Nina interviewt Ursula: Die Jugend meiner Oma

Serie Glücklich ist, wer Oma und Opa hat. Wo Mama und Papa schon längst mit uns geschimpft hätten, drücken sie ein Auge zu. Sie hören uns zu und nehmen uns in den Arm und bei ihnen gibt’s oft Kaffee und Kuchen. Jederzeit können wir mit unseren Sorgen zu ihnen kommen: Sie wissen Rat, denn sie sind lebenserfahren. Jetzt sollen sie zu Wort kommen – hier bei Scenario. Unsere Jugendredakteure und Leser wollen wissen, wie „die Jugend ihrer Großeltern“ aussah. Heute befragt Jugendredakteurin Nina Bartnik ihre 70-jährige Oma Ursula, die aus Bork (Selm) kommt und jetzt in Waltrop lebt.

  • Die Jugend meiner Oma

    Dass Ursula (r.) Ninas Oma ist, können wir fast nicht glauben. Sie könnte auch ihre Mutter sein, finden wir. Egal: Danke für Euer schönes Interview, Ihr beiden! Foto: Privat

Nina: Was war Dein Lieblingsplatz und wie hat er sich im Laufe der Jahre verändert?
Ursula:
Meine Eltern sind 1951 oder 52 nach Waltrop gezogen in die Stegerwaldstraße. Nach dem Krieg gab es wenig Wohnungen für junge Familien, deshalb hat mein Vater angefangen, auf der Zeche in Waltrop zu arbeiten und dadurch auch eine Wohnung für uns bekommen. Davor haben wir in Bork bei Oma und Opa im Haus mit der großen Familie gewohnt. Mein Lieblingsplatz war die große Wiese hinter dem Haus von Oma und Opa, auf der ganz viele Blumen geblüht haben. Oma bekam immer einen selbst gepflückten Blumenstrauß. Die Wiese gibt es immer noch und ist nicht verbaut. Ich war erst letztens mit meiner Cousine Inge da.

Beruf erlernen und Freiräume bekommen

Nina: Wie hast Du Dir das Erwachsenwerden vorgestellt? Ursula: Ich habe mich darauf gefreut, einen Beruf zu erlernen und Verantwortung zu übernehmen. Ich bin auch sehr selbstbestimmt aufgewachsen und hatte viel Freiraum, weil meine Eltern sehr beschäftigt waren. Später zu heiraten und Kinder zu bekommen, war selbstverständlich für mich, genauso wie einen Beruf zu erlernen. Das gehörte einfach mit dazu, weil ich ja aus einer Großfamilie komme. Nina: Was war der schönste und was war der schlimmste Moment in Deinem Leben?
Ursula:
In meinem Leben gab es sehr viele schöne Momente, zum Beispiel Urlaube mit Kindern und später Enkelkindern, Treffen mit Freunden und einfach Zeit zu verbringen mit den Leuten, die mir wichtig sind. Die schlimmsten Momente sind die, wenn man sich von geliebten Menschen verabschieden muss.

Nina: Wer war Deine erste Liebe, wie ist es gelaufen?
Ursula:
Dein Opa natürlich. Wir haben uns am 30. April, beim Tanz in den Mai, in Waltrop kennengelernt. Damals war ich 17. Für mich war es direkt so, als ob ich ihn schon lange kennen würde – und wir haben uns einfach verstanden. Es hat gepasst. Nach einem Jahr haben wir schon geheiratet.

Nina: Was wundert Dich an meiner Generation und hast Du Fragen an uns?
Ursula:
Eigentlich gar nichts. Ich genieße es, mit jungen Leuten zusammen zu sein. Ich sehe, dass Ihr viel mehr Freiheiten habt. Außerdem habt Ihr viel mehr Möglichkeiten, das Problem dabei ist vielleicht erst mal, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden und unabhängig zu leben.
Was wisst Ihr über die Jugendjahre Eurer Großeltern? Nicht so viel, oder? Das wollen wir mit Euch ändern! Schreibt uns an, wenn Ihr mit Oma oder Opa dabei sein wollt: scenario@medienhaus-bauer.de Alle Serienteile findet Ihr unter: www.medienhaus-bauer.de/grosseltern