Mein Leben als Vegetarierin: Warum Charlotte auf Fleisch verzichtet

Seit mehreren Jahren ernähre ich mich jetzt bereits vegetarisch und häufig werde ich mit der Frage konfrontiert, warum ich dies tue. Im Folgenden möchte ich nun einmal meine Hintergründe für diese Entscheidung erläutern. Als Erstes ist mir dabei immer wichtig zu erwähnen, dass ich niemanden bekehren möchte und finde, dass jeder selbst für sich entscheiden sollte, was er isst. Dafür, dass ich den Menschen Toleranz entgegenbringe, dass sie Fleisch und Fisch essen, erwarte ich im Gegenzug aber auch, dass man Menschen, die sich anders ernähren, akzeptiert, vor allem weil Vegetarismus inzwischen weit verbreitet und das alte Image einer „Ökotante“ doch schon etwas verstaubt ist.

  • Frisches Gemüse

    Gemüse steht auf dem Speiseplan von Charlotte. Sie verzichtet auf Fleisch, aber nicht nur wegen des Tierwohls. Foto: Jens Büttner (ZB)

Persönlich fand ich den Gedanken von einer vegetarischen Ernährung schon immer nachvollziehbar, in meiner Kindheit vor allem durch meine Tierliebe. Trotzdem habe ich mittags oft Fleisch gegessen und das Salami-Brot war auch bei mir sehr beliebt. Die Entwicklung hin zum vegetarischen Lebensstil kam bei mir eher langsam. Ich habe mich immer wieder damit auseinandergesetzt und damit begonnen, zwei rein vegetarische Tage in der Woche einzuführen.

Eine Momentaufnahme oder doch für immer?

Aus diesen wurden dann immer mehr und ich habe versucht, mich im alltäglichen Leben von Fleisch- und Fischprodukten zu entfernen. Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich ganz darauf verzichtet habe. Dabei stand für mich aber fest, dass nur weil ich jetzt kein Fleisch und Fisch mehr esse, das nicht heißt, dass ich das auch in Zukunft nicht mehr machen werde.

Auch heute mag ich noch sehr gerne Fleisch und Fisch, auch wenn ich es schon lange nicht mehr gegessen habe. Für mich war und ist es immer wichtig, dass man sich nicht selbst in so eine Lebensform einsperrt. Ich werde wahrscheinlich nie zu einer täglichen Fleischesserin werden, aber trotzdem weiß ich, dass ich, wenn ich Lust darauf habe, ab und an Fleisch oder Fisch essen werde. Das mag manchmal öfter und manchmal weniger oft vorkommen. Wichtig ist dabei meiner Meinung nach, dass niemand Reue empfindet, bei dem, was er isst, denn sonst beginnt Essen zur Religion zu mutieren, anstatt Genuss zu sein.

Erwähnenswert ist auch noch, dass ich mich nicht nur aus Tierliebe vegetarisch ernähre, sondern eher aus Nachhaltigkeit. Natürlich ist mir das Tierwohl wichtig, aber nicht, weil Tiere so unglaublich süß sind. Vielmehr geht es mir darum, dass ich keine Tiere aus Massenproduktion essen möchte, die nur durch Antibiotika überleben und bei uns selbst eine Immunität gegen diese fördern. Zudem werden viele Fischbestände weltweit bis zum Aussterben gejagt, um unser Konsumverhalten zu stillen. Mir geht es darum, dass auf diesem Planeten jeder Mensch satt werden könnte, wenn wir die gegebenen Ressourcen nachhaltig nutzen würden.

Das bedeutet, anstatt Wälder zu roden um Viehfutter anzupflanzen, könnte man auf den vorhandenen Feldern lieber Lebensmittel für den direkten Verbrauch anbauen. Außerdem zählt dazu, die Bestände so zu nutzen, dass auch die nachfolgenden Generationen auf einen Planeten der Möglichkeiten treffen und nicht auf einen ausgebeuteten Ort, an dem alles im Labor gezüchtet wird, da Böden und Gewässer keine Nährstoffe mehr hergeben.

Das mag für einige ein idyllisches Fantasiebild sein, aber ich kann mit meinem Verzicht auf Fleisch- und Fischprodukte einen kleinen Teil dazu beitragen, dass es Wirklichkeit wird.


AUTOR
Charlotte Uphues
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    7. Dezember 2018, 13:37 Uhr
    Aktualisiert:
    7. Dezember 2018, 13:50 Uhr