Messenger-Verzicht mit Folgen: Kein WhatsApp, keine Spieleabende

Im September 2014 habe ich mich von Facebook verabschiedet, zwei Jahre später von WhatsApp. Meine Freunde waren damals gelinde gesagt skeptisch, was meine Einstellung – oder sollte ich besser sagen, Rechtfertigung? – bezüglich dessen anging.

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    Zum Heulen zumute fühlt sich dieses Emoji bestimmt, weil Autorin Sophia kein WhatsApp mehr nutzt. Foto: Julian Stratenschulte (dpa)

Der Kommentar, den ich am meisten gehört habe, dass es doch sooooo umständlich sei, nun mit mir in Kontakt zu treten. Dann müsse man mir ja immer eine Mail schicken. Extra Arbeit, auf die die meisten meiner Freunde anscheinend wenig Lust hatten.

Für mich war es ehrlich gesagt eine totale Erleichterung, nicht mehr täglich WhatsApp-Nachrichten beantworten zu müssen oder auf Facebook schräge Kommentare irgendwelcher anderen Nutzer durchzulesen, mit denen ich seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr habe. Seitdem habe ich Lebenszeit dazugewonnen, weil ich mir unzählige Dinge vorstellen kann, die besser sind, als auf meinem Smartphone herumzutippen.

Doch mit dem WhatsApp-Verzicht habe ich mich ein Stück weit ins soziale Aus katapultiert, habe ich manchmal das Gefühl. Weil ich eben nicht immer und überall erreichbar bin, und auch nicht super-schnell antworte. Dadurch bin ich „anstrengend“ – so die Begründung – und bekomme oft Dinge und Veranstaltungen nicht mit, die meine Freunde gerne besuchen wollen. Wenn es eine WhatsApp-Gruppe für einen Spieleabend gibt, bin ich nicht drin, klar. Und oft sind die anderen dann zu faul, mir noch eine Extra-SMS zu schicken. So findet dann ein schöner Abend statt – ohne mich. Dann fühle ich mich manchmal ausgeschlossen. Nicht Teil der Gruppe. Und das alles wegen eines Messenger-Dienstes.

So ganz ohne Tippen kommt man nicht aus

So ganz ohne Tippen kommt man im Leben anscheinend nicht mehr aus, und so habe ich mittlerweile zwei (!) andere Kommunikationsdienste: Threema (gilt als „sicher“) und Telegramm. Wird genutzt von nicht ganz so inflationär vielen Menschen wie WhatsApp – und wir organisieren unser WG-Leben damit.
Trotzdem finde ich es nach wie vor traurig, wenn ich so sehe, wie wir abends am Esstisch sitzen und uns unterhalten und plötzlich – wie auf Knopfdruck – jede Unterhaltung stirbt, wenn einer am Handy ist. Das nervt, weil es eben mittlerweile so sozial akzeptiert ist. Man hält automatisch die Klappe, weil man sich damit abgefunden hat, dass der andere, der mit dem Handy hantiert, gerade eh nicht zuhört.

Von Beziehungen möchte ich gar nicht reden. Wie wichtig es geworden ist, ob man mit der neuen Bekanntschaft aus der Uni „schreibt“! Wenn er oder sie nicht zurückschreibt, verunsichert das ungemein. Und genau davon möchte ich mich nicht abhängig machen.

Ich möchte im realen Leben Kontakt mit meinen Freunden haben – und nicht über mein Smartphone. Weil ich das ganze Getippe anstrengend und unnötig finde. Natürlich könnte ich mir jederzeit eine Internet-Flatrate einrichten und mir WhatsApp wieder installieren. Das hieße für mich allerdings, zu kapitulieren. Mich dem sozialen Druck, der so abnormal ist, zu beugen. Viel lieber stehe ich dazu, es mir kompliziert zu machen, nicht ständig und überall mein Smartphone dabei zu haben und dadurch Geld für SMS ausgeben zu müssen. Dann ist das eben so.


AUTOR
Sophia Daniel
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. November 2018, 11:18 Uhr
    Aktualisiert:
    20. November 2018, 11:24 Uhr