Eyline in den USA: Bye bye America, hi Herten!

USA / Herten - Letzter Teil Ich sitze gerade in meinem kleinen Kinderzimmer in Herten und habe meine Abschiedsgeschenke von den netten Leuten aus Alabama neben mir liegen, zusammen mit einer „I Miss you“-Karte von meiner Freundin Birthe, die noch in Alabama ist.

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  • Eyline Hintz

    Zurück in Herten und endlich im eigenen Bett schlafen: Eyline hat ihre Entscheidung, das freiwillige soziale Jahr in Amerika abzubrechen, bisher nicht bereut, obwohl einige Freunde und Bekannte ihren Abbruch nicht nachvollziehen konnten. Letzten Endes sind aber alle glücklich, dass Eyline wieder da ist.

  • Eyline Hintz

    Weil es in Deutschland laut der Bewohner in Mobile so kalt sei, bekam Eyline zum Abschied selbst gehäkelte Mützen geschenkt. Von der Mitfreiwilligen Birthe gab’s an Weihnachen Post aus Amerika. Schöne kleine Erinnerungsstücke!

Seit knapp zwei Monaten bin ich wieder zu Hause, viel zu früh, denn eigentlich wäre ich noch acht Monate dort. Ich denke zurück:
Zum Abschied haben die Core-Member im Activity Cener einen Stuhl in die Mitte gestellt, auf den ich mich setzen musste und plötzlich haben sich alle um mich gestellt und die Hände über mich gehalten, währenddessen sie ein Kirchenlied für mich gesungen haben. Das war unglaublich süß von ihnen, dabei habe ich sogar eine Abschiedskarte und selbst gehäkelte Mützen übergeben bekommen, weil es in Deutschland ja so kalt ist.
Der Abschied im Haus hingegen war allerdings so trocken wie erwartet und meine Hausmutter war noch nicht mal da.

Meine Mitfreiwillige Birthe hat mich dann zum Flughafen begleitet und wir hatten Abschiedstränen in den Augen, denn wir sind echt gute Freunde geworden und es fühlt sich wirklich mies an, sie dort alleine zurückzulassen. Aber ich wollte ja unbedingt wieder in die Heimat!

Reisedokumente im Flieger verloren

Auf dem Weg nach Deutschland habe ich mal wieder bestätigt, wie schusselig ein Mensch sein kann und habe – zum Glück erst im Flieger nach Deutschland – meine Reisemappe mit allen Dokumenten verloren und mein Handy kaputt gemacht. Echt blöd gelaufen, denn jetzt sind alle Fotos weg und ich musste einen Monat auf meine doch so wichtigen Dokumente warten.

Der Flug an sich war auch nicht so angenehm: Mir fiel zum Beispiel ein seltsamer Mann auf, der sich tatsächlich in den Gang zum Schlafen gelegt hat. Und ein Kind vor mir musste während des Fluges brechen. Ich zählte die Minuten bis zur Landung.

„Du hättest das durchziehen müssen“

Nachdem ich mich vom Flug erholt und mich wieder etwas in Herten eingelebt hatte, ist mir hier aber nicht nur die Wiedersehensfreude entgegengeschlagen. Manchmal musste ich mich auch zu meiner Flucht aus Amerika äußern und mich erklären. Einige Freunden und Bekannten reagierten mit Unverständnis. Sätze wie: „Du hättest das durchziehen müssen“ oder „Es war doch immer dein Traum“ fielen des Öfteren. Ich konnte diese Kritik teilweise sogar verstehen. Aber ich war ja in dieser Situation, in der ich mich so unwohl gefühlt habe, und musste einfach wieder zurück nach Herten kommen. Ich bin total froh, so wie es jetzt ist, und auch dankbar für die Wochen im Ruhrgebiet, die mir gezeigt haben, wie wundervoll es zu Hause sein kann. Es ist auch wirklich eine Erleichterung, keine Fernbeziehung mehr führen zu müssen und endlich wieder wirklich dabei zu sein, anstatt nur hin und wieder zu skypen.

Trotzdem: Kurz nach der Ankunft hier hatte ich erst mal keine Ahnung, wie es mit und bei mir weitergeht, denn das Semester hat schon begonnen und die Ausbildungen sind auch schon weg. Aber ich habe sehr schnell einen Aushilfsjob und ein Ehrenamt gefunden, die mich jetzt voll und ganz in Anspruch nehmen und ich hoffe, für das Sommersemester im März fürs Studium der Heilpädagogik angenommen zu werden. Ich habe mir vorgenommen, ein bisschen wie die Amerikaner zu leben, also entspannt in die Zukunft zu schauen und einfach weitermachen mit dem, was mir gefällt, denn der Amerikaner sagt ja: „Calm down and be happy („Beruhig dich und sei glücklich!“)

Wenn ich ein Fazit zu meinem FSJ ziehen müsste, fällt es dennoch positiv aus. Die ganze Vorbereitungszeit von über einem halben Jahr und die Seminare haben wirklich Spaß gemacht und ich habe viele Leute kennengelernt. Außerdem weiß ich, dass ich einfach Pech mit der Organisation vor Ort hatte. Aber ich stehe noch im guten Kontakt mit den rund 50 anderen Freiwilligen in der ganzen Welt – und alle anderen sind sehr zufrieden und glücklich.

Ich würde ein FSJ immer wiedermachen, nur werde ich mir im Voraus sicher sein wollen, welche Organisation zu mir passt und welche nicht. Das nur so als Tipp – auch für Euch. In diesem Sinne, traut Euch! Auch negative Erfahrungen sind nicht unbedingt schlecht.
Bye sagt Eure Eyline
Eyline Hintz (19, Herten) wollte für ein ganzes Jahr in die USA fliegen, hat ihre Reise aber abgebrochen. In der Stadt Mobile in Alabama arbeitete sie als FSJlerin in einem „Activity Center“ von der L’arche Mobile, wo Menschen mit Behinderung ihre Freizeit verbringen. Eyline erzählte Euch, wie es ihr in Alabama erging und was sie erlebte.