Hitze nervt: Aufgeheizte Stimmung in der aufgeheizten Stadt

Könnte man eine auf dieser Erde lebende Person für diese glühenden Temperaturen vor meiner Haustür verantwortlich machen, so hätte ich diese bereits eigenmächtig und unter Einsatz all meiner Kräfte ausgeknockt und somit wahrscheinlich tausende Menschen vor ihrer persönlichen Kernschmelze bewahrt.

  • Hitze

    Wenn das Auto einem Backofen gleicht, liegt diese Lösung nahe – leider ist Fahren damit nicht möglich. Foto: Lena Päseler

Dabei habe ich absolut nichts gegen Hitze und Sonne, solange ich mich auf einem Handtuch am Mittelmeerstrand befinde. Liegend. Und die einzige körperliche Betätigung darin besteht, die eigene Eiscremeversorgung nicht abreißen zu lassen und hin und wieder Richtung Wasser zu schleichen. Stattdessen befinde ich mich mitten in der aufgeheizten Stadt (was zur Hölle mache ich noch hier?!) und versuche krampfhaft, meinen (noch) festen Aggregatszustand aufrechtzuerhalten. Das klappt dank einer selbstgelegten Dauerinfusion kühler Apfelschorle und einer regelmäßigen Zufuhr von Schokoladeneis zwar recht passabel, aber weil meine Pflichten leider nicht proportional zur Eiscreme einfach davonfließen, muss ich zusehen, dass der weich gekochte Denkapparat in meinem Schädel noch einigermaßen arbeitsfähig bleibt.


Erste Herausforderung: Ins Auto steigen

Dazu muss ich aber auch eine große Herausforderung meistern: Ins Auto steigen, das auf dem Parkplatz vorm Haus schon seit Anbeginn des Tages fröhlich vor sich hin brutzelt. Beim Öffnen der Autotür passe ich schon auf, nicht von der schlagartig entweichenden Hitzewelle getroffen zu werden – eine Vorsichtsmaßnahme, mit der ich sonst eigentlich nur den heimischen Backofen öffne, wenn ich ein Blech Weihnachtskekse herausnehmen will. Beim Niederlassen auf den kochend heißen Fahrersitz habe ich prompt das Gefühl, meine nackten Oberschenkel auf der Stelle medium gebraten zu haben. An dieser Stelle verfluche ich jedes Mal aufs neue die superkurzen Shorts, obwohl ich hiermit wahrscheinlich eine neue, effektive Art der Fettverbrennung entdeckt habe, die ich mir eigentlich patentieren lassen könnte, Geldsorgen ade.

Das Lenkrad ist sowieso nur noch mit Topflappen anzufassen und meine auf nahezu Schmelztemperatur erhitzte Autosonnenbrille verschmilzt auf der Stelle mit meinem Nasenrücken. Hastig lasse ich die Fenster herunter, um nicht bereits nach den ersten 15 Sekunden in diesem Schnellkochtopf vollkommen gar zu sein. Der Fahrtwind fühlt sich an wie ein Föhn, die voll aufgedrehte, aber leider etwas antiquierte Klimaanlage kommt kaum gegen diese Gluthitze an, obwohl ich entgegen meines Urinstinktes, der mich eigentlich vor einem spontanen Hitzetod bewahren soll, die Fenster nach ein paar Minuten wieder schließe.

Als ich eine halbe Stunde später an der Uni eintreffe, ist mein Rücken schweißnass, ebenso meine Beine. Shorts und T-Shirt sind vollkommen klamm und könnten eigentlich schon jetzt wieder gewechselt werden, aber wer kann sich schon dreimal täglich umziehen?! Man denke an die zu erwartenden Wäscheberge. Ich steige aus und werfe noch einen kurzen Blick auf die Schweißflecken an Sitzfläche und Rückenlehne (Igitt!) und mache mich auf den Weg zum – Überraschung! – überhitzen Seminarraum, in dem ich die nächsten 90 Minuten eine Klausur schreiben werde.

Der unter Einsatz meines Lebens ergatterte Parkplatz im schattigen Parkhaus macht den Gedanken an den Wiedereinstieg ins Auto zwar um einiges erträglicher, allerdings sorge ich mich nun darum, wie sich die stickige Luft im Seminarraum auf meine Denkleistung auswirken wird. Näheres dazu dann bei der Veröffentlichung der Klausurergebnisse in ein paar Wochen.

Schwitzend und fortwährend über die Hitze stöhnend bringe ich einen weiteren anstrengenden wüstenartigen Tag hinter mich – und kann mich nun zur Belohnung in meinem Dachgeschosszimmer in mein Bett kuscheln. Herzlichen Glückwunsch.


 



AUTOR
Miriam Schulemann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. Juli 2018, 15:42 Uhr
    Aktualisiert:
    30. Juli 2018, 15:45 Uhr