Lucien Favre: Neuer BVB-Trainer startet in Brackel mit klaren Ideen

Dortmund Der BVB startet mit dem ersten Training auf dem Platz in die Vorbereitung. Die ersten Übungen zeigen gleich, worauf Lucien Favre besonderen Wert legt.

Lucien Favre ging voran, pünktlich um 10.30 Uhr. Schwarze Schirmmütze, silbernes Kettchen um den Hals, Fußballschuhe. Mit dem neuen Trainer als Hoffnungsträger nahm Borussia Dortmund am Montagmorgen auch auf dem Rasen die Vorbereitung zur neuen Spielzeit auf.

Applaus der 500 Fans

Mit dosiertem Applaus empfingen rund 500 Fans ihre Lieblinge, als die 23 Spieler ihre erste Runde auf dem Trainingsplatz in Brackel drehten. Aus der U23 rücken vorübergehend Amos Pieper (Innenverteidiger) und Dominik Wanner (rechter Flügel) in den Kader. Es fehlten wie bei den Leistungsdiagnostiken am Wochenende Andrey Yarmolenko, der vor einem Wechsel zum englischen Premier-League-Klub West Ham United steht, und Julian Weigl (Reizung der Adduktoren), der aber vor Ort war.

Passen, klatschen lassen, drehen: Die Grundzüge von Kombinationsfußball spiegelten sich gleich in den ersten Übungen wider. Borussias neuer Verantwortliche im Fußballbetrieb ist ein Verfechter des gepflegten Passspiels. Der Ball soll laufen, und die Spieler sollen es auch. Nach der Sommerpause brauchte es wieder eine kleine Eingewöhnung, nicht allen gelangen die Übungen und Zuspiele auf Anhieb wieder, Jeremy Toljan stolperte gar beim Dribbling durch den Stangenwald. Kein Problem, der Aufgalopp diente einer intensiven, aber lockeren Mobilmachung.

"Alle erwarten, dass es besser läuft"

Favres Co-Trainer Edin Terzic und Manfred Stefes übernahmen oft die Ansprache an die Spieler, Favre hielt zwischendurch Zwiegespräche. Der Cheftrainer beherrscht Deutsch und Französisch, und Terzic, der zeitweilig in England gearbeitet hat, deckt das Fußballvokabular auf Englisch ab. Es kann beim BVB keiner mehr sagen, er habe etwas nicht verstanden.

Mit neugierigen Augen verfolgten nicht nur Kamerateams und Fotografen das Geschehen auf dem Platz, auch die Bosse schauten zu. Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Sebastian Kehl begutachteten die Einheit wachsam. Nach der turbulenten Vorsaison gilt die allerhöchste Aufmerksamkeit der Etablierung einer Leistungskultur, die abhandengekommen war. Das hat sich auch bis zum Neuzugang Marius Wolf herumgesprochen. "Alle erwarten, dass es besser läuft als in der vergangenen Saison", sagte der Ex-Frankfurter. Das Dauer-Krisenjahr ist also auch noch in der schwarzgelben Kabine ein großes Thema.

Hunger auf Fußball

Nach 80 Minuten beendete Favre den Auflauf Nummer eins. Die Spieler schrieben noch Autogramme, am längsten der neue Trainer, der sich dafür eine halbe Stunde Zeit nahm.

Wie gut Favre der Start in Dortmund gelingt, wird auch davon abhängen, wie gut er den Klub und die Mannschaft kennenlernt. Er verabschiedete sich kurz nach Mittag mit den Worten "Guten Appetit". Hunger auf Fußball will er bald mit seiner Mannschaft wieder hervorrufen.