Katharina studiert Tanz: Vom Hobby zum Beruf

Menschen, die einmal damit anfangen, lässt es nie wieder los und sie möchten es ihr Leben lang tun, das Tanzen. Vor neun Jahren habe ich einen dieser leidenschaftlich tanzenden Menschen kennengelernt. Katharina Scheidtmann. Damals tanzten wir beide in einem Studio in Marl. Und jetzt, so lange Zeit später, treffe ich sie für ein Interview. Für mich ist es nach wie vor ein Hobby. Für sie hingegen ist es viel mehr.

  • Foto: Paulina Hildesheim

„Ich habe schon immer getanzt“, erzählt sie mir. „Schon in der Grundschule habe ich alle Kinder animiert zu tanzen und brachte ihnen auch selbst was bei.“ Als sie drei Jahre alt war, schleppte sie ihre Mutter zum Ballettunterricht, bei dem es ihr erst allerdings nicht gefiel. Erst mit dem zweiten Versuch, dann mit acht Jahren, sprang der Funke über. Diesmal fing sie mit Jazz an. „Von da an wusste ich, dass ich später einmal etwas mit Tanzen machen möchte.“ Unsere damalige Tanzlehrerin riet ihr, dann doch auch Ballett zu machen, weil das die Grundlage für alle weiteren Tanzrichtungen ist. Und so ging sie im Alter von zwölf Jahren drei bis vier Mal die Woche zum Training.
Die ersten Bühnenerfahrungen sammelte Katharina nicht nur in der Tanzschule. „Im Theater Marl hatten wir regelmäßig Auftritte.“ Aber auch in der Schule wirkte sie an der Oper am Gil – eine AG, die einmal pro Jahr angeboten wird – mit und war da für das Tanzen zuständig.
„Für mich war schon früh klar, dass ich Tanz studieren möchte. Meine Eltern standen voll und ganz hinter mir. Sie unterstützten mich sowohl finanziell als auch auf der emotionalen Ebene. Sie wussten einfach, dass es keinen Sinn machen würde, mich davon abzubringen. Denn für mich gab es keinen Plan B.“
Im Internet recherchierte sie nach einer passenden Tanzakademie und wurde zum ersten Vortanzen nach Arnheim eingeladen.

Die erste Aufnahmeprüfung klappte direkt

„Dieses Vortanzen war so aufgebaut, dass wir Bewerber vorerst in Jazz, Modern und Ballett unterrichtet wurden. Danach zeigte man ein selbst ausgedachtes Solo und sollte dieses jeweils vier anderen Mitbewerbern beibringen. Und das sogar alles auf Englisch. Später wurden noch die anatomischen Fähigkeiten sowie die Fitness geprüft.“
Diese erste Aufnahmeprüfung klappte direkt, sodass die heute 25-Jährige nach dem Abitur nach Holland zog, um dort auf die Tanzakademie in Arnheim zu gehen.
Mit einem Lächeln erinnert sie sich zurück. „Um 9 Uhr fing der Unterricht mit den praktischen Einheiten an. Das heißt, zuerst hatten wir zwei Stunden Ballett und anderthalb Stunden Modern Dance, Jazz oder Improvisation. Nach der Pause ging es dann mit den theoretischen Einheiten wie Geschichte, Didaktik und Anatomie weiter.“

Du gehst an deine Grenzen

Katharina wusste auch immer, dass sie später nicht nur selber tanzen, sondern auch unterrichten möchte. „Besonders das erste Jahr“, sagt sie. „war sehr hart. Man wurde viel kritisiert. Es war halt nicht mehr nur Spaß, sondern Ernst. Anfangs kam es vor allem auf die Technik an. Im dritten und vierten Jahr konnte man schon freier sein, eigene Stücke choreografieren und selber in Ballettschulen oder Regelschulen unterrichten.“
Wie fast alles im Leben hat nun auch der eigene Traum zwei Seiten. „Selbst wenn du den ganzen Tag über das machen darfst, was du liebst, gibt es natürlich auch ab und zu Herausforderungen. Es ist eben nicht einfach ein Hobby, sondern du gehst an deine Grenzen, vor allem körperlich. Und im Vergleich zu anderen Studenten, ist es nicht wie das typische Studentenleben. Man kann nicht bis in die Nacht feiern gehen, weil man frühmorgens dann gar nicht an der Ballettstange stehen könnte. Einmal selbst ausprobiert. Aber all die Strapazen gleichen sich wieder mit der kreativen Arbeit aus. Und du machst eben einfach genau das, was du liebst.“
Obwohl es immer ihr Traum war, hatte sie dennoch Bedenken. „Während des Abiturs hatte ich mal eine Phase, in der ich mich fragte, ob ich damit wirklich die richtige Entscheidung getroffen habe, da alle aus meiner Stufe eher ,normale’ Berufe anstrebten. Da war ich mir kurzzeitig nicht sicher, ob ich nicht doch lieber Lehramt studieren sollte oder mir gar einen Bürojob vorstellen konnte.“
Gut, dass sie ihrem Herzen gefolgt ist, denn so konnte sie bereits in vielen Videoproduktionen bekannter Sänger, wie zum Beispiel Felix Jaehn, mitwirken und mit Künstlern wie Josef Salvat arbeiten. Sie drehte einen Werbespot und unterrichtet unter anderem derzeit das junge Ensemble am Friedrichstadtpalast in Berlin. „Ein besonderes Highlight war für mich, als ich mit meiner eigenen Choreografie und drei weiteren Tänzerinnen mit Philipp Poisel auf Tournee gehen durfte“, schwärmt Katharina.
Und so ist es für mich ein Highlight über meine damalige Tanzkollegin diesen Artikel zu schreiben. Ich bin ein großer Fan.
 



AUTOR
Christina Wilde
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    15. September 2015, 12:13 Uhr
    Aktualisiert:
    30. September 2015, 15:34 Uhr
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