Judith leidet unter Endometriose: Wenn die Wärmflasche nicht mehr hilft

Endo-was?! Endometriose. Ich erinnere mich noch an einen Moment vor anderthalb Jahren. Eine Freundin schickte mir einen Artikel über die chronische, gutartige Erkrankung der Frau. „Die Symptome passen 1:1 zu dir, Judith!“, schrieb sie dazu.

  • Endometriose: «Gynäkologische Erkrankungen sind ein Tabuthema»

    Wenn die Wärmflasche nicht mehr hilft und die Periodenschmerzen krank machen, kann Endometriose dahinterstecken. Die Erkrankung verursacht unterschiedlichste Beschwerden und wird leider oft viel zu spät erkannt. Foto: Christin Klose (dpa-tmn)

Als ich meiner Mutter davon erzählte, sagte sie nur: „Ich hoffe mal nicht, das ist eine so blöde Krankheit.“ Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte ich mich noch nicht weiter damit und die Gedanken gerieten erst einmal in den Hintergrund. Also, zuerst eine Erklärung, was Endometriose überhaupt ist.

Ich bin zwar keine Medizinerin, habe mich in letzter Zeit jedoch sehr viel mit dem Thema befasst und versuche die Krankheit in groben Zügen darzustellen. Gebärmutterschleimhautähnliche Zellen siedeln sich, verteilt im Bauchraum, an verschiedensten Organen oder auch in der Muskelwand der Gebärmutter an und unterliegen dem weiblichen Zyklus. Sie wachsen oder werden wieder kleiner und bluten dann eben auch einmal im Monat mit. Man nennt diese Ansiedlung von Zellen auch Endometrioseherde. Die Zellen können Organe schädigen, bis hin zur Unfruchtbarkeit führen und verursachen in vielen Fällen unfassbare Schmerzen.

Mit Regelschmerzen zum Gynäkologen

Meistens sind die Symptome Schmerzen bei der Periode, beim Wasserlassen und/oder bei der Verdauung, und man hat Schmerzen beim Sex. Hinzu kommen allerdings auch individuelle Probleme einer jeden Patientin. Da es nur wenig Forschung dazu gibt, bleibt Endometriose oft unentdeckt oder wird erst im fortgeschrittenen Alter diagnostiziert. Das Ausmaß der Schmerzen hat außerdem nichts mit dem Ausmaß der Verbreitung der Zellen zu tun. Jede Frau hat unterschiedliche Schmerzen und es lässt sich nichts verallgemeinern.

Auch wenn es eine gutartige Erkrankung ist, gibt es noch kein Mittel, das sie heilen könnte. Jede Frau muss also ihren ganz persönlichen Weg finden, um mit der Krankheit zu leben. Ich entschied mich dann also Anfang dieses Jahres, nach sieben Jahren mit, unter anderem, unerträglichen Periodenschmerzen dazu, einen neuen Gynäkologen aufzusuchen.

Dort ging plötzlich alles ganz schnell. Da Endometriose nur durch einen operativen Eingriff, der Bauchspiegelung, zu 100% diagnostiziert werden kann, wurde ich in ein Krankenhaus eingewiesen. Dafür suchte ich mir ein zertifiziertes Endometriosezentrum aus, wo ich mich gut aufgehoben fühlte.

Wärmflasche hilft nicht mehr

Tatsächlich bekam ich die Diagnose Endometriose und Adenomyose, eine weitere Form der Erkrankung, die bedeutet, dass sich diese Schleimhautzellen auch in der Muskelwand meiner Gebärmutter befinden. Meine ersten Gedanken? Erleichterung. Endlich kannte ich den Grund für meine Schmerzen, die ich jahrelang mehr als einmal im Monat ertragen habe. Keine Wärmflasche konnte mir helfen, Schmerztabletten waren das Einzige, was mich einigermaßen auf die Beine brachte.

Und dann kam ein tiefes Loch. Ich wusste nun, man könne mich nicht heilen. Also steht ein ziemlich langer Weg vor mir, um herauszufinden, wie ich meine Schmerzen mindern kann. Da gibt es viele unterschiedliche Wege, die Patientinnen einschlagen können. Die klassische Methode ist wohl die Behandlung mit Hormonen. Auch meine erste Wahl, birgt aber natürlich auch Nebenwirkungen. Jede Frau, die schon mal eine Pille nicht gut vertragen hat, kann das sicher nachempfinden. Und dann gibt es noch viele Alternativen der Schmerzbehandlung, wie Homöopathie, Osteopathie oder Akupunktur.

Zurzeit befinde ich mich noch ganz am Anfang meines Weges. Doch ich will optimistisch in die Zukunft blicken und hoffe, dass ich bald sagen kann: „Ich bin schmerzfrei.“ Auch wenn bei der Bauchspiegelung die Endometrioseherde weitgehend entfernt werden konnten, kann es immer sein, dass sie wieder kommen und die Entfernung bedeutet auch nicht Schmerzfreiheit.

Ich möchte alle jungen Mädchen ermutigen, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Periodenschmerzen dürfen nicht dahin führen, dass wir Frauen nicht mehr machen können, als im Bett zu liegen. Und vielleicht kommen Euch ja auch andere Symptome bekannt vor.


AUTOR
Judith Brand
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. August 2018, 09:17 Uhr
    Aktualisiert:
    30. August 2018, 09:24 Uhr