Paula war klettern: Urlaub mit Weitblick

Marseille Wir brauchen keine Hotels und keine Strandliegen, keine All-inclusive-Armbänder und keine Animateure, um einen Traumurlaub zu erleben. Wir brauchen eigentlich nur eine gute Felswand. Wir, das ist die Jugendabteilung des DAV (Deutscher Alpenverein) in Recklinghausen. Und diesmal waren wir in Frankreich – es ging in die Calanques (Steilwände aus Kalkstein) von Marseille.

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  • Klettern Marseille

    Wow! Paula blickt bei einer Kletterpause am Cret Saint Michel auf das Meer.

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    Die Truppe, die gemeinsam in Marseille war (von links): Flo, Sophie, Klara, Paula, Lukas, Johannes und Till – dazu noch Niko, der das Foto gemacht hat.

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    Klara klettert gut gesichert an der Le-Bec-Wand.

Mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens kamen wir in La Ciotat, 30 Kilometer östlich von Marseille, an und genossen am Strand unser erstes richtig französisches Frühstück, bestehend aus Baguette, Croissants und alten Käsebroten von der Fahrt. Anschließend ging es zum Campingplatz, der traumhaft schön am Meer in einem kleinen Pinienwald gelegen war, und mittags machten wir uns felshungrig auf in Richtung Marseille, um die ersten Routen zu bezwingen.

Die Felsen dufteten nach Rosmarin

Nach der Warmkletter-Phase ging es dann am nächsten Tag richtig zur Sache. Wir fuhren zur Cret Saint Michel in Morgiou, einer beeindruckend großen Wand mit mehreren Mehrseillängenrouten verschiedener Schwierigkeitsstufen. Für einige von uns waren es die ersten Mehrseillängenrouten überhaupt und dementsprechend aufgeregt und erwartungsvoll waren wir alle. Seillänge für Seillänge kraxelten wir die nach Rosmarin duftende Wand hinauf und wurden mit einem herrlichen Ausblick über die für die Calanques typische Bucht belohnt. Nachdem wir uns abgeseilt hatten, verschwand die Sonne bereits hinter den umliegenden Steinmassiven und wir beeilten uns, zurück zum Auto und unter die wohlverdiente Dusche zu kommen. Der gesammelte Rosmarin wurde abends von uns experimentierfreudigem Jungvolk direkt im Kartoffelpüree versenkt.

Die folgenden Tage vergingen schnell mit täglich neuen Herausforderungen, wie dem Einkaufengehen in einem französischen Supermarkt, Kochen für acht ausgehungerte Kletterer auf nur zwei Herdplatten in einer Hütte von der Größe eines noblen begehbaren Kleiderschranks und das Überleben im rücksichtslosen und rasanten französischen Straßenverkehr.

Sonnenbrände, Stürze und Splitter

Auch klettertechnisch hatte der Urlaub natürlich einiges zu bieten! Obwohl die Hakenabstände anfangs vor allem für die von uns, die seltener draußen klettern, sehr gewöhnungsbedürftig waren, schafften wir es alle, unsere Kletterleistung erheblich zu verbessern und ein ganz neues Gefühl für den Fels zu bekommen. Was am ersten Tag noch unmöglich schien, wurde nach einer Woche schon mutig im Vorstieg angegangen. Weder Sonnenbrände noch Stürze oder Splitter konnten uns aufhalten.
Ein Highlight war die Besteigung des Le Bec, einer strahlend weißen 118 Meter hohen Kalksteinwand in Sormiou. Die Routen beginnen dort direkt am Wasser und führen teils senkrecht, teils überhängend und teils geneigt bis zum Gipfel, von wo aus man an drei Seiten das türkisblaue Mittelmeer überblickt. Traumhaft schön, wenn auch recht windig.

Nach dieser fels- und sonnenreichen Woche machten wir noch einen Abstecher in den Elsass, aßen den obligatorischen Flammkuchen und fuhren erschöpft und glücklich mit sechzehn Baguettes als Wegzehrung zurück ins Ruhrgebiet.


AUTOR
Paula Neufeld
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    4. Mai 2016, 14:26 Uhr
    Aktualisiert:
    29. September 2016, 03:34 Uhr