Nico interviewt Irene: Die Jugend meiner Oma

Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Hier befragt Jugendredakteur Nico Großmann seine 84-jährige Oma Irene, die gebürtig aus Dirschau in Polen stammt, mit zehn Jahren geflüchtet ist und in Recklinghausen wohnt.

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  • Jugend meiner Oma Nico Großmann Irene

    Bitte nicht bewegen und recht freundlich in die Kamera lächeln! Danke fürs schöne Foto und fürs Interview, liebe Irene und lieber Nico! Foto: Privat

  • Irene Großmann

    Irene war 15, als sie ihre große Liebe traf. Die beiden Verliebten heirateten ein Jahr später und verbrachten 53 tolle Ehe-Jahre zusammen, Foto: Privat

Nico: „Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?“
Irene:
„Mein Vater hatte früher ein kleines Stück Garten, da haben wir als Kinder oft gespielt und viel Zeit verbracht. Ich verbinde mit diesem Ort einige schöne Erinnerungen. Ich glaube, das war mein Lieblingsplatz. Ich weiß nicht, wie dieser Platz heute aussieht. Als wir alle älter wurden, haben wir immer weniger Zeit dort verbracht, bis wir irgendwann nicht mehr dort wohnten.“

Nico: „Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt?“
Irene:
„Ich habe nicht viel über das Erwachsenwerden nachgedacht. Ich war noch ein Kind, als wir geflüchtet sind. Nach dem Krieg hatten wir auch kaum Möglichkeiten zu arbeiten. Ich wollte meine Jugendjahre genießen. Ich wollte die Freiheit genießen.“

Nico: „Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?“
Irene:
„Der schönste Moment in meinem Leben war, als ich Deinen Opa kennengelernt habe. Ich kann mich noch genau erinnern, wie sein Gesicht aussah, als er mich angesehen hat. Meine Freundinnen und ich sind damals oft tanzen gegangen. Ich habe ihn schon beim Reingehen gesehen. Er sah gut aus und war schon etwas älter. Dann sah er mich.

„Wir hatten nur Augen füreinander“

Er stand völlig regungslos da und hat mich einfach angesehen. Wir hatten von diesem Moment an nur noch Augen füreinander. Das war der schönste Moment in meinem Leben. Ich weiß nicht, welcher Moment der schlimmste in meinem Leben war, aber die schlimmste Zeit war die Flucht. Ich war zehn Jahre alt, als wir flüchten mussten.“

Nico: „Wer war Deine erste Liebe, wie ist es gelaufen?“
Irene:
„Meine erste Liebe war Dein Opa Erich. Mit 15 habe ich ihn kennengelernt, nur ein Jahr später haben wir geheiratet. Und wie es gelaufen ist? Als Dein Opa starb, waren wir 53 Jahre lang verheiratet. 53 Jahre! Ich konnte mir nie vorstellen, mit jemand anderem zusammen zu sein.“

Nico: „Was wundert Dich an meiner Generation und hast Du Fragen an uns?“
Irene:
„Mir tut die Jugend leid. Es hat sich alles so sehr verändert. Früher hatten wir so viele Dinge, die wir in unserer Freizeit machen konnten. Jetzt wird Euch doch nichts mehr geboten.“
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Oma oder Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de!