Pokalspiel in Fürth: Die Mentalität stimmt - aber es wartet noch viel Arbeit auf den BVB

Fürth Der BVB entkommt in Fürth nur knapp einer Pokalblamage - und wertet die späten Treffer als Beleg für neue Mentalität. Doch es wartet noch viel Arbeit auf die Borussia. Ein Torjäger fehlt.

Als Stürmer werde er ja daran gemessen, Tore zu erzielen, meinte BVB-Kapitän Marco Reus. Frisch geduscht und mit dem Glücksgefühl des späten Siegtreffers fügte er lachend und mit einer gesunden Portion Selbstironie hinzu: "Das habe ich dann ja auch gemacht."

 

Reichlich spät allerdings. 129 Minuten lang stand Borussia Dortmund in Fürth vor dem Aus in der ersten DFB-Pokalrunde. Die Mannschaft verriet noch viele Schwächen, vergab ein halbes Dutzend Großchancen und entkam durch den späten 1:1-Ausgleich von Axel Witsel (90.+5) nur haarscharf einer Blamage und eine halbe Stunde später glücklich der Elfmeter-Lotterie. Dass Reus in der 120. Minute nach famoser Vorarbeit von Jadon Sancho die Schlusspointe unter einen denkwürdigen Pokalabend setzte, vollendete die "gute Dramaturgie", dieses Abends, wie Sportdirektor Michael Zorc es formulierte.

 

Auf der emotionalen Ebene herrschten "pure Freude und Erleichterung", sagte Abwehrchef Manuel Akanji. Der Schweizer hatte mit Nebenmann Abdou Diallo überzeugend dichtgehalten, in den wenigen brenzligen Situationen rettete Torhüter Roman Bürki fantastisch.

 

Trotz des Chancenwuchers in der Offensive und der renitenten Fürther, die nichts schuldig blieben, am Ende obsiegt zu haben, das gefiel Akanji: "Wir haben den Glauben nicht verloren und Charakterstärke gezeigt. Das", so seine Hoffnung, "wird uns noch weiterhelfen in der kommenden Saison." Da war ja was mit Mentalität und so ?

 

Lucien Favre hat einen prall gefüllten Aufgabenzettel

 

Den unerwarteten euphorischen Schub nach dem erwartet schweren Auftakt nehmen die Borussen gerne mit. Im besten Fall nutzt ihn Trainer Lucien Favre, der bei seiner schwarzgelben Pflichtspiel-Premiere mit viel Einsatz von der Seitenlinie dirigierte und korrigierte, als weiteren Antrieb für die anstehende Detailarbeit. Auch wenn der BVB mit einem blauen Auge davonkam in Fürth, verdeckte das nicht die klare Sicht auf einen prall gefüllten Aufgabenzettel.

 

"Wir haben das Spiel nicht über 90 Minuten kontrolliert und beherrscht", kritisierte Favre, "wir haben zu viele Bälle leichtfertig verloren." Die Laufwege einiger Spieler passten nicht, seine Elf müsse sich "besser bewegen", es gebe viele Details zu optimieren. Zufrieden sein könne er dennoch, der BVB sei "weiter, das zählt".

 

Nicht unerwähnt ließ der 60-jährige Schweizer auch die mangelhafte Chancenverwertung. Allein Kapitän Reus hätte das Spiel mehrfach in die schwarzgelbe Bahn lenken können. "Ganz vorne, das ist für mich auch eine neue Rolle, das habe ich noch nicht so gespielt. Dass dann nicht alles so klappt, wie man sich das vorstellt, ist auch klar", sagte der Aushilfs-Mittelstürmer. Es fehlten Verbindungsstücke im Bausatz Borussia - und ein finaler Verwerter.

 

Denn hätte es einen weiteren Beleg benötigt für den Fakt, dass es dem BVB an einem echten Torjäger im Kader mangelt, lieferten ihn die Dortmunder am Montagabend demonstrativ nach. "Reus und Philipp können Stürmer spielen, oder Neuneinhalb, oder auf der Seite", sagte Favre zwar. Und es sei wichtig, "dass wir Torchancen kreiert haben". Aber ohne echten Zielspieler fehlte der kombinationswilligen Offensive die Endabsicht. Oder schlicht: Torhunger.

 

Zorc hält weiter die Augen offen nach einem Stürmer

 

Doch Abhilfe naht offenbar. Sportdirektor Zorc bestätigte: "Wir halten die Augen offen." Noch habe der Klub ja zehn Tage Zeit, einen Angreifer fürs Zentrum zu finden, der im Strafraum kaltschnäuziger agiert. Auf den Doppel-Dusel wie gegen Greuther Fürth sollte der BVB nicht allzu oft zurückgreifen müssen. "Das war ein bisschen Wahnsinn", kommentierte Akanji.

 

Bei Spielführer Reus hat die packende Partie wie sicher bei vielen Fans die Lust auf mehr geweck. Sein Fazit lautete: "Jetzt beginnt die Saison richtig."



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  • Erstellt:
    21. August 2018, 14:41 Uhr
    Aktualisiert:
    21. August 2018, 15:16 Uhr