(Un-)happy 25th birthday: Glückwunsch zum Ernst des Lebens

Geburtstag zu haben ist eigentlich immer eine schöne Sache. Man startet den Tag, wenn man Glück hat, mit einem Stück Kuchen und einem schräg gesungenen Geburtstagsständchen und lässt sich im besten Fall einfach von morgens bis abends verwöhnen: mit Geschenken, Liebe und Aufmerksamkeit. Zumindest war das früher so. Doch von Jahr zu Jahr scheint das Besondere am Geburtstag abzunehmen. Vor allem, wenn man die magische 25 erreicht hat, ist das Leben kein Zuckerschlecken mehr.

  • Annika Mittelbach Geburtstag

    Mit diesem Krönchen wollten ihr die Freunde eine Freude bereiten. Das ging aber gewaltig nach hinten los. Annika möchte keinen Geburtstag feiern, erst recht nicht ihren 25ten. Foto: Privat

Ein paar Beispiele: Bis dato musste ich mir über meine Krankenversicherung keine Gedanken machen. Familienversichert – und gut ist. Medizinische Versorgung kost’ ja nichts. Wie hart der Boden der Tatsachen dann doch sein kann, erfahre ich mit diesem hässlichen Schreiben: „Sehr geehrte Frau Mittelbach, Ihre Familienversicherung endet.“ Und bei der Zahl, die dann da für den monatlichen Beitrag steht, kullert einem schon das erste Tränchen über die Wange. Tja, im Leben gibt es halt doch nichts umsonst.

Besonders fies ist aber, dass man nicht nur mehr Ausgaben ab dem 25. Lebensjahr hat, sondern gleichzeitig auch schlagartig weniger Einnahmen. Man bekommt ab dem Vierteljahrhundert leider kein Kindergeld mehr. Gut, irgendwann muss ja auch mal Schluss sein mit dieser staatlichen Unterstützung, das ist mir schon bewusst. Aber das beides auf einen Schlag gemacht wird – übel! Dann muss ich nicht nur mit 90 Euro weniger im Monat rechnen (studentische Krankenversicherung, immerhin), sondern gleich mit 280. Und das muss ich erst mal ausgleichen. Ist ja auch nicht so, als hätte ich bisher die Hände in den Schoß gelegt und nichts gemacht oder im großen Goldrausch gelebt.

Pech, wer jetzt noch in der Ausbildung steckt

Der Staat denkt, mit 25 Jahren ist man erwachsen. Da kann man seinen Lebensunterhalt schon mal selbst bestreiten. Wer dann noch in der Ausbildung ist, hat halt Pech gehabt. Dabei muss ich immer resigniert sagen: Ja – und das Aber schaut schon um die Ecke – doch im Grunde meines Herzens weiß ich ja, dass der Lauf der Dinge so nun mal ist und so auch gar nicht so verkehrt ist.

Das Problem ist, steckt man erst mal in diesem Kreis, kommt man da kaum noch raus. Hört die finanzielle Unterstützung durch Kindergeld und BAföG auf, muss man mehr arbeiten. Mehr arbeiten bedeutet, weniger studieren. Weniger studieren bedeutet, längeres Studium, bedeutet, länger arm sein. Ihr seht, es ist ein Teufelskreis. Aber genug der finanziellen Sorgen.

Mit 25 macht es auch irgendwie keinen Spaß mehr, älter zu werden. Jetzt darf man ja alles – bis auf Ü30-Partys gehen. Und darauf bin ich auch eigentlich nicht scharf. Man bewegt sich in dieser total verrückten Generationsblase, die in zwei Gegenpole aufgeteilt ist. Die einen heiraten und posten Fotos von ihren Schwangerschaftsultraschallbildern im Netz, und die anderen rufen verzweifelt bei Mutti an und fragen nach, bei wie viel Grad der Lieblingspulli gewaschen wird oder ob Mami ihn nicht doch lieber waschen könnte.

Mit 25 entfremdet man sich von den Menschen, mit denen man noch vor einigen Jahren gemeinsam zur Schule gegangen ist, und ich bin mir sicher, beide Gruppen beneiden die jeweils anderen. Wer jetzt schon fest im Sattel sitzt und mit seinem „Partner fürs Leben“ und Kind gen Sonnenuntergang reitet, fragt sich bestimmt das eine ums andere Mal, wie es wohl wäre, um 18.30 Uhr nach einer langen Partynacht aufzustehen und kalte Pizza zu frühstücken. Keine Verantwortung zu haben, außer für sich selbst und feiern zu gehen, wie die Lust und das Geld es zulassen. Die pure Freiheit zu genießen – natürlich immer mit finanziellen Einschränkungen.

Und die anderen beneiden die Familienmenschen. Zu Hause bei Mami und Papi ist es nicht mehr so wie früher. Man ist dort eher Gast. Und eine enge Familie fehlt. Da wäre es bestimmt toll, jemanden zu haben, den man sich als Familie ausgesucht hat und vielleicht sogar eine Mini-Version von sich selbst in die Welt gesetzt zu haben.

Mit 25 fragt einen keiner mehr, was man mit seinem Leben vorhat, denn man lebt ja schon, was erwartet wird. Kind, Mann/Frau, Haus. Check. Jetzt wartet man eigentlich nur noch auf den Tod. Nein, sorry, das war etwas düster. Der Punkt: Beide Leben haben ihr Für und Wider. Und irgendwann enden wohl die meisten in der Familie-und-Kind-Gruppe. Und die anderen werden bemitleidet. Es ist nicht schön, älter als 25 zu werden, vor allem nicht, wenn man nicht weiß, wo der Weg hingehen soll. Wird das noch mal besser?



AUTOR
Annika Mittelbach
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. März 2018, 12:13 Uhr
    Aktualisiert:
    17. Juni 2018, 03:33 Uhr