Jan-Henrik in Thailand: Wenig Schlaf, viel Chaos

Teil 4 Es ist Nacht, es ist warm und ich schlafe einen unruhigen Schlaf auf dem kühlen Fliesenboden in dem Ein-Zimmerappartement von Pui, Kwans Cousine, die uns ja dankenswerterweise in Bangkok beherbergt, bevor es zum eigentlichen Projektort ins Landesinnere nach Buriram geht.

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  • Thailand Jan-Henrik Seifert

    Jan-Henrik nimmt’s gelassen: So sieht sein vorläufiges Bett in Bangkok aus. Foto: Privat

  • Thailand Jan-Henrik Seifert

    Quatschfoto zu dritt vor dem Tempel: Endlich ist Tobi (l.) in Bangkok gelandet und nun mit Kwan (M.) und Jan-Henrik (r.) auf Entdeckungstour. Foto: Privat

Immer wieder lausche ich den fremden Geräuschen eines anderen Kontinents, einer anderen Tierwelt und versuche, den Geräuschen ein Bild zuzuordnen. Es gelingt nicht immer, es sind vielmehr Ahnungen. Ich muss grinsen. Wir liegen hier mit vier erwachsenen Personen in diesem kleinen Raum und ein Geräusch ist dann doch irgendwie kontinentübergreifend bekannt. Das Schnarchen! Ich blicke auf mein Handy, es ist fünf Uhr. Die Zeitverschiebung taktet den Biorhythmus etwas holprig. Eine Nachricht von Tobi, den in Moskau verschollenen Kommilitonen, lässt mich hellwach werden. „Hi Jani, ich sitze gleich in der ersten Maschine von Moskau nach Bangkok. Komme heute Abend an. Wie ist die Adresse von Pui?“ „Tobi, hier schläft noch alles. Keine Ahnung, wo ich genau bin. Wir schicken dir eine WhatsApp mit der Adresse. Logge dich am Flughafen in das Free-WLAN ein und ruf meine Nachricht ab. Wir warten hier auf dich. Bis nachher, Jani.“ „Ok.“

„Was für ein Chaos“, denke ich, bin aber froh, dass Tobi nun endlich in absehbarer Zeit ankommen wird. Ich lege mich auf die Seite und schlafe noch einmal für einige Stunden tief und fest ein. Wach werde ich von einem leisen rücksichtsvollen Gemurmel und dem unglaublichen Duft von Rührei und Speck. Das hebt die Stimmung und weckt die Lebensgeister.

Der Taxifahrer wird zur Wohnung navigiert

Gemeinsam verbauen wir die Schlafdecken zu kleinen Sitzgelegenheiten und frühstücken ordentlich. Dabei berichte ich den Dreien von Tobis Nachricht und frage nach der aktuellen Adresse. Pui erklärt, dass das ein Problem werden könnte. Die Taxifahrer in der Innenstadt kennen nur wenige Vororte und spezielle Häuser meist gar nicht. Die reine Adressangabe kann, wird aber eher nicht zum Ziel führen. „Na toll“, denke ich, „kann es denn nicht mal einfach sein?“ Kwan hat eine super Idee. Pui soll die Adresse und die Wegbeschreibung als Sprachnachricht in Thai an Tobi per WhatsApp senden, so kann er das einfach dem Taxifahrer vorspielen und der weiß dann genau, wohin es geht. Pui schnappt sich mein Handy und spricht für mich unverständlich schnell die Wegbeschreibung als Sprachnachricht auf.

Nach einer Dusche beschließen wir, uns die Stadt noch einmal in Ruhe anzusehen und etwas einzukaufen. Abends wollen wir dann zurück ins Appartement, damit wir Tobi nicht verpassen. Die Sonne brennt und in Bangkok wabert und flimmert die Luft. Der Verkehr ist extrem und man muss höllisch aufpassen, nicht vor ein Auto, einen Bus oder ein Tuk Tuk zu geraten. Das Leben in dieser Stadt pulsiert förmlich, Stimmengewirr, Hupkonzerte, überall faszinierende und farbgewaltige Eindrücke.

Dann zurück ins Appartement – Tobi kommt. Hoffentlich. Im Appartement räumen wir gerade die Einkäufe ein, als es draußen laut hupt. Ich blicke vom Balkon, unten steht Tobi und strahlt. Mit zwei Tagen Verspätung sind wir nun tatsächlich komplett und können bald nach Buriram fahren. Tobi wird von allen mit einem großen Hallo begrüßt. Er ist froh, endlich angekommen zu sein. Ein Flugzeug zu verpassen, eine Nacht unplanmäßig in Moskau zu verbringen und dann mit zwei Tagen Verspätung endlich am Treffpunkt zu sein, hat auch ihn geschlaucht. Allerdings nur kurz: „Was liegt an? Was machen wir heute?“ Es hat den Anschein, dass er die verlorenen Tage nun im Eiltempo nachholen möchte. Wir fahren also wieder in die Stadt, gehen etwas essen und nehmen ein paar Drinks, dabei planen wir den nächsten Tag, wir wollen zum Tempel Wat Phra Kaeo, ein absolutes Muss, wenn man in Thailand ist. Und dann ist Schlafenszeit.

Am nächsten Morgen geht es also zum Tempel und wieder einmal flashen mich die Bauweise, die Materialien, die Farben und die Demut, mit der die Menschen hier tief versunken beten. Es ist ruhig, lediglich ein leises Gebetsmurmeln ist zu hören und selbst der Straßenlärm scheint nicht über die Schwelle des Tempels zu gelangen. Ich bin kein Buddhist, aber diese friedvolle Stimmung färbt ab und lässt einen entschleunigen. Ich kann mich nicht sattsehen an diesen vielen Kleinigkeiten. Gern würde ich ein Foto machen, aber dies würde die Stimmung nicht wirklich einfangen und zudem ist es auch nicht erlaubt.

Von der Busbegleiterin gibt’s gebratenen Reis

Eine halbe Stunde später haben wir alles angeschaut und machen uns gemeinsam auf den Rückweg, denn es gilt die restlichen Sachen einzupacken, um dann endlich die Reise nach Buriram anzutreten. Am Busbahnhof erwischen wir einen komfortablen Bus, er ist klimatisiert und sieht im Innern wie eine Flugzeugkabine aus. Die Sitze sind bequem und man kann sie sogar in ein Bett umwandeln. Klasse, damit haben wir nicht gerechnet. Schnell finden wir nebeneinander Plätze und machen es uns gemütlich. Eine Busbegleiterin verteilt gebratenen Reis in Schalen und reicht Wasser dazu. Ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren und mache es mir, wie die anderen auch, gemütlich.

Die Straßen sind längst nicht so unwegsam wie in Laos und so gelangen wir in knappen fünfeinhalb Stunden bequem an unser erstes Ziel: Sataani Buriram – Haltestelle Buriram. Von dort soll uns ein Fahrer des Technical College abholen und zum College fahren. Wir stehen schließlich vollbepackt am verabredeten Treffpunkt. Kein Van oder Ähnliches zu sehen. „Wie erkennt uns denn der Fahrer? Haben wir ein Schild oder so etwas?“, fragt Tobi. Ich muss laut lachen und schaue mich um. „Also, wir sind hier weit und breit die einzigen Europäer. Ich denke, der Fahrer wird uns erkennen.“ Kaum ausgesprochen hält auch schon ein Van direkt vor uns. „Technical College?“ Wir antworten im Chor: „Yes“, und steigen ein.

Die Fahrt dauert noch einmal eine knappe Viertelstunde, bevor wir nun endlich das Technical College erreichen. Als wir ankommen, erwarten uns schon voller Neugierde die Lehrer. Die Projektleiterin Ajaan Naree begrüßt uns herzlich. Es werden eine Menge Hände geschüttelt und schließlich die Zimmer vergeben und die dazugehörigen Schlüssel ausgehändigt.

Das Technical College hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Eher so, wie die Schule in Laos, klein und überschaubar. Das Schulgelände ist riesig und es sind viele Gebäude erkennbar. „Morgen zeige ich euch alles und führe euch über das Gelände. Jetzt macht euch erst einmal frisch. In einer Stunde gehen wir dann gemeinsam essen und lassen den Tag gemeinsam ausklingen.“ Das ist eine gute Idee von Frau Naree. Mein Magen macht sich nämlich schon bemerkbar und eine Dusche wäre sicher für alle in der Gruppe von Vorteil.
Okay, morgen geht’s dann endlich richtig los und ich bin schon total auf die Schüler gespannt. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.
Jan-Henrik Seifert (20, Recklinghausen) ist ein alter Bekannter unserer Reihe. Als einer der Ersten berichtete er bei Scenario von seinem Aufenthalt in Laos. Inzwischen studiert er Asien/Afrika-Regionalwissenschaften in Berlin und wird nun wieder bei uns über ein Uni-Projekt in Thailand und seine Rückkehr nach Laos berichten.