Lena in Rumänien: Schöne Städte, schlimmes Hostel

Teil 7 Landesstolz finde ich als Deutsche automatisch so abstoßend, dass ich ihn mir selbst in einem neuen Land nicht mehr aneignen kann. Trotzdem möchte ich mir die Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und mich während meines Auslandsaufenthaltes auch mal in den Nachbarländern umschauen. Heißt: Ich bin dann mal weg – auf Städtetrip nach Ungarn.

  • Lena in Rumänien

    Den Blick über die Donau genießt Lena — auch wenn ihr der Wind eiskalt um die Ohren pfeift.

Erster Stopp war in der Stadt Debrecen, wo ich mit Freunden in den billigsten Pub der Stadt ging. Irgendwann begannen ein paar Leute, zusammenhangslos deutsche Sätze vor sich hinzustammeln. „Es gibt keine Hausaufgaben“, „Was kostet die Garage“, „ganz beliebt“, „nur ein bisschen“. Diese Sätze wurden echt die ganze Nacht wiederholt und begleiteten uns noch bis ins Zimmer.
Am nächsten Morgen gingen wir in die recht kleine Altstadt. Unfassbar dafür, dass Debrecen die zweitgrößte (!) Stadt Ungarns ist. Und eisig-kalt war es dort. Ich war schon halb erfroren, als ich in den Zug nach Budapest stieg.

Und das ist mal eine faszinierende Stadt! In Europa bin ich noch keiner begegnet, die mich so an New York erinnerte. Belebt, voller Touri-Guides und unhöflicher Leute, unter einem die U-Bahn und über einem keine Sterne, weil man von den Lichtern der Stadt umgeben ist. Wunderschön!
Nicht ganz so wunderschön war das Hostel, denn Schimmel kriegt man eben nicht von der Wand, indem man ihn mit coolen Sprüchen übermalt. Und in einem Zwölfbettzimmer kommt man natürlich schlafmäßig nie wirklich auf seine Kosten. Nun ja, abgesehen von den Duschen ging es alles irgendwie. Und zum Ausgleich fanden wir am ersten Abend ein Restaurant, das Drei-Gänge-Menüs für 1000 Forint, also etwas mehr als drei Euro, servierte.

In Budapest den Moment genießen

Danach brach also der erste richtige Tag in Budapest an, der für uns an der Basilika-Kirche startete. Solche Architektur erweckt in mir immer gemischte Gefühle. Einerseits Faszination, wie all das von Menschenhand gebaut werden konnte, andererseits Wut auf die Kirche und ihre Geldverschwendung.
Danach streunten wir ein bisschen durch die Straßen, fanden einen schwedischen Laden und einen süßen kleinen Indie-Holzshop und gelangten zur Kettenbrücke an der Donau. Das Panorama war einfach unbeschreiblich! Ich musste erst einmal innehalten und den Moment genießen.

Abends wäre ich am liebsten nur noch ins Bett gefallen, aber ich war noch mit Franzi, einem Mädchen von meinem Ausreiseseminar, verabredet. Und kennt Ihr das? Wenn Ihr absolut keine Lust habt, die Decke wegzuschlagen und auszugehen, und Euch trotzdem zwingt, dann kommen dabei meistens die allerschönsten Abende bei heraus. Leider endete der Abend nach einer herzlichen Verabschiedung von Franzi damit, dass sich das Mädchen im Stockbett über mir sich die ganze Nacht lautstark die Seele und den Alkohol aus dem Leib kotzte. Allzu viel Schlaf war für mich also nicht drin.

Meine ganze Gruppe war weg

Als ich am nächsten Morgen um kurz nach neun aufwachte, war meine ganze Gruppe fort, also beschloss ich, auf eigene Faust loszuziehen. Ich lief über die Brücke ins Schlossviertel hoch – ehrlich gesagt nicht für die Schlösser, auch wenn die Matthiaskirche faszinierend war, sondern, weil ich gehört hatte, dass es dort ein Café mit gutem Kaffee geben sollte – ja, so ein Koffeinjunkie bin ich mittlerweile. Aber es waren keine leeren Versprechen, der Espresso dort war klasse und das Café hatte eine ganz schöne, gemütliche Atmosphäre. Am Ende des Tages ging ich noch einmal zur Brücke zurück, um den Anblick ein letztes Mal in Stille zu genießen und lief dann zum Hostel.

Als meine Freunde, die mich ja alleine gelassen hatten, dort eine halbe Stunde später eintrafen, mir in die Arme fielen und sich entschuldigten, konnte ich ihnen auch nicht mehr wirklich böse sein. So was passiert und gehört zum Abenteuer mit dazu.
Lena Gibbels (17, Datteln) ist für zehn Monate nach Rumänien gegangen. In der Stadt Cluj-Napoca in Transsilvanien absolviert sie ihren Europäischen Freiwilligendienst, kurz EFD, in der „Csemete Reformed Nursery School“. Hier bei Scenario lässt Lena Euch teilhaben, wie es ihr in Cluj-Napoca ergeht und was dort alles passiert.