Kurztrip-geeignet: Brüssel: Schnell hin, viel sehen und essen

Sommerferien, vorlesungsfreie Zeit, Urlaub – und man weiß doch nicht, wohin. Die belgische Hauptstadt Brüssel bietet sich immer für einen kurzen Städtetrip an: schnell zu erreichen und jede Menge zu sehen.

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    Ein Blick nach oben lohnt sich. Auf dem Grand-Place, dem zentralen Platz in Brüssel, stehen imposante Gebäude. Foto: Annika Mittelbach

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    Das Atomium fand Annika besonders spektakulär. Foto: Annika Mittelbach

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    Waffeln, Bier und Pommes - alleine dafür lohnt die Reise in die belgische Hauptstadt Brüssel. Foto: Annika Mittelbach

Wenn es mal schnell einfach nur rausgehen muss, dann muss man gar nicht so weit in die Ferne schauen. Unser Nachbarland Belgien hat auch einiges zu bieten: zum Beispiel seine Hauptstadt. Mit dem Auto kann man problemlos zwischen zwei und drei Stunden in Brüssel sein, mit einem Fernbus-Unternehmen dauert das zwar etwas länger, ist aber auch bedeutend günstiger. Hier gibt es Fahrten teilweise schon ab fünf Euro. Von der Illusion, man hätte WLAN im Bus oder alle Mitfahrenden würden viel von Körperhygiene halten, muss man sich dabei zwar verabschieden, spart aber doch eine Menge Geld, was man dann, in Brüssel angekommen, besser investieren kann.

Für die Unterkunft vor Ort bietet es sich an, irgendein Hotel/Hostel in Nähe des Stadtkerns zu nehmen, da Brüssel zwar durchaus ein ganz gutes ÖPNV-Netz hat, nach Mitternacht sich die Heimreise jedoch etwas schwierig gestaltet. Glücklich ist da derjenige, der einfach aus der Kneipe ins Hotel taumeln kann und nicht erst noch ewig lange auf die Bahn oder den Bus warten muss. Das ist dann natürlich meist etwas teurer, lohnt sich aber definitiv, zumal ja auch die öffentlichen Verkehrsmittel bezahlt werden müssen.

Viele Tipps sind Schrott

Wie für jede europäische Großstadt gibt es auch für Brüssel im Netz zahlreiche „To-do“-Listen, was man alles unbedingt sehen oder machen muss, was gar nicht geht und so weiter und so fort.
Ein Großteil davon ist Schrott, ehrlich gesagt. Wie oft habe ich beispielsweise gelesen, man müsse sich „Manneken Pis“, das Wahrzeichen der Stadt, ansehen. Dabei handelt es sich einfach um die Statue eines kleinen Jungen, der an einem Brunnen steht und dort hineinpinkelt. Als kleiner Gag wird die Statue von Zeit zu Zeit eingekleidet.

Bei uns war sie in ihrer nackten Schönheit vorzufinden – was die Enttäuschung ehrlich gesagt auch nicht größer gemacht hat. Die Statue ist klein und man könnte leicht an ihr vorübergehen, würde nicht ein selfie-süchtiger Mob davor stehen. Da gibt es definitiv bessere Sehenswürdigkeiten in Brüssel. Ganz schön ist beispielsweise der Grand-Place. Seit dem 11. Jahrhundert bis heute bildet der Platz, der umsäumt ist mit kitschigen Gebäuden wie dem „Maison du Roi“ oder dem Rathaus das Zentrum Brüssels. Man sieht viele Goldverzierungen, aber vor allem sieht man zahlreiche Touristen, die mit Handys und Kameras vor der Nase einzufangen versuchen, was sich da Schönes vor ihren Augen befindet.

Rund um den Platz gibt es zahlreiche Touristen-Shops, die alle immerzu die gleichen hässlichen Ansichtskarten und kleinen Figürchen von Manneken Pis verkaufen.
Zudem zahlreiche Bars und Restaurants, die man nur aufsuchen sollte, wenn einem Geld egal sein kann. Denn auch in Brüssel gilt die Faustregel: Je näher eine Sehenswürdigkeit ist, desto deftiger werden die Preise. Es lohnt sich also, immer ein Stück zu laufen und auch mal in den Seitenstraßen zu schauen, ob man dort nicht günstigere Angebote findet. Sonst kommt es schon mal vor, dass man für eine Belgische Waffel mit allem, was man braucht (also Schokosoße, Erdbeeren, Streusel und so weiter), gut und gerne 6 bis 8 Euro hinlegen muss.

Waffeln, Bier und Parlament

Manch einer mag sagen, das lohnt sich, aber ich sehe das eher anders. Vor allem wenn man überall mit Werbeschildern geködert wird, dass die wunderschönen Waffeln nur einen Euro kosten würden. Ähnlich verhält es sich mit Belgiens zweiter Spezialität, dem Bier. Als Teil des immateriellen Weltkulturerbes kann man natürlich das eine oder andere kühle Blonde (oder Rote oder Braune) hier in Belgien trinken gehen und muss dann zwischen den vielen Sorten wählen. Doch wenn Ihr in der Kneipe sitzt und ein leckeres Kriek-Bier trinkt, unterschätzt ja nicht den höheren Alkoholgehalt der meisten belgischen Biere. Sonst ist der Abend schnell vorbei.

Neben Essen und Trinken kann man sich auch hervorragend das Europaviertel mit dem EU-Parlament, dem Haus der europäischen Geschichte und dem Parlamentarium ansehen. Hierfür unbedingt viel Zeit einplanen! Wir sind erst um 15 Uhr vor Ort gewesen und hatten bis zur Schließung von Museum und Parlamentarium nur drei Stunden Zeit. Das ist viel zu wenig, um den liebevoll gestalteten und unheimlich informativen Ausstellungen die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdient. Besonders cool ist, dass alle Angebote kostenlos sind. So kann sich jeder, der möchte, über Europa und die Arbeit der Politiker informieren.
Außerdem ist das Atomium noch eine gute Anlaufstelle, um etwas in Brüssel zu sehen. Dabei handelt es sich um ein spektakuläres Modell, das eine Elementarzelle einer Eisen-Kristallstruktur in 165-milliardenfacher Vergrößerung darstellen soll. Gebaut wurde das 102 Meter große Gebilde 1958 zur Weltausstellung.

Dort kann man auch reingehen und sich Ausstellungen anschauen oder im Restaurant in einer der Kugeln essen – doch das ist wieder kostspielig und meiner Meinung nach auch gar nicht nötig. Nebenan ist ein schöner Park, in dem man viel besser zur Ruhe kommen und vielleicht picknicken kann. Am besten belgische Pommes, die am Fuß des Atomiums angeboten werden. Mit Mayo und Ketchup macht man natürlich nichts verkehrt, aber Neugierige sollten auch mal die anderen Soßen wie die traditionelle „Andalouse“-Soße probieren.

Zusammengefasst: Man kann in Belgiens Hauptstadt meiner Ansicht nach unheimlich gut trinken und essen. Manche Sehenswürdigkeiten von Brüssel sind schrottig, andere wiederum sehr lohnenswert und interessant. Im Grunde also wie jede europäische Großstadt, doch wunderbar nah und schnell zu erreichen – und wenn man weiß wie, auch durchaus bezahlbar.



AUTOR
Annika Mittelbach
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    3. August 2017, 11:30 Uhr
    Aktualisiert:
    6. Juni 2018, 03:33 Uhr
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