Kristina interviewt Rita: Die Jugend meiner Oma

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Jugendredakteurin Kristina ihre 78-jährige Oma Rita, die seit 1961 in Recklinghausen lebt.

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  • Die Jugend meiner Oma, Kristina

    Rita (r.) ist auf diesem Foto fast genauso alt wie ihre Enkelin Kristina heute. Die Ähnlichkeit zu ihrer Mutter (l.) ist jedenfalls nicht abzustreiten. Foto: Privat

  • Die Jugend meiner Oma, Kristina

    Fest im Arm hält Jugendredakteurin Kristina ihre Oma Rita, der sie ein paar Fragen zu ihrer Jugend gestellt hat. Vielen Dank Euch beiden für die Mühe! Foto: Privat

Kristina: Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Rita:
Ich bin im Jahre 1939 in Eisenberg in Thüringen geboren und zusammen mit meinen Geschwistern aufgewachsen. Einen bestimmen Lieblingsplatz hatte ich nicht, allerdings habe ich gern mit meinen Freundinnen zusammen im Gras gesessen und dort haben wir es uns gut gehen lassen. Außerdem habe ich mit meinen Geschwistern in Nachbars Garten oft zusammen Kirschen vom Baum geklaut. Einmal wurde ich vom Besitzer erwischt und wollte durch das Getreidefeld weglaufen, allerdings hat er mich von der anderen Seite geschnappt und wollte damals die Polizei rufen.

Kristina: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?
Rita:
Ich hatte keine genauen Vorstellungen vom Erwachsenwerden, ich wollte einfach erwachsen sein. Ein Grund dafür war, dass ich die Älteste von meinen Geschwistern war. Daher habe ich immer die Schuld von meinen Eltern bekommen, wenn meine Geschwister etwas angestellt oder falsch gemacht haben. Zunächst wollte ich Krankenschwester werden, allerdings habe ich für diesen Beruf keine Stelle gefunden. Deshalb habe ich dann eine zweijährige Ausbildung als Köchin im Erzgebirge gemacht, bis ich ungefähr 16 Jahre alt war, und bin Köchin geworden.

Kristina: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?
Rita:
Einer meiner schönsten Momente war definitiv, als mein Vater aus dem 2. Weltkrieg wiedergekommen ist. Ich habe mich sehr gefreut, ihn wiederzusehen. Einen schlimmsten Moment hatte ich nicht. Ich musste allerdings oft auf meine jüngeren Brüder aufpassen, und wenn sie Unfug gemacht haben, habe ich immer den Ärger und gelegentlich auch einen Schlag bekommen.

Durch den Umzug kam es zur ersten Trennung

Kristina: Wer war Deine erste Liebe, wie ist es gelaufen?
Rita:
Ich war fünfzehn, als ich meinen ersten Freund hatte. Meine Eltern wussten, dass ich einen Freund hatte, aber haben ihn nicht kennengelernt. Als ich ungefähr ein Jahr mit ihm zusammen war, sind wir nach Brandenburg gezogen und die Beziehung ist auseinandergegangen. Nach einer weiteren Beziehung, die wieder durch einen Umzug auseinandergegangen ist, habe ich deinen Opa kennengelernt. Mit ihm und Deinem Vater als Kind bin ich beim Mauerbau nach Recklinghausen geflohen.

Kristina: Was wundert Dich an meiner Generation? Hast Du Fragen an uns?
Rita:
Mich wundert ehrlich gesagt nichts an Deiner Generation. Ich hatte selbst einen Computer und akzeptiere, dass die Welt immer digitalisierter wird. Ich finde es toll, dass Du die Chance hast, durch die Schule viel in andere Länder zu reisen. So etwas wie einen Schüleraustausch gab es nicht, als ich jung war.
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir gerne mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Oma oder Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de