Pia in Dänemark: Weiche Wolle und frische Frucht

Teil 3 Sonntagabend, 23 Uhr, ich muss dringend schlafen, aber dennoch wälze ich mich im Bett umher und kann nicht einschlafen. Morgen ist mein erster Unitag an der UCC in Kopenhagen. Ich bin extrem nervös, wie werden meine Kommilitonen sein, die Dozenten und was werden wir alles machen? Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein und werde morgens von meinem Wecker geweckt. Schnell frühstücken, anziehen und los geht es. Und zwar mit dem Fahrrad.

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  • Pia Friedl ATW Teil 3

    Ein neugieriger „Besucher“ freut sich, von Pia mit Äpfeln gefüttert zu werden. Foto: Privat

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    Äpfel, Sanddorn und Pflaumen – frisch gepflückt im Kopenhagener Park. Foto: Pia Friedl

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    Der Blick aus dem siebten Stock der Uni UCC in Kopenhagen. Foto: Pia Friedl

Hier in Kopenhagen fahren nämlich über die Hälfte der Menschen mit dem Fahrrad zur Arbeit, zum Sport oder zu Freizeitaktivitäten. Ich gehöre jetzt auch dazu. Da ich den Weg noch nicht perfekt kann, fahre ich mit Google Maps. Die ersten fünf Kilometer sind auch kein Problem, doch dann habe ich mich verfahren, stehe mitten in Kopenhagen und mein Handy zeigt mir komische Sachen an. Nach einigen Versuchen habe ich den richtigen Weg endlich wieder gefunden. An der Uni angekommen, muss ich noch meinen Klassenraum finden.

Die Bezeichnung „W.7.19“ lässt mich darauf tippen, dass ich zum Gebäude W in den siebten Stock muss. Aber kann die Uni wirklich so viele Stockwerke haben? Also frage ich erst mal jemanden und ja, es gibt sieben Stockwerke in dem Gebäude, ganz schön hoch, wenn ich an meine Hochschule denke, wo wir nur vier Stockwerke haben. Die Frau, die ich gefragt hatte, empfiehlt mir, den Aufzug zu nehmen. Leider ist der jedes Mal mit Studenten überfüllt, wenn sich mir im ersten Stockwerk die Türen öffnen. Also doch die Treppen.
Oben angekommen, bin ich total außer Atem und schaffe es trotzdem noch. Im Klassenraum sitzen gerade einmal eine Kommilitonin und der Dozent. Glück gehabt, bin ich doch nicht die Letzte, sondern noch eine der Ersten.

Nachdem alle nach und nach eintrudeln, werden wir in Kleingruppen aufgeteilt, sodass nie zwei aus einem Land zusammen in einer Gruppe sind. Ich bin mit einer Spanierin, einem Niederländer und einer Japanerin in einer Gruppe. Insgesamt sind wir 30 Studierende aus elf verschieden Nationen und sogar fünf männliche Teilnehmern.
Den restlichen Tag verbringen wir mir verschiedenen Infoveranstaltungen, einer Campusrallye und anderen Aktivitäten. Um 16 Uhr ist Schluss und wir setzen uns vor der Uni in die Sonne und tauschen uns noch ein wenig aus. Ich finde heraus, dass wir in der Gruppe vier Deutsche und ein Österreicher sind. Wir sprechen aber kaum Deutsch miteinander, um die anderen Studierenden nicht außen vor zu lassen.

Hier duzen sich einfach alle – sogar die Dozenten

Was ein Unterschied zu Deutschland ist, ist, dass wir die Dozenten mit dem Vornamen ansprechen und duzen und auch geduzt werden. Es soll keine sichtbare Hierarchie ausgestrahlt werden, sondern dass wir alle auf einer Stufe stehen – so wird es uns erklärt.
Gegen acht Uhr abends bin ich dann endlich wieder in meiner Wohnung. Ich bin erschöpft und müde, aber auch froh, dass der erste Tag so gut gelaufen ist und freue mich auf die nächsten Tage.
Dienstag haben wir ebenfalls einige Infoveranstaltungen über Dänischkurse, über die Bibliothek und wie ein internationaler Klassenraum funktioniert.

Am Mittwoch findet mein erstes persönliches Highlight statt, denn wir machen einen Ausflug. Morgens treffen wir uns in der Uni und packen Campingkocher, Schüssel, Messer und Löffel zusammen. Unser Ziel liegt fünf Kilometer von der Uni entfernt und wir müssen erst einmal eine Stunde wandern. Auf dem Weg legen wir kurze Stopps ein, um zu diskutieren, wie wir Natur definieren.

Am Ziel angekommen – ein riesiger Park mit Bäumen, Sträuchern, Tieren und jahrelang von Menschen unberührt – dürfen wir uns aussuchen, welches Obst wir sammeln wollen, um daraus Marmelade zu kochen. Meine Gruppe hat sich dafür entschieden, Pflaumen, Äpfel und Sanddornbeeren zu mischen. Nachdem wir alles gesammelt, die Äpfel geschält, die Pflaumen entkernt und alles gewaschen haben, erhitzen wir Wasser auf dem Campingkocher und geben das Obst, Zucker und Vanillezucker in den Topf.

Während wir darauf warten, dass unsere Marmelade fest wird, kommen neugierige Besucher vorbei: eine Schafsherde. Die Schafe sind so zutraulich, dass sie uns die Äpfel, die wir nicht für die Marmelade benötigen, aus der Hand fressen und wir ihnen dabei durch die weiche Wolle streicheln können.
Dann ist die Marmelade auch endlich fest – oder zumindest fertig – geworden. Denn die Konsistenz lässt zwar etwas zu wünschen übrig, dafür schmeckte sie richtig lecker. Nicht extrem süß, wie viele gekaufte Marmeladen, aber auch nicht zu sauer – für uns die perfekte Mischung.

Wir brauchen länger , als der Dozent eingeplant hatte, deswegen spülen wir auf die Schnelle alles, räumen auf und starten zurück zur Uni, nachdem jeder die Marmeladen der anderen Gruppen probiert hat.
Ab morgen geht der reguläre Unterricht los und ich bin gespannt, was ich noch so alles entdecken und kennenlernen werde. Mein Fazit über die ersten drei Tage ist, dass die Dänen einen viel lockeren Umgang mit Universität, Beziehungen zwischen Dozenten und Studierenden sowie eine bessere Lernatmosphäre haben. Das ist doch cool.
Pia Friedl (22, Waltrop) geht für ein Semester nach Kopenhagen. Dort wird sie „Childhood in a Nordic perspective – a Danish setting“ studieren. Pia wohnt mit drei weiteren Studentinnen, dem Vermieter und mit dessen Tochter zusammen. Was sie in ihrem Auslandssemester alles so erlebt, schildert Pia ausführlich bei Scenario.


AUTOR
Pia Friedl
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    2. November 2018, 09:40 Uhr
    Aktualisiert:
    3. November 2018, 09:45 Uhr