Reise: What to do in Canada

Achtung! Dieser Roadtrip durch Kanada verursacht akutes Fernweh. Dennoch: Wer mal nach Nordamerika möchte, sollte sich diese wertvollen Tipps von Ines mal durchlesen.

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    Für Ines zählt die Radtour durch den Stanley Park zu den Vancouver-Highlights. Foto: Privat

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    Kanada bietet so viel: Urbanität, Küste, Strand, grüne Berge, aber auch Schnee, wie zum Beispiel im Banff Nationalpark. Foto: Privat

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    Viele tolle Farben hat die Landschaft rund um Kamloops zu bieten. Foto: Privat

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    Tierisch viel Spaß hatte Ines auf der Kangaroo Creek Farm Foto: Privat

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    Stadtgefühle kommen bei den Wolkenkratzern in Vancouver auf. Foto: Privat

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    Leckeres Essen gibt’s natürlich auch in Vancouver... Foto: Privat

Roadtrip durch Westkanada: Teil 1 - Route und Reiseplanung

Bei den meisten Deutschen weckt Kanada mit Leichtigkeit das Fernweh. Unendliche Weiten, unberührte Natur und die berühmte nordamerikanische Gelassenheit lassen das Reiseziel überaus begehrlich wirken. Für viele ist es leider zunächst unerreichbar, denn nicht selten muss tapfer für den Besuch der kanadischen Gefilde gespart werden. Wer den langen Flug über den Atlantik auf sich nimmt, wird schließlich kaum nur für ein Wochenende bleiben, sondern möchte so viel wie möglich sehen.

Aufgrund eines kurzen Ottawa-Abstechers vor sechs Jahren hatte auch ich akutes Kanada-weh. Mir schwebte ein Roadtrip durch British Columbia und Alberta vor, weil mich der Westen schon von weitem mit seinen abwechslungsreichen Klimazonen und der erwartbaren Vielfalt an Urlaubsaktivitäten überzeugte. Diesen Sommer habe ich mir den Wunsch endlich erfüllt und ich könnte darüber glücklicher nicht sein. Im Folgenden möchte ich euch mehr über die Reise erzählen und Tipps geben, falls sich das Ziel auch auf eurer Bucketlist findet. Eins kann ich schon mal verraten: die Investition lohnt sich.

Auswahl der Roadtrip-Stopps

Dass es uns in den Westen zieht, stand schon einmal fest, der genauen Route bedurfte es aber doch einiger Recherche sowie ein paar Tipps von Freunden und Bekannten. Mir war als nicht sonderlich wandererprobte Sportnull wichtig, dass unser Programm nicht nur die volle Dosis Natur bietet, sondern auch etwas städtisches Flair aufkommt. Daher wählten wir letztendlich folgende Stopps für etwa zwei Wochen Reisezeit:

Vancouver (5 Nächte)
Whistler (1 Nacht)
Kamloops (1 Nacht)
Kelowna (2 Nächte)
Golden (2 Nächte)
Canmore (2 Nächte)
Calgary (1 Nacht)

Über die einzelnen Orte möchte ich euch in den anderen Teilen mehr erzählen, denn zunächst geht es ums „Grundrauschen“. Generell waren wir mit der Auswahl der Ziele aber ziemlich zufrieden!

Transport

Wir sind mit Swiss Airlines von Berlin Tegel über Zürich nach Vancouver geflogen und zurück von Calgary, da es in der kurzen Zeit einfach keinen Sinn gemacht hätte, wieder an den Start zurückzukehren. Für die Wege außerhalb Vancouvers buchten wir zudem bereits im Voraus einen SUV (ganz klassisch über billiger-mietwagen.de) und haben ihn dann an den jeweiligen Flughäfen abgeholt bzw. abgegeben. Wir haben kein Navi dazugebucht, weil Google Maps samt vorher geladenen Offline-Karten völlig ausreicht. Um die von uns anvisierten Städte und Ortschaften zu erreichen und uns vor Ort umzuschauen, sind wir ca. 2.200 Kilometer gefahren. Da der Sprit in Kanada überaus günstig ist, schockt einen das Tankgeld aber zum Glück nicht sonderlich und ohne Auto ginge die Reise sowieso nicht. Es sei denn, man möchte auf geführte Bustouren ausweichen. Und wer will das schon!

Unterkünfte

Camping ist nicht so meins. Alles ungeplant lassen auch nicht. Daher buchten wir bereits alle Unterkünfte im Voraus. Ganz nach der Devise: Wenn ich sowieso weiß, wo ich hin will, kann ich auch die Schlafplätze schon buchen und mir den Stress am selben Tag sparen. Gerade in den Nationalparks war vieles belegt und kurz vor oder nach dem Flug bin ich froh, wenn ich eine Anlaufstelle habe und nicht erst nach einer Bleibe suchen muss. Was die Qualität der Unterkünfte anging, so haben wir sehr stark variiert. In Vancouver war uns etwas praktisch gelegenes und recht günstiges wichtig - wir nannten es liebevoll Grauselig Inn -, in Whistler und Canmore wurde in Luxus gelebt, für die kurze Nacht in Kamloops reichte ein Bedroom via Airbnb, in Kelowna hatten wir unsere eigene Ferienwohnung in einem „Heritage House“, in Golden schliefen wir in einer klassischen Lodge, bei der sich alle abends versammelten, und in Calgary wartete eine ruhige Hotelnacht auf uns. Es war interessant, all diese verschiedenen Lokalitäten testen zu können und somit auch zu sehen, was sich für einen am besten eignet. Für mich ist es das hübsche Hotelzimmer für eine Nacht oder das eigene Airbnb, wenn ich länger vor Ort bin und mich etwas heimischer fühlen möchte. Bestenfalls ohne Teppichboden! Und natürlich immer mit WLAN, aber das ist in Kanada zum Glück sowieso eine Selbstverständlichkeit.

Kultur

Wer schon einmal an der US-Westküste war, wird feststellen, dass dieser Teil Kanadas nicht sonderlich anders ist. Ähnlicher Akzent, ähnliches Essen, ähnlich hohe Sportbegeisterung, ähnliche Trinkgeldsitten, ähnliche Ausgehrituale, Nationalstolz und eine ziemlich entspannte Grundeinstellung lassen Kanada zunächst wie eine Kopie der USA wirken. Kanadier sprechen von ihrem Land aber gern als „the better America“, begründet auf dem besseren Sozial- und Ökosystem. Kein Wunder, hat Kanada schließlich eine riesige Menge an Ressourcen treffend auf eine extrem niedrige Bevölkerungsdichte.

Und wo kann man das am einfachsten feststellen und vergleichen? Na klar, im Seattle Kanadas - Vancouver. Aber darum geht’s in Teil 2.

Roadtrip durch Westkanada: Teil 2 - Vancouver

Vancouver ist der optimale Beginn für euren Kanada-Roadtrip. Dass sich ein Besuch Vancouvers lohnt, wird klar, sobald man die Stadt mal auf einer Karte betrachtet: Urbanität, Küste, Strand UND grüne Berge? Die perfekte Kombination, um gut in seinen Kanada-Urlaub zu starten. Natürlich steuern auch die meisten großen Airlines den dortigen Flughafen an, von dem es easy per (führerloser!) U-Bahn downtown geht.

Folgende Aktivitäten könnt Ihr in Vancouver unternehmen, um die Stadt in all ihrer Fülle zu erleben:

-    Spaziergang durch Downtown
Insbesondere die glänzenden Skyscraper, das Olympia-Denkmal oder der Hafen für die großen Touristendampfer im Bereich „Waterfront“ sind einen Fotostopp wert. Wundert euch nicht, wenn in diesem Teil Vancouvers ständig Kamerateams an euch vorbeifahren: Nach Los Angeles und New York City ist Vancouver die meistgenutzte Produktionsstadt Nordamerikas - und spielt dabei meistens sich nicht selbst, sondern Städte wie Seattle, Chicago oder auch Shanghai.

-    Szenebezirke Gastown, Yaletown und Main St
Natürlich möchte man auch ein paar andere Bereiche Vancouvers sehen und so bieten sich die etwas szenigeren Stadtteile an. Gastown ist besonders zum Ausgehen beliebt, Yaletown ist so etwas wie der Prenzlauer Berg Vancouvers (modern und adrett) und die Main Street erinnert etwas an Kreuzberg (hip und teilweise abgefuckt). In diesen Bereichen gibt es auch ziemlich viele angesagte Brew Bars und Coffee Places, z.B. Revolver Coffee oder 49th Parallel. etzteres begeisterte mich vor allen Dingen mit Lucky’s Doughnuts

-    Granville Island
„Food Market Overload“ stöhnt nicht nur der Berliner und doch hat der Food Market auf Granville Island einen anderen Vibe durch die unterschiedliche Essenskultur der Nordamerikaner. Direkt am Wasser gelegen lässt es sich zudem gleich besser schmausen.

-    La Casa Gelato
Diese besondere Eisdiele wirbt mit bis zu 218 verschiedenen Eissorten aus aller Welt. Das beste: ihr könnt vor Ort so viel probieren, wie ihr möchtet. Und damit meine ich nicht nur drei verschiedene Sorten, selbst bei über zehn schaut euch keiner komisch an. Es gibt auch keinen „Mindestbestellwert“ und trotzdem werdet ihr danach einen mit Eis gefüllten Magen haben.

-    Radtour durch den Stanley Park
Lernt die bekannte „Seawall“ kennen: Lediglich Fußgängern und Radfahrern ist dieser Weg direkt am Meer vorbehalten. Den einen oder anderen Strand bekommt ihr auch zu sehen. Eins meiner Vancouver-Highlights! Es lohnt sich sogar, nochmal mit dem Auto durch den Park zu fahren, denn so sieht man ein paar andere Plätze mittendrin. Es gibt zum Beispiel einen schönen View Point Richtung Lions Gate Bridge - da fühlt man sich fast wie in San Francisco.

-    North Shore
Die „andere“ Seite Vancouvers zeigt euch quasi das wahre Leben der Vancouverites. Erlebt das typisch nordamerikanische Vorstadttreiben und schaut euch gleichzeitig die vielen gemixten Kulturen an (probiert das persische Restaurant Yaas!). Vom Ufer habt ihr einen perfekten Blick auf die Skyline, ob tagsüber per „Seabus“ oder abends umgeben von bunten Lichtern. Der „Cleveland Dam“ und See ist ein idyllischer Picknickspot, in Deep Cove könnt ihr auf den Quarry Rock steigen. Eine schöne 2-Stunden-Wanderung.

-    West Vancouver
Wie für die Northshore bietet sich auch hierfür ein Auto an: Ihr solltet zunächst zum Cypress Mountain Viewpoint und die Stadt von oben anschauen. Dann Richtung Whytecliff Park und Horseshoe Bay fahren, das sind richtige „scenic spots“ ideal für den Sonnenuntergang.

-    Shoppen gehen könnt ihr natürlich auch, da die Preise der großen Ketten aber mittlerweile an die Währungskurse angepasst werden, kann man sich selten Schnäppchen sichern. Ich habe auch keine kanadisch einzigartigen Geschäfte entdeckt - abgesehen vom „Rock Shop“ in der Granville Street, der mein altes Emo-Herz schneller schlagen ließ. Bekannte Brands wie Victoria’s Secret, Top Shop oder der Burgerladen Five Guys, die für Deutsche sonst maximal in London und Co. erreichbar sind, sind hier aber natürlich auch zugegen, sodass sich zumindest ein paar andere Dinge finden lassen.

Als Kontrast zu meinen lobenden Worten, weil ich es nicht unerwähnt lassen möchte: Es gibt auch eine Schattenseite Vancouvers: Kanada brüstet sich mit Wohlstand und einem umfassenden Sozialsystem, in Vancouver kann man durch die „British Properties“ fahren und sehen, wie Wohlstand aussieht, die Stadt wird regelmäßig zur lebenswertesten der Welt gekürt und Einwanderer kann man sowieso nur werden, wenn man entweder viel Geld oder viel Wissen mit sich bringt. Nichtsdestotrotz habe ich noch nie so viel Elend auf einem Fleck gesehen wie rund um die East Hastings Street. Nur einen Sprung, eine falsche Abzweigung von Chinatown und Downtown entfernt, herrscht hier ein Leben, vor dem man nur zu gern die Augen verschließen möchte. Bis zu 10.000 Drogensüchtige sollen in diesem Teil Vancouvers leben, die HIV-Rate ist so hoch wie in Afrika, überall riecht es nach Urin und Kot. Selten besitzt jemand mehr als einen Einkaufswagen voll Klamotten. Noch Wochen später habe ich die schockierenden Bilder vor Augen - es gibt halt nirgends nur Sonne.

Roadtrip durch Westkanada: Teil 3 - Sea-to-Sky Highway und Hitze

Nach fünf Tagen Vancouver konnte unser Roadtrip dann auch offiziell starten. Wir holten das Auto vom Flughafen, gabelten die Koffer im Motel auf und machten uns auf den Weg in den Norden. Norden? Ihr wollt doch in die Rockies! Ja, klar, aber wenn man mal da ist, kann man ja auch ein paar weitere Zwischenstopps einplanen… Whistler wurde uns dafür wärmstens empfohlen.

Whistler

Whistler ist hierzulande hauptsächlich als Ski-Hotspot bekannt, als eine der Hauptlocations für die Olympischen Winterspiele 2010. Aber auch im Spätsommer ist der Ort durchaus eine Reise wert. Zum einen, weil die Fahrt von Vancouver dorthin ein ziemlich gutes Beispiel für „Der Weg ist das Ziel“ ist: Auf dem Sea-to-Sky Highway kommt dem Namen entsprechend nämlich eine sehenswerte Stelle nach der anderen - immer direkt am Meer. Zum anderen folgt hier ein schöner See auf den nächsten. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Sandwich-Pause am Alice Lake? So schnell ist das Großstadttreiben passé.

Whistler selbst ist dann quasi das Kitzbühel Kanadas - ein idyllischer, mitten ins Nichts gestampfter Ort mit allem, was man für einen Kurzurlaub so braucht. Solange der Schnee noch auf sich warten lässt, treffen sich in Whistler vor allen Dingen die Biker, die abends ausgelaugt die Pubs bevölkern. Doch auch der „Normalotourist“ kommt auf seine Kosten und kann die zahlreichen Berge in der Umgebung erwandern. Uns war mehr nach Entspannen zumute und so setzten wir uns stattdessen mit einem Bier (Achtung! Verboten!) an den Lost Lake und statteten ihm am nächsten Morgen nochmal ganz früh einen Besuch ab. Toll, wenn man sich der Ruhe ganz allein hingeben kann. Da füllt sich der Instagram-Kanal ganz von selbst…

Bevor es wieder on the road ging, wurde noch schnell der Purebread Bakery ein Besuch abgestattet, dem absoluten Mekka für alle süßen Backwaren-Fans. Ich konnte mich bei der Auswahl gar nicht entscheiden.

Kamloops

Kamloops ist an sich jetzt kein absolutes Highlight, war für unsere Route aber strategisch wichtig: Wären wir direkt zur nächsten Stadt, Kelowna, gefahren, wären wir entweder 6 Stunden unterwegs gewesen oder das Navi hätte uns wieder über Vancouver gelenkt. So aber fuhren wir eine kurzweilige Vier-Stunden-Strecke, die teilweise für mich fast beeindruckender war als unsere Fahrt durch die Rocky Mountains. Denn auch hier wurde es teilweise sehr eng und steil, immer gesäumt von den obligatorischen kanadischen Nadelwäldern. Zwischendrin sind wir ausgestiegen und haben uns die Nairn Falls angesehen. Mit dem einstündigen Hike konnte man sich optimal die Füße vertreten und gleich noch etwas Bergluft aufsaugen. In Richtung Kamloops änderte sich die Landschaft dann komplett: es wurde flacher und wüstenartig, denn Kamloops ist tatsächlich eine „desert city“: Eine recht karge Industrie- und Kleinstadt, die wir hauptsächlich zum Rasten und Sonne tanken nutzten.

Kelowna

Während Kamloops für viele Touristen die typische Durchgangsstadt ist, haben Kelowna gar nicht so viele auf dem Schirm, da Vancouver - Whistler - Kamloops - Jasper eine sehr beliebte Route ist und Kelowna dafür viel zu sehr südlich liegt. Aus genau diesem Grund wollten wir aber dorthin: Kelowna liegt im Okanagan Valley und hat dadurch ein ganz anderes, fast mediterranes Klima. „Heimische Früchte“ kommen in Westkanada ausschließlich dorther, die Hügel werden von Weinreben geziert und wer in Vancouver Badeurlaub machen möchte, fährt mal eben nach Kelowna. Wir hauten uns nach der zweistündigen Fahrt konsequenterweise auch erstmal an den See. Der Okanagan Lake war zwar an sich echt ziemlich kalt, dafür hatten wir sehr viel Glück mit dem Wetter: Nachdem schon Vancouver mit klarem Himmel und um die 20 Grad punkten konnte (eigentlich regnet’s dort ständig), knackten wir in Kelowna fast die 30-Grad-Marke. Ideale Voraussetzungen für unsere Aktivitäten am Folgetag.

Direkt morgens ging es zur Kangaroo Creek Farm. Kängurus? In Kanada? Ja! Keine Ahnung, wie die dahin gekommen sind, aber ich konnte mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, ein waschechtes Känguru zu füttern. Der ungewöhnliche Streichelzoo ist in mehrere Gehege geteilt, in denen sich die Besucher frei bewegen und den Tieren nähern können. Ein Flausch-Fest für Tierfreunde in jedem Alter! Übrigens sorry Kängurus, vor Ort musste ich feststellen, dass die mit euch verwandten Wallabys und Riesen-Meerschweinchen (Capybaras) fast noch süßer sind. Aber zurück zum Tourispaß, etwas aktiv wollten wir auch noch werden und so wanderten wir über den Knox Mountain Trail. Ich mag „Stock und Stein“-Wege mit gutem Ausblick, da war der Knox Mountain genau die richtige Wahl. Später dann noch Sonnenuntergangsdinner in West Kelowna und ein heimischer Wein downtown - Kelowna kann was.

Roadtrip durch Westkanada: Teil 4 - Ab in die Rockies

Mittlerweile hatten wir schon über eine Woche in Kanada hinter uns, da wurde es langsam Zeit, den Weg in die Rocky Mountains anzutreten. Nach einem kurzen Proviant-Stopp beim beschaulichen Kelowna Farmer’s Market setzten wir uns also ins Auto Richtung Golden. Die Stadt markiert quasi den Beginn der Rockies und ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Besuche der Yoho und Banff National Parks. Natürlich könnte man auch direkt an einem der beliebten Seen wohnen, dafür darf man aber gut und gerne 400$ hinlegen. Für ein Doppelzimmer. Für eine Nacht. Haha.

Da wohnten wir lieber in Golden in einer Lodge, in der wir ein eigenes Schlafzimmer samt Bad hatten, uns aber Wohnzimmer und Küche mit bis zu vier anderen Parteien teilten. Für die zwei Nächte eigentlich eine ganz gute Wahl, so konnte man sich austauschen, was sich in der Umgebung lohnt. Unser Host war zudem ein Kanadier wie er im Buche steht und erzählte uns viele lustige Geschichten. Schade, dass wir den Bären nicht gesehen haben, der zwischendurch „drunk on rotten apples“ am Baum lehnte. Aber zurück zur Natur: Einen ganzen Tag widmeten wir dem Yoho Nationalpark.

Da ich ganz sicher nicht in der Lage bin, 15 km an einem Stück zu laufen oder über mehrere Tage andauernde Wanderungen zu machen, suchten wir uns Strecken und Ziele aus, die „leicht bekömmlich sind“, allerdings auch nicht nur bedeuten würden, dass wir Auto fahren, aussteigen, Foto schießen, weiterfahren. Das machen nämlich in der Tat ziemlich viele, sodass sich bei Highlights wie dem smaragdgrünen Emerald Lake die Touristen nur so tummelten. Wir starteten demnach mit den Wapta Falls, einem ziemlich großen Wasserfall zu dem ein entspannter Waldweg führt.

Danach ging es halb um den Emerald Lake, um den Massen wenigstens etwas zu entkommen, und dann, auf Empfehlung unseres Gastgebers hin, zu den Laughing Falls. Während die meisten sich nur kurz die Takakkaw Falls anschauen, lohnt es sich, noch ein paar Stunden zu wandern und die Rocky Mountains weiter kennen zu lernen. Direkt am Wasserfall schmeckt das Lunchsandwich auch gleich viel besser. Nach dem Rückweg war’s dann aber schon genug für den aktiven Part des Tages, der hier in den Bergen meist gegen 17 Uhr mit Regen beendet wird. Da kriegt man gleich einen ganz anderen Schlafrhythmus.

Der Yoho Nationalpark grenzt direkt an den Banff Nationalpark, dem wir uns in den nächsten zwei Tagen widmen wollten. Zunächst ging es aber mit dem Auto über den Icefields Parkway in den Norden - eine dieser Straßen, die man einfach erfahren muss! Gletscher reiht sich an Gletscher, überall zeigen sich glasklare Seen und man möchte einfach nur ständig aus dem Auto fotografieren. Tatsächlich könnte man auch einfach den lieben langen Tag durch die Gegend fahren und sich von Viewpoint zu Viewpoint angeln.

Wir wollten uns aber noch etwas bewegen und stiegen daher auf den Bow Summit. Nach ca. 1,5 Stunden standen wir auf einmal einsam und allein auf 2.800 Meter Höhe mitten im Schnee. Irre, wie wir uns noch vor ein paar Tagen die Sonne auf den Pelz scheinen ließen und nun auf einmal die Mütze auspackten. Nach der faszinierenden Wanderung ging es dann noch kurz an den Peyto Lake, noch etwas weiter über die eisige Landstraße und ca. nach der Hälfte war es Zeit, umzudrehen. Sonst hätten wir es leider nicht mehr zu unserem Hotel nach Canmore geschafft, welches im Süden, am Rande des Banff Nationalparks, liegt.

Nicht, dass diese Fahrt weniger „scenic“ wäre: Auf dem Weg nach Canmore passierten wir zum Beispiel Moraine Lake und Lake Louise - die meistfotografierten Seen im Park. Anhand der noch immer sehr beanspruchten Parkplätze konnten wir uns ganz gut vorstellen, wie voll es wohl tagsüber in der Hauptreisezeit wäre. Umsäumt von Bergen sind die beiden Seen aber auch wirklich hübsch. Mir kleinem Abenteuerkind gefiel der Moraine Lake ein Ticken besser, denn dort konnte man für eine bessere Aussicht auf einen Felsen klettern. Etwas gemütlicher ging es am Lake Louise zu: Dort hätten wir für 80 Dollar (!!!), also etwa 50 Euro (!!!), eine halbe Stunde (!!!) Kanu fahren können. Ähm. Nein danke. Wir Sparfüchse wohnten schließlich sogar extra in Canmore und nicht in Banff. Tatsächlich existiert Canmore wohl wirklich nur als etwas günstigerer Touristenableger der Nachbarstadt.

Ein Hotel reiht sich hier ans andere. An sich also kein sonderlich spannender Ort, dafür aber für die zwei Nächte eine sehr praktische Basis. Am nächsten Tag hatten wir es dann nämlich wirklich gar nicht mehr weit: Wir wollten nochmal in den Schnee und widmeten uns daher ca. 5 Stunden lang dem „Stanley’s Glacier Trail“ im Kootenay Nationalpark ganz in der Nähe von Banff. Da es die Nacht über geregnet hatte, wollten die wenigsten wandern gehen und so kämpften wir uns, fast ohne eine Menschenseele zu treffen, durch den Schlamm. Nun gut, so schlimm war es nicht, aber ich hatte doch das ein oder andere Mal Angst, gleich der Nase lang hinzufliegen. Das macht’s aber natürlich gleich irgendwie interessanter und der Viewpoint inmitten von Berggipfeln am Ende des Weges war auch wirklich nicht zu verachten. Dagegen konnte Banff an sich dann nur noch verlieren. „Little China“ wird die Stadt mittlerweile treffend genannt und tatsächlich ist Banff eine einzige Touristenhochburg, in der sich die Reisebusse gute Nacht sagen. Interessant, wie dicht in den Rocky Mountains Überfüllung und Einsamkeit nebeneinander liegen.

Calgary

Calgary sollte als Flughafenstadt den letzten unserer Stopps bilden und waren wir zunächst noch positiv überrascht - es gibt ein paar ganz schöne Ecken, wie die Center Bridge oder den Nose Hill Park -, mussten wir recht schnell feststellen, dass in der Stadt gefühlt gar nichts geht. Geschäfte machten in der Woche um 18 Uhr zu, die bekannten Indoor Gärten waren wegen Renovierung geschlossen und die Stadt strotzte nur so vor irgendwelchen Businesstypen, die der Ölhochburg ihr Gesicht gaben. Muss man also nicht unbedingt gesehen haben, dafür war es aber die weltbeste Entscheidung, nicht nochmal nach Vancouver zurück fahren zu müssen. So viel Spaß wir in der Stadt hatten und so schön der Trans-Canada-Highway auch ist, doppelt fahren muss man ihn nicht. Denn auch so ertappten wir uns mittlerweile, wie wir die schönsten Seen nur noch mit einem kurzen Blick streiften und längst nicht mehr so leicht zu beeindrucken waren wie damals am Lost Lake.

In dem Sinne waren die zwei Wochen genau richtig gewählt, wenn man nicht vor hat, mehrere Wochen wandern zu gehen. Bei einer längeren Urlaubsdauer hätten wir uns vermutlich noch für Vancouver Island entschieden, doch gefehlt hat es uns nicht. Der Kanada-Urlaub war schon so eine wirklich tolle Erfahrung mit so vielen verschiedenen Eindrücken, dass wir uns noch lange an ihn erinnern werden.



AUTOR
Ines Kirchner
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    24. Oktober 2016, 14:10 Uhr
    Aktualisiert:
    6. Mai 2017, 03:34 Uhr
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