Lena in Rumänien: Gut gelaunt trotz Schlafmangels

Rumänien - Teil 5 Hey hey, ich melde mich mal wieder zurück. Es ist Weihnachtszeit! Und trotzdem schlug mir der Schlafmangel ein wenig auf die Laune. Egal, vor den Kindern muss ich mich gut gelaunt geben.

  • Lena Rumänien

    In ihrer freien Zeit reist Lena viel rum, um Land und Leute kennenzulernen. Manchmal ist auch ein „Electric Castle“ dabei, wie hier in Bontida.

Was sich als gar nicht so schwierig herausstellte, denn sieben (!) von elf Kindern waren krankheitsbedingt nicht da. Na, willkommen im Winter! Ich hab’ vielleicht Augen gemacht, als ich morgens in den Kindergarten kam und nur Alex da war. Wie gesagt, mir kam es sehr gelegen, nicht nur wegen meiner Laune, sondern auch, weil ich so furchtbar viel Schlaf von der Woche nachzuholen hatte.

Die Kids waren aber nicht die Einzigen, die es erwischte – Dienstag lag Johanna, meine Mitfreiwillige, flach. Das hat mir wirklich Sorgen gemacht, sie klang gar nicht gut, und wir alle drängten ihr Schmerztabletten und literweise Tee auf. Außerdem half ich in ihrer Gruppe aus. Nun ja, das war… mäßig. Als ich umringt von fremden Kindern war, wurde mir erst mal wieder bewusst, wie sehr ich meine eigenen mittlerweile liebe. Die Arbeit ist ganz anders, ich interagierte viel weniger mit den Kindern – zum einen, weil sie sich natürlich viel besser benehmen und eigenständiger sind, zum anderen, weil die Kinder schon flüssiges Ungarisch sprechen und ich nicht, und nicht zuletzt, weil in der Gruppe ein festes Programm herrscht, in das ich nicht eingreifen kann. Es wird viel getanzt, gesungen und gelernt, was wiederum ganz süß war. Trotzdem, eigentlich wollte ich zurück.

Der kleine Tassi macht mich stolz

Das wurde mir am Mittwoch aber nicht gewährt. Allerdings nahm ich dieses Mal den kleinen Tassi mit nach oben, um zu schauen, wie er sich in der anspruchsvolleren Gruppe so verhält. Ahhh, er war wirklich toll! Ich bin so stolz!

Am Abend trafen Johanna und ich noch unsere Koordinatorin Tekla, die für die Uni in der Stadt war. Juchuh! Die ist einfach so lieb, und dabei war es ein einziges Durcheinander, einander zu finden. Sie, Johanna und ich landeten an drei verschiedenen Enden der Innenstadt. Irgendwie haben wir es aber doch geschafft und saßen in einem Bahnhofscafé zusammen – meiner Meinung nach viel zu kurz, aber sie musste ihren Bus nach Hause kriegen. Ich hätte eigentlich gar nicht mehr Glück mit meiner Entsendeorganisation haben können.

Donnerstagmorgen gab es eine Krippenspielprobe! Und auch wenn Berta, die Erzieherin, etwas gestresst wirkte, entwickelt es sich doch wirklich! Die Lieder prägen sich langsam ein, und alle finden Gefallen an ihren Rollen – alle außer Lörinc. Was ich mit dem Kleinen machen soll, weiß ich nicht genau. Ich habe ihm schon eine Rolle ohne Sprechen gegeben, den Stern, und trotzdem mag er nie mitmachen.

Sieben von elf Kindern fehlen

Als ich zurückkam, fand ich Tudor, das neunmonatige Kind, krank und fiebernd vor. Fragt mich nicht, wieso er trotzdem im Kindergarten war. Seine Mutter arbeitet nicht, sie ist tagsüber daheim. Irgendwann holte sie ihn aber ab. Ich möchte nie wieder ein Kind leidend im Kindergarten vorfinden, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt. Und es lässt sich vermeiden. Immer. Sieben von elf Kindern fehlten in dieser Woche, sieben Kinder mit berufstätigen Eltern und weniger schlimmen Krankheiten. Ich bin hier absolut nicht verständnis- oder kompromissbereit. Die Sicherheit und Gesundheit des eigenen Kindes kommt vor allem, und sie kommt garantiert vor der eigenen Bequemlichkeit.

Zum Abreagieren ging ich abends zu einer Game Night, wo viele Freunde von mir waren. Das war echt witzig, wir spielten zuerst so was wie Tabu, wobei man diverse Begriffe beschreiben oder nachahmen musste. Ohne Tabu-Begriffe, man durfte alles verwenden, außer das zu beschreibende Wort, und trotzdem schaffte es ein Junge namens Otto, „Harry Potter“ als „The main character from Harry Potter“ zu beschreiben… meine Güte! Danach gingen ein paar von uns noch in eine Bar – und Otto stellte sich doch als ganz sympathisch heraus.
Am Wochenende haben meine Mitfreiwillige Jojo und ich unser Zimmer auf- und dann umgeräumt. Jetzt sieht es weniger nach einem Jugendherbergen-Zimmer und mehr nach einem Zuhause aus, ist richtig schön, wenn man reinkommt… und hey, wir haben endlich einen Esstisch. Ihr merkt, ich bin richtig angekommen in Rumänien – sowohl auf der Arbeit als auch in der Freizeit.
Lena Gibbels (17, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.

 



AUTOR
Lena Gibbels
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. Dezember 2016, 10:05 Uhr
    Aktualisiert:
    18. Mai 2017, 03:34 Uhr