Josephine interviewt Hildegard: Die Jugend meiner Oma

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Jugendredakteurin Josephine Struckmeier ihre 74-jährige Oma Hildegard aus Herten.

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  • Josephine Struckmeier und Oma Hildegard

    Viel Neues erfuhr Scenario-Leserin Josephine (r.) von ihrer Oma Hildegard über deren Jugend – und wir somit auch. Danke für diese persönlichen Einblicke! Foto: Privat

  • Oma Hildegard Josephine Struckmeier

    Einmal unterhaken fürs Familienfoto: Hildegard (l.) mit Vater und Mutter. Ihre Kindheit verbrachte sie in Langenbochum, später zog sie nach Westerholt. Foto: Privat

Josephine: Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Hildegard:
Der Garten meiner Eltern und die daran angrenzende Wiese eines Bauernhofes war damals mein Lieblingsplatz. Dort standen zwei Bäume, in diese haben meine Freundin und ich eine Brettschaukel gehangen. Heute stehen auf diesem Platz Häuser, doch sie und ich reden jetzt noch davon, wie viel Spaß wir dort hatten. Aus diesem Grund ist mir der Ort als Lieblingsplatz in Erinnerung geblieben.

Josephine: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?
Hildegard:
Ich habe sehnlichst darauf gewartet, endlich 21 zu werden, weil ich mir immer vorstellte, wie viele Freiheiten ich dann haben werde. Früher waren unsere Eltern noch strenger: Wir mussten schon zu einer Uhrzeit zu Hause sein, zu der würden die jungen Leute heutzutage erst einmal losgehen. Auch wenn die Eltern mal nicht so streng waren, gab es in den Tanzlokalen strenge Polizeikontrollen. Man hatte also keine andere Wahl und musste warten, bis man endlich alt genug war. In meiner Vorstellung begann ab dem 21. Lebensjahr ein neuer Abschnitt in meinem Leben. Diesen habe ich mir so manches Mal in meiner Fantasie lebhaft ausgemalt.

Die erste Reise im Alter von 15 gemacht

Josephine: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?
Hildegard:
Als ich erfuhr, dass ich bald zu meiner ersten Reise aufbrechen würde, war dies einer der schönsten Momente in meinem Leben. Es ging nach Österreich, organisiert von der Kirche. Davor wurden solche Fahrten nur für Jungs angeboten und ich war eines der ersten Mädchen, die an einer solchen Reise teilnehmen durfte. Ich war fünfzehn und zuvor noch nie gereist. Darum war diese Fahrt ein unvergessliches Erlebnis für mich.
In einem der schlimmsten Momente in meinem Leben zitierte mich mein Chef zu sich in sein Büro. Ich war noch in der Ausbildung und musste mich eine Woche krankmelden. Leider verwechselte mich eine Kollegin und berichtete, ich wäre trotz Krankenscheins unterwegs gewesen. Mein Chef war deshalb sehr erbost und ich musste mich rechtfertigen. Auch wenn ich nichts falsch gemacht hatte, ist mir dieses Gespräch sehr unangenehm in Erinnerung geblieben.

Josephine: Wer war Deine erste Liebe und wie ist es gelaufen?
Hildegard:
Meine erste Liebe habe ich in Langenbochum kennengelernt, bei den Zelt-Bayern-Festen, die es zu meiner Zeit noch gab. Dort wurde immer viel geboten und war ein Muss für unsere Jugend.
So kam es, dass mein erster Freund und ich uns auf diesem Zeltfest kennenlernten. Die Beziehung hielt sogar fünf Jahre, auch wenn es keine Liebe auf den ersten Blick war.

Josephine: Was wundert Dich an meiner Generation? Hast Du Fragen an uns?
Hildegard:
Klar ist mir nicht jede moderne Technik geläufig, doch die größte Frage, die sich mir stellt: Wie kann Eure Generation so viel Zeit damit verbringen und auch manchmal verschwenden? Mich erstaunt mehr, wie lange Ihr vor Euren Handys oder Computern sitzt, als die Technik selber. Natürlich finde ich es auch lustig, Bilder und Nachrichten per WhatsApp zu verschicken, doch irgendwann war mir das Ganze zu zeitaufwendig. Ist Euch Eure Zeit dafür nicht auch zu schade?
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Oma oder Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de