrücken war ich ganz froh, dass wir nur eine Nacht in Jakarta verbrachten und von dort aus weiter auf eine der zahlreichen Inseln vor Java gefahren sind. Durch einen Kontakt durften wir auf der paradiesischen Insel Pulau Seribu ein paar Tage verbringen. Die Insel war früher für Touristen regulär zugänglich, doch der Besitzer hat sie geschlossen, da er keine Lust mehr auf den Trubel hatte. Für uns hat er netterweise eine Ausnahme gemacht. Drei Tage lang war ich also auf einer Insel, die wir uns letztendlich dann mit sechs Leuten geteilt haben – mit drei Indonesiern und drei deutschen Mädels. Das Wasser war wunderbar klar und wir konnten gut Schnorcheln gehen und uns die Bewohner des Indischen Ozeans anschauen.

Einer unserer indonesischen Freunde hat das Kochen für uns übernommen. Eine Faustregel, die ich schnell lernte, lautet dort: Ein Gericht ist nur ein Gericht, wenn es Reis dazu gibt. Zweite Faustregel: Man kann nie genug Chili ins Essen tun. Und so saßen wir dann dort auf der verlassenen Insel um fünf Uhr morgens mit einem Teller Reis auf dem Schoß, der mir mit seiner Chili-Schärfe die Schuhe ausgezogen hat. Vorher war ich kein Fan von „spicey food“. Nach dieser Essens-Erfahrung habe ich mich dran gewöhnt.

Nach unserer Zeit im Paradies ging es dann weiter von Jakarta aus nach Yogyakarta, oder Jogja, wie es die coolen Kids nennen. Anders als Jakarta ist Jogja viel übersichtlicher und um einiges kleiner. Die Stadt ist eine kulturelle Hochburg und auch für Touristen eine beliebte Anlaufstelle. Dort nahm ich an einer Kunsttour teil, die einen Überblick über die regionale Kunstszene gegeben hat, und an einem Kochkurs.

Nachdem wir gemeinsam mit unserer Kochlehrerin auf dem einheimischen Markt waren, haben wir uns schnell für vegetarische Gerichte entschieden, denn sowohl Haltung als auch Lagerung von Huhn und Rind in Indonesien sind – aus unserer Sicht – nicht sehr ansprechend oder hygienisch. Dafür gab es jede Menge Tofu und Tempeh (ähnlich wie Tofu, nur mit ganzen Soja-Bohnen). Falls Ihr Euch mal gefragt habt, was Goreng in Gerichten wie Nasi Goreng oder Bami Goreng heißt – es bedeutet „gebraten/frittiert“. Und in Indonesien ist so ziemlich alles frittiert. Warum die Menschen nicht alle furchtbar fett sind, ist mir ein großes Rätsel.
Als weitere klassische Touristenattraktion habe ich den größten buddhistischen Tempel Borobudur und den hinduistischen Tempel Prambanan zusammen mit einem privaten Guide besucht. Dem taten aber nach 200 Metern laufen schon die Füße weh (kein Witz!), sodass ich meine Erkundungen alleine fortsetzte und mich einem sehr lustigen, aber doch auch sehr seltsamen Phänomen stellen musste.

Indonesier sind Europäer nicht gewohnt. Sie sind fasziniert von der hellen Haut und den blauen Augen, sodass es ihnen ein inniges Bedürfnis ist, ein Selfie mit Europäern zu machen, wenn sie denn einen zu sehen bekommen. So läuft man wie ich also verschwitzt (weil hohe Luftfeuchtigkeit und 30 Grad) durch einen Tempel in den Bergen auf der Suche nach spiritueller Erleuchtung und wird alle zwei Minuten nach einem Selfie gefragt. „Miss, you are so beautiful.“ Ja, danke. Ich fühl‘ mich eher wie ausgekotzt, aber gut. Man will ja dann auch kein Spielverderber sein. Und wenn man nicht einwilligt, machen die Indonesier trotzdem ein Foto, aber dann mehr oder weniger heimlich.

Nun war ich also in der Hauptstadt, im Paradies und in der Kulturmetropole Jogja und hatte in kürzester Zeit einiges erlebt. Doch es gab noch eine Sache, die mir keine Ruhe ließ. Es gibt eine Frucht in Asien, die Durian heißt. Diese Frucht weckte meine Neugier, denn sie polarisiert. Es gibt zahlreiche Schilder, auf denen der Verzehr von Durian ausdrücklich verboten ist. Als ich fragte, wieso das so sei, sagte man, die Frucht stinke bestialisch.

Was steckt hinter der stinkenden Königin?

Man würde den Geruch gar nicht mehr los. Auf der anderen Seite sei Durian aber auch die Königin der Früchte und sehr beliebt bei den Indos. Natürlich musste ich wissen, was dahintersteckt. Die Gasteltern meiner Freundin besorgten uns also eine Durian und ich war schon auf das Schlimmste gefasst – die Frucht soll beim Aufmachen nämlich schon nach Erbrochenem riechen. Doch nichts dergleichen. Während meine Freundin die Nase rümpfte, nahm ich den Geruch in keinster Weise als Gestank wahr und auch der Geschmack war für mich alles andere als schlimm. Es schmeckte wie eine Mischung aus süßen Zwiebeln, Mango und Joghurt. Man sagte mir aber, das liege daran, dass diese Durian scheinbar keinen hohen Reifegrad hatte, was den Geschmack beeinflussen würde. Auch die anderen Früchte, die es in Deutschland nicht gibt, wie beispielsweise die Drachenfrucht gönnte ich mir – und wachte am nächsten Tag mit dickem Ausschlag im Gesicht und an den Armen auf. So wird der Mut bestraft.

An meinem letzten Tag fing es heftig an zu regnen. Doch zum Glück erlebte ich das ewig andauernde Geschütte nur zum Abschied. Die Reise hat mich auf den Geschmack gebracht – auf Chili und auf die asiatische Kultur.


AUTOR
Annika Mittelbach
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    13. Dezember 2018, 12:49 Uhr
    Aktualisiert:
    13. Dezember 2018, 13:23 Uhr