Blick aufs Leben: Früher habe ich anders gedacht

Früher habe ich immer gedacht, och ja, ich bleibe gesund. Was soll mir denn schon passieren, wenn ich älter werde? Bis dahin ist doch noch ganz viel Zeit. Als Oma könnten mir vielleicht die Knochen wehtun, vielleicht brauche ich auch ein Hörgerät, weil meine Ohren nicht mehr so mitmachen wie sie sollen. Vielleicht werde ich ja auch ein bisschen vergesslich. Wenn man älter wird, ist das ja irgendwie „normal“. Aber in meinen jungen Jahren geht’s mir gut, oder? So denke ich nicht mehr.

  • Herz Herbst

    Nicht immer übers Wetter nörgeln und insgesamt jeden Tag – auch einen im Herbst – nutzen und wertschätzen, das tut auch Fotomodell Kathi. Foto: Privat

Je älter ich werde, desto schneller rast die Zeit an mir vorbei – und ich komme einfach nicht mehr hinterher. 2019 steht schon fast wieder vor der Tür und eigentlich ist mein Geist noch im Frühling 2018. Ich komme einfach nicht mehr mit. Und dann ist ja auch schon bald wieder Weihnachten – wo ist bitte die Zeit geblieben? Als Kind war die Vorfreude auf Weihnachten so riesig – und es hat sich immer angefühlt wie eine Ewigkeit, bis das Christkind kommt – und heute? Heute würde ich mir wünschen, dass wir doch ein bisschen mehr Zeit hätten – Zeit für uns, Zeit mit der Familie, Zeit mit Freunden.

In den Jahren habe ich gemerkt, dass mein Denken von früher ganz schön naiv war – ich habe es mir eben ausgemalt, wie ich es haben wollte. So schnell werde ich doch nicht alt, habe ich gedacht. Und krank? Ach, warum das? Es geht mir doch gut, habe ich gedacht.

Manchmal aber kommt es dann doch ganz anders, als man denkt, denn krank kann man immer und zu jeder Zeit werden, nicht nur im Alter. Sich davon aber unterkriegen zu lassen, das ist die falsche Richtung. Seit meiner Diagnose – seltener Gendefekt am Herzen – hat sich mein Blick auf das Leben ein Stück verändert. Der erste Moment war für mich ein Schock: „Warum ich, warum jetzt zum Teufel?“, habe ich gedacht.

Nach dem Schock kommt die Erleichterung

Im zweiten Moment war es für mich aber eine Erleichterung zu wissen, was mit mir los ist. Seit zwei Jahren folgen nun regelmäßige Kontrollbesuche beim Arzt, Langzeit-EKGs und Besprechungen. Und ich habe gelernt, mit der Diagnose umzugehen, mich mehr zu bewegen, an die Luft zu gehen und ich versuche, Stress zu vermeiden. Was anderes kann ich sowieso nicht tun, ich versuche, die Dinge gelassener zu sehen, versuche, das Positive aus jeder Situation zu ziehen, mir Zeit für mich und meine Liebsten zu nehmen. Insgesamt habe ich gelernt, das Leben zu schätzen. Das finde ich wichtig, um zufrieden zu sein.

Das Leben ist nicht immer fair, aber meiner Meinung nach sollten wir – auch mit einer Krankheit – versuchen, das Beste daraus zu machen. Heute, jetzt und morgen.


AUTOR
Lara Schubert* (Name v. d. Red. geändert)
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. November 2018, 13:24 Uhr
    Aktualisiert:
    15. November 2018, 13:28 Uhr