Kontaktloses Bezahlen: Mehr Lebenszeit beim Einkaufen

Manchmal ist der Einschub oben, manchmal ist der Einschub unten, mal muss die Karte gedreht werden, mal wiederum nicht und im besten Fall kennt sich das Kassenpersonal auch nicht mit dem Gerät aus – wer stand nicht schon mal mit seiner Karte ratlos da und hat die Schlange blockiert oder stand selbst hinter so einer Person? Und wenn man es dann mal richtig hinbekommen hat, darf man noch seinen Pin eingeben oder seine Unterschrift auf der Quittung hinterlassen. Alles Vorgänge, die unnötigerweise Lebenszeit stehlen.

  • Breite Zustimmung im Handel

    Breite Zustimmung im Handel: Schon zwei Drittel aller Girocard-Terminals sind auf kontaktloses Bezahlen umgerüstet. Foto: dpa / obs / EURO Kartensysteme GmbH

Daher gibt es seit einiger Zeit die kontaktlose Zahlung – anstatt die Karte einzustecken, wird sie nur an das Bezahlterminal gehalten und unter einer bestimmten Grenze (meist 20, 25 oder 50 Euro) wird keinerlei weitere Authentifikation verlangt. Die Amerikaner mit den Kredit- und Debitkarten haben es in den vergangenen zehn Jahren vorgemacht, die deutschen Banken sind mit ihrer Girocard vor ungefähr zwei Jahren nachgezogen.

Ob eine Karte beziehungsweise ein Terminal die kontaktlose Zahlung unterstützt, ist leicht an dem Kontaktlos-Zeichen erkennbar, das wie eine vertikale Welle – oder wenn man es so will, einem vertikalen WLAN-Symbol – aussieht. Auf Karten befindet sich diese meist in der Nähe des goldenen Chips, an den Terminals meist dort, wo Ihr auch die Karte hinhalten müsst – entweder an die Seite oder aber über das Display. Alle großen Ketten sind aber mittlerweile schon mit den entsprechenden Geräten ausgerüstet und es werden täglich mehr. Haltet Ihr die Karte dann an das Lesegerät, werden die für die Zahlung notwendigen Daten innerhalb einer Sekunde über die Technologie NFC (das steht für „Near Field Communication“ oder auf Deutsch „Nahfeldkommunikation“) übertragen und Ihr könnt sie wieder einstecken.

Was, wenn die Karte geklaut wird?

Doch wie steht es um die Sicherheit? Wenn ein Dieb die Karte stiehlt, kann er Kleinbeträge ohne Probleme verschleudern? Die Antwort auf all diese Fragen ist: Nein. Natürlich wäre es bei einem Diebstahl grundsätzlich möglich, dass der Täter die Karte für Beträge unterhalb der Authentifizierungsgrenze einsetzt. Doch einerseits funktioniert das nicht, wenn die Karte bereits gesperrt wurde (was Ihr bei einem Kartenverlust sowieso tun solltet!), andererseits wird automatisch die Authentifizierung wieder aktiviert, wenn das Zahlungsverhalten plötzlich stark abweicht und in kurzem Zeitraum viele Kleinstbeträge ausgegeben werden. Die vorher ausgegebenen Summen werden dann aber auch von der Bank erstattet.

In vielen Medienberichten zum Thema wurde zudem immer wieder davor gewarnt, dass Kriminelle einfach Daten abgreifen oder sogar ungewollte Zahlungen ausführen könnten. Grundsätzlich schon mal eine schwierige Aufgabe, wenn die Reichweite der NFC-Chips maximal vier Zentimeter beträgt und bereits bei leichten Hindernissen oder bei Nähe zu anderen kontaktlosen Karten (wie zum Beispiel Fahrausweise für den Nahverkehr) nicht mehr funktioniert. Gehen wir aber mal davon aus, dass jemand nah genug an die Karte herankommt: Persönliche Daten wie Name oder Adresse sind auf der Karte nicht gespeichert, auslesen lassen sich nur Kartennummer, Ablaufdatum, Guthaben und eventuell auch eine begrenzte Anzahl der letzten Transaktionen, das ist aber abhängig von der Bank.

Für eine Kopie der Karte reichen diese Daten nicht, ebenso wenig für eine Zahlung online – mit Girocards kann man online sowieso nicht zahlen und bei Kreditkarten ist der CVC-Code notwendig, der sich auf der Rückseite der Karte befindet und nicht mit übertragen wird. Eine ungewollte Zahlung würde von den Kriminellen erfordern, dass sie bei einem Zahlungsdienstleister angemeldet sind – wofür man persönliche Daten angeben muss. Das ist eine große Gefahr sowie ein riesiger Aufwand und in Zeiten, wo Menschen teilweise mehrere hundert Euro in bar mit sich führen, für die Diebe komplett uninteressant.
Deshalb: Macht Euch das Leben leicht und haltet die Karte an das Terminal – langsamer oder unsicherer wird es dadurch sicherlich nicht.


AUTOR
Fabian Liebehenz
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. November 2018, 10:48 Uhr
    Aktualisiert:
    20. November 2018, 11:17 Uhr
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