Jimi will durchstarten: Rap aus Recklinghausen

Das Vest hat eine bunte und agile Hip-Hop- und Rap-Szene. So gewann zum Beispiel Rapper Tizzle aus Herten 2016 den Sparkassen-Clubraum-Contest. Und nun ist auch der Recklinghäuser Johan Jimi Prinz am Start. Er ist gerade 18 geworden und kann sich ein Leben ohne Rap-Musik nicht vorstellen. Jetzt veröffentlichte er sein erstes Video unter seinem Künstlernamen „Jimi“.

  • Johan "Jimi" Prinz

    Johan Jimi Prinz ist bescheiden. Der 18-Jährige aus Recklinghausen liebt es zwar, Songs zu schreiben und zu rappen, ob er damit aber erfolgreich wird, weiß er nicht. Immerhin: Reichlich Klicks für seinen Song „80’s“ hat er schon eingeheimst. Foto: Lasse Nordhoff

„Ich seh‘ aus wie aus den 80’s“ rappt er im Refrain von „80’s“ – und richtig: Jimis Trainingsanzug und das Frottee-Stirnband, das sein Markenzeichen ist, lassen sofort an die Rock Steady Crew oder Run-DMC denken. Solange er denken könne, interessiere er sich schon für Sprechgesang, erzählt er uns im Gespräch. Schon während der Grundschulzeit hätte er vor dem Spiegel Culcha Candela nachgerappt.

Früher, da habe er angefangen, einen auf Gangster zu machen. „Das war aber eher so eine Phase, die vermutlich alle in der Szene mal durchmachen“, erklärt Jimi seinen Werdegang. Er habe damals über Drogen und Alkoholexzesse gerappt, über das Leben auf der Straße. „Aber das war ich ja gar nicht“, winkt Jimi mit einer Handbewegung ab. Damals habe er eben Vorbilder wie Sido gehabt. „Das war natürlich totaler Quatsch. Ich meine, meiner Familie geht es ja nun wirklich nicht schlecht. Dieses Straßenleben, was ich da in meinen Texten aufgezeigt habe, habe ich ja nie gelebt. Mein Papa meinte dann irgendwann einmal, ich sollte doch lieber Texte schreiben, die auch etwas mit mir zu tun haben.“ Gute Übungen waren da zum Beispiel seine Auftritte bei Familienfesten.

Früher belächelt, heute akzeptiert

Früher sei man als Rapper noch ausgelacht worden, erinnert er sich. „Heute ist das anders. Heute sind Rap und Hip-Hop voll im Mainstream angekommen. Leider versuchen sich jetzt viele nicht mehr über guten Sound und gute Texte hervorzuheben“, merkt Jimi kritisch an. „Viele greifen auf freie Beats zurück und hauen dann einen möglichst krassen Text darüber. Dadurch kursieren im Netz Sachen, dagegen sind Sido, Farid Bang und Kollegah noch hoch anspruchsvoll.“

Jetzt rappt Jimi über die Liebe, über Partys und den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. „Ich greife da durchaus zu satirischen Mitteln in meinen Texten“, beschreibt er seine aktuellen Songs. Und der Erfolg gibt ihm recht. Immerhin 60.000 Klicks hat er auf seinem Sound Cloud-Profil vorzuweisen.

Auch auf andere Plattformen stellte Jimi seinen Song – ebenfalls mit Erfolg. Dadurch wurde nämlich auch der Produzent AP Supreme auf den 18-Jährigen aufmerksam: „Er hat ein Video von mir auf YouTube gesehen“, erinnert er sich. „Da habe ich den Track in seiner ursprünglichen Version bei einer Vor-Abi-Fete im Moondock gespielt. Und er meinte, man könne noch einiges aus dem Track herausholen.“ Gesagt, getan, so entstand „80’s“.

Das Video zu diesem Track hat Jimi mit seinen Freunden unter anderem auf der Palmkirmes und im Ratskeller gedreht. Ob Jimi nun eine Karriere im Rap-Business anstrebt? Der Recklinghäuser winkt ab: „Wenn es so käme, klar, wäre das schon toll. Aber ich bin auch Realist“, schildert er seine Zukunftspläne „Ich mache jetzt erst mal mein Abitur mit dem Schwerpunkt Gestaltung am Max-Born-Berufskolleg. Und vielleicht geht es dann in Richtung Marketing. Ich finde es einfach spannend, meiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. Ich habe so viele Ideen im Kopf …“ Und die will der ehrgeizige Rapper auch umsetzen. „Mein Vater hat mir gesagt, dass, egal welcher Star gerade angesagt ist, immer ganz viel harte Arbeit vorausgegangen ist. Also sitze ich nach der Schule eigentlich ständig im Keller am Rechner und bastele an neuen Tracks herum.“ Zunächst aber soll „80’s“ gut laufen.

 



AUTOR
Sebastian Balint
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    1. Juni 2018, 12:25 Uhr
    Aktualisiert:
    2. Juni 2018, 05:25 Uhr