Hannah in Costa Rica: Orientierung in Lützensömmern

Costa Rica - Teil 1 In einigen Tagen ist es so weit – ich werde für ein Jahr nach Costa Rica gehen. Nur was diese Worte bedeuten, ist mir eigentlich noch gar nicht bewusst, es fühlt sich so unwirklich an.

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  • Hannah Costa Rica

    Jetzt wird es ernst für Hannah: Sie packt ihre Sachen, um bald im Kinderkrankenhaus in San José zu arbeiten.

  • Hannah Costa Rica

    Hannah freut sich, wenn Ihr die Lösung wisst: Ist es ein Lama oder ein Alpaka? Meldet Euch bei uns! ;)

Die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich jemandem davon erzähle, lautet meistens: „Bist du schon aufgeregt? Ein Jahr ist eine lange Zeit und dann auch noch so weit weg!“ Meine Antwort lautet meistens: „Doch, schon“, da es zu kompliziert wäre, das Gefühl, das ich habe, zu beschreiben. Genau genommen ist es aber gar keine Aufregung oder Nervosität, sondern Freude.
Es ist schon lange mein Traum, ein Jahr nach Lateinamerika zu gehen und für mich stand ebenfalls schnell fest, dass ich gerne in einem Krankenhaus arbeiten würde. Doch diese beiden Sachen zu kombinieren, hat sehr viel Ausdauer erfordert.

Zwischendurch wollte ich aufgeben

Ich habe viele Bewerbungen an die unterschiedlichsten Organisationen geschrieben, ich habe viele Absagen erhalten oder stand auf Wartelisten, ich war bei Auswahlseminaren und Bewerbungsgesprächen in Hamburg, Bonn und Berlin. Zwischendurch wollte ich schon aufgeben, doch irgendwann kamen die ersten Zusagen für ein Schulprojekt in der Dominikanischen Republik oder Waisenhäuser in Indien und Kenia. Natürlich sind das tolle Projekte, aber es war noch nicht ganz das, wonach ich gesucht hatte. Doch dann fand ich kurze Zeit später eine E-Mail von ICJA Freiwilligenaustausch „weltweit“ in meinem Postfach. Ich öffnete sie und wusste in diesem Moment, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt und es sich lohnt, um seine Träume zu kämpfen: Ich hatte eine Zusage für das Land meiner ersten Wahl, Costa Rica. Außerdem gibt es zufällig in diesem Land ein Krankenhausprojekt. Leider konnten sie mir noch keine konkrete Zusage für ein Projekt geben, doch sie würden die Wünsche der Freiwilligen berücksichtigen.

Ab diesem Moment begann für mich die Vorbereitungszeit und das Hoffen, dass es sich tatsächlich um einen Wink mit dem Zaunpfahl handelte und ich es nicht nur als einen deutete.
Vor genau zwei Monaten begann das zehntägige Vorbereitungsseminar, in dem 300-Seelen Dorf Lützensömmern. Die Anreise war aufgrund eines Schneechaos im Norden Deutschlands sehr beschwerlich. In Dortmund am Hauptbahnhof traf ich die Freiwillige Mona, die für ein Jahr nach Kolumbien gehen wird. Mit ihr stieg ich in den ICE nach Hannover, wo die Tortur begann. Nach 20 Minuten Warten auf den ICE nach Erfurt trafen wir Marieke, die das nächste Jahr in Ghana verbringen wird. Leider hatte unser ICE ab diesem Zeitpunkt noch weitere 50 Minuten Verspätung, doch bei einer Tasse Kaffee und netten Gesprächen verging die Zeit wie im Flug. In Erfurt hatten wir es fast geschafft, wir mussten nur noch zum „Bahnhof“ Gangloffsömmern, der so „berühmt“ ist, dass so manch ein Schaffner gar nicht weiß, dass er existiert. Nach kurzer Orientierung stellten wir jedoch mit Bedauern fest, dass der Zug nach Gangloffsömmern gerade weg war und nur jede zweite Stunde dort hält.
Für uns hieß das: noch eine Tasse Kaffee! Da wir es nun aber nicht mehr pünktlich schaffen würden, versuchten wir die Freiwilligen über WhatsApp zu erreichen, deren Handynummer wir schon hatten.

Der Biologiestudent ist auch überfordert

Doch „Internet“ scheint an diesem schönen Fleckchen, mitten im Herzen Deutschlands, wohl noch ein Fremdwort zu sein, dafür gibt es jedoch Hühner, Gänse, Schweine, Truthähne, Papageien, einen Esel und zwei Alpakas. Obwohl nicht ganz geklärt werden konnte, ob es sich tatsächlich um Alpakas handelt. Es ging das Gerücht herum, die süßen Tierchen mit den witzigen Frisuren und dem Überbiss könnten auch Lamas sein. Ein Biologiestudent, der nebenbei auch einer von uns vier Costa-Rica-Freiwilligen ist, konnte leider auch kein Licht ins Dunkle bringen. Trotzdem hoffen wir, bis zum Rückkehrseminar in gut einem Jahr, einen Experten zu finden, der dieses Rätsel löst. Als wir ankamen, hatte zum Glück jeder Verständnis für unsere Verspätung und es war im Endeffekt gar kein Problem, dass wir niemanden erreicht hatten. Wir waren nicht die Einzigen, denen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Beim Abendprogramm lernte ich endlich meine Mitfreiwilligen Antonia, Emil und Frederik kennen, mit denen ich bald ein Jahr in Costa Rica verbringen werde. Zum Glück haben wir uns alle auf Anhieb gut verstanden, nicht so wie manch andere Ländergruppe. Nun bleibt nur zu hoffen, dass wir uns in einem Jahr noch genauso gut verstehen.

Insgesamt waren die zehn Tage eine tolle Zeit. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, die das gleiche Ziel verfolgen wie ich, was uns alle zusammengeschweißt hat. Leider werde ich die meisten vor dem Rückkehrseminar nicht mehr wiedersehen, aber bis dahin möchte ich mit einigen auf jeden Fall in Kontakt bleiben.

Neben den ganzen tollen Leuten hatten wir auch sehr interessante Workshops, in denen von technischen Themen wie Versicherung und Gesundheit, über gesellschaftliche Punkte wie Gender, Critical Whiteness (dem eigenen Weißsein), koloniale Kontinuitäten (Rassismus) und Privilegien, bis hin zu sehr persönlichen Themen wie Liebe, Tod und Sexualität alles dabei war.

Viel diskutiert und auch mal gefeiert

Wir haben viel diskutiert und abends natürlich auch mal gefeiert. Es war echt schade, als die zehn Tage vorbei waren, doch seitdem freue ich mich noch mehr auf das bevorstehende Jahr, das jetzt vor mir liegt.
Uns wurde versichert, wir würden bis spätestens Weihnachten unseren Projektplatz erfahren, also aktualisierte ich, sobald ich zu Hause angekommen war, alle drei Minuten meinen E-Mail-Eingang. Als wir im neuen Jahr immer noch nichts gehört hatten, wurden wir alle ziemlich ungeduldig und Antonia überlegte sogar, alles abzubrechen. Anfang der Woche kam jedoch endlich die erlösende Nachricht.
Jetzt weiß ich, dass ich im Kinderkrankenhaus in San José arbeiten und im nahe gelegenen Städtchen Tres Ríos in einer Gastfamilie wohnen werde. Und in Marl heißt es jetzt für mich nur noch: Sachen packen und „Tschüss“-Sagen!
Hannah Köhn (19, Marl) wird die nächsten zwölf Monate in Costa Rica verbringen. In der Hauptstadt San José arbeitet sie im Rahmen eines Internationalen Jugendfreiwilligendienstes, kurz IJFD, im Kinderkrankenhaus. Hier bei Scenario könnt Ihr regelmäßig lesen, wie es Hannah ergeht und was sie Spannendes erlebt.