Karo und ihr Kühlschrank: Ohne Dich geht's nicht

Scenario zeigt Herz. In unserer Reihe „Ohne Dich geht’s nicht“ dürfen Jugendredakteure und Leser eine Liebeserklärung abgeben: an ihren Partner, an Mama oder Papa, an die beste Freundin oder den besten Kumpel, den tollen Arbeitskollegen oder eben an das Haustier oder gar an einen Gegenstand. Heute bekennt sich der Jugendredakteurin Karo Jankowski aus Recklinghausen zu ihrer besseren Hälfte: dem Kühlschrank.

  • Ohne Dich_Karo Jankowski Kühlschrank

    Doch, ein Kühlschrank kann wärmen! Zumindest Karos Herz. Foto: Privat

Wer oder was seid Ihr?
Wir sind mein Kühlschrank und ich – und wir leben in einer einseitigen Abhängigkeitsbeziehung. Trotzdem liebe ich ihn,denn er erwies mir bisweilen immer treuen Dienst und sieht auch wirklich hübsch aus.
Nun gut, jeder Mensch hat einen Kühlschrank. Meiner bedeutet mir aber deswegen so viel, weil ich unweigerlich auf frisches Essen angewiesen bin.

Aufgrund einer klitzekleinen Stoffwechselkrankheit lebe ich zwar das Leben eines glücklichen Lämmchens, bin essenstechnisch aber enorm eingeschränkt. Kein Zucker, keine Konservierungsstoffe, keine Geschmacksverstärker, nichts was nicht in irgendeiner Form auf natürliche Weise in Lebensmitteln ist. Dementsprechend natürlich auch keine Fertigprodukte, die ich bequem in einer dunklen Ecke lagern könnte. Mein Kühlschrank ist 24/7 mit frischem Obst, Gemüse, Fleisch und Milchprodukten gefüllt, die in dunklen Ecken nach drei bis 15 Stunden verderben.

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?
Nachdem ich vor einiger Zeit zuhause ausgezogen bin, sah ich mich mit den Tücken und Kosten des echten Lebens konfrontiert. Eine Küche ist ziemlich teuer und zu einer funktionalen Küche gehört nun mal auch das Herzstück – der Kühlschrank.

200 Euro ist diese Lovestory wert

Ich habe mich geweigert, mehr als 300 Euro auszugeben, habe also auf allen möglichen Online-Marktplätzen gesucht. Nachdem alle gebrauchten Kühlschränke mehr oder weniger wirkten, als hätten die Vorbesitzer auch menschliche Körperteile darin gelagert, hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben. Dann aber der glorreiche Moment: In einem Outlet für Ausstellungsstücke sah ich ihn dann. Eine 1,70m große, grafitfarbene Kühl-Gefrierkombi für 200 Euro. Das ist unsere Lovestory.

Was war Euer bester Moment?
Jede einzelne Sekunde erwärmt mein Herz. Vor allem aber die Zeiten, in denen ich in der Regel meine Mahlzeiten zu mir nehme.

Gab es in Eurer Beziehung mal brenzlige Situationen oder lief immer alles glatt?
Zugegeben, das Füllvolumen meines Kühlschranks samt Gefriertruhe ist beschränkt. Ich koche zwangsläufig häufig vor und habe von Zeit zu Zeit Probleme, alle Tupperdosen unterzubringen. Vor allem, wenn Besuch da ist und Getränke kalt gestellt werden müssen, wird es schon mal tricky. Aber dennoch ist nichts unmöglich.

Was könnt Ihr voneinander lernen?
Effizientes, gesundes und ökologisch wertvolles Leben.

Was macht Eure Beziehung so besonders?
Ich bin eigentlich ganz froh darüber, einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil zu haben. Auch wenn das alles nicht völlig zwanglos anfing, würde ich es zu keiner Zeit anders machen wollen.
Jeden Tag, wenn ich die Tür öffne, bin ich mehr als zufrieden damit, keine überdimensionierten Plastikverpackungen oder chemiegeschwängertes Formfleisch zu sehen. Das fühlt sich an, als hätte man sein Leben unter Kontrolle und das ist ein schönes Gefühl. Jeden Tag eine kleine Katharsis.

Was unternehmt Ihr gerne zusammen?
Na ja, essen. Und kochen. Ich liebe es, zu kochen.

Was macht Eure Beziehung besonders?
Ich glaube, wenn man dazu gezwungen ist, „gesund“ zu leben, macht es einem das ein wenig leichter. Wenn ich eine Scheibe Mortadella essen würde, würden sich mein Magen und meine Leber freiwillig aus dem Staub machen. Die Beziehung zu meinem Kühlschrank steht repräsentativ für meine Ernährung und hat mich dazu gebracht, mich viel intensiver mit all den Themen auseinanderzusetzen, die damit zusammenhängen.

Und da spielen wesentlich mehr Faktoren eine Rolle, als man annehmen mag: wie verschiedene Lebensmittel in unserem Körper reagieren, wie abhängig Zucker macht, welche Lebensmittel keinen fatalen ökologischen Fußabdruck haben, wie sie angebaut, wie sie verarbeitet werden, wie die Industrie uns austrickst und vor allem, dass Diäten vollkommener Schwachsinn sind. So ganz chemisch gesehen.
Zu wem oder was sagt Ihr denn: „Ohne Dich geht’s nicht“? Mailt mit dem Betreff „Ohne Dich“ an: scenario@medienhaus-bauer.de


AUTOR
Karo Jankowski
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    24. Januar 2019, 12:31 Uhr
    Aktualisiert:
    22. Mai 2019, 03:33 Uhr