Janine interviewt Wanda: Die Jugend meiner Oma

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Doch jetzt sollen sie mal zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Hier befragt Jugendredakteurin Janine Jähnichen (20, Recklinghausen) ihre Oma Wanda. Die nun 70-Jährige ist in Pózna in Polen geboren und lebt nun schon lange in Recklinghausen.

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  • Die Jugend meiner Oma Janine

    Ein ganz privates Interview in ganz privater Wohnzimmer-Atmosphäre. Janine (l.) befragt ihre Oma Wanda zu ihrer Jugend. Vielen Dank, Euch beiden! Foto: Privat

  • Die Jugend meiner Oma Janine

    Wanda (r.) ist hier 18 Jahre alt und steht mit ihrer kleinen Schwester Kathrin vor der kaufmännischen Berufsschule, dem heutigen Theodor-Heuss-Gymnasium in Recklinghausen Süd. Foto: Privat

Janine: Wie war Dein erster Eindruck von Recklinghausen?
Wanda:
Ich bin 1957 nach Recklinghausen gekommen. Mein Opa hat uns damals aus Bochum abgeholt. Wir sind über die Marienstraße in Richtung Heinrichstraße gefahren und mir ist alles gewaltig vorgekommen. Was mich fasziniert hat, war, dass ich das erste Mal einen Süßwaren-Automaten an einer Hauswand gesehen habe. Als Kind war das besonders. Noch heute, wenn ich diese Automaten sehe, erinnern sie mich an meinen ersten Tag hier.

Janine: Wie hast Du Dir das Erwachsen-Werden vorgestellt?
Wanda:
Da kann ich leider nicht viel zu sagen, weil ich eigentlich schon sehr früh erwachsen war, als Älteste von sieben Geschwistern. Vorgestellt hat man sich das sicherlich anders, man hatte viele Wunschträume.

Janine: Was war der schönste und was der schlimmste Moment Deiner Jugend?
Wanda:
Zum Schlimmsten kann ich gar nicht so viel sagen. Es war natürlich sehr schlimm, als wir von Polen nach Deutschland gekommen sind. Ich war zwar erst elf Jahre alt, aber es war für mich sehr schlimm, meine Freunde zu verlassen. An schönen Momenten gibt es sehr viele. Zum Beispiel die Geburt meiner jüngsten Schwester. Ich war schon 15 Jahre alt und konnte alles hautnah miterleben. Das war ein sehr schöner Moment für mich, aber was mir auch schön in Erinnerung geblieben ist und was wir damals sehr genossen haben war, wenn meine Oma einmal in der Woche zum Wochenmarkt gegangen ist und Apfelsinen geholt hat. Dann hat jeder von uns Kindern eine Apfelsine für sich alleine gehabt, ansonsten mussten wir sie uns teilen.

Die Liebe währt schon 50 Jahre

Janine: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Wanda:
Ja okay, man war zwar verliebt, aber es lief nicht sehr lange. (lacht) Ich war erst 17 Jahre alt und ein bisschen dumm. Die Beziehung lief auch nur gut anderthalb Jahre. Und dann kam die erste große Liebe. Das ist natürlich immer noch mein Mann, Dein Opa, und das mittlerweile seit fast 51 Jahren.

Janine: Was wundert Dich an unserer Generation? Hast Du Fragen an uns?
Wanda: Es wundert mich eigentlich nicht viel, ich bewundere eure Generation viel mehr. Wie ihr in der Welt herumkommt finde ich sehr sehr schön. Das freut mich auch für die heutige Jugend, dass sie so viel von der Welt sehen kann. Und natürlich wie ihr mit der Technik, zum Beispiel dem Ding hier (* das Ding = mein Handy, mit dem ich das Interview aufgenommen habe), umgehen könnt. Ich weiß ich kann meine Enkelkinder immer fragen, wenn ich ein Problem mit dem Handy oder Opa eins mit seinem Computer hat. Ihr könnt uns immer helfen und das bewundere ich! Bewusste Fragen an euch habe ich nicht, denn alles was ich wissen wollte, haben meine Enkel mir ja schon beantwortet (lacht).

Was wisst Ihr eigentlich über die Jugendjahre Eures Opas oder Eurer Oma? Nicht so viel, oder? Das wollen wir gerne mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr – und natürlich Eure Großeltern – mitmachen wollt bei unserer Serie! Wir erklären Euch dann alles per Mail: scenario@medienhaus-bauer.de