Noch ist Zeit für den FC 96 nicht abgelaufen: Jürgen Siedelhofer kann durchpusten. Foto: Paternoga
Am 14. Dezember hatte der Verein beim Amtsgericht Bochum Antrag auf Eröffnung des Verfahrens gestellt. Ob dies geschieht, hängt in erster Linie damit zusammen, ob der Verein überhaupt noch Masse aufbringen kann, um seine Gläubiger zu bedienen. Die Mitglieder sollen sich darüber am 20. Januar ein Bild machen und beschließen, wie’s im Stadion Hohenhorst weiter geht.
Wie hoch die Außenstände des Vereins sind, wollte Klubchef Jürgen Siedelhoferauf Anfrage des Medienhauses Bauer nicht sagen. Fest steht, dass die Summe offenbar weit über die 22 000 Euro hinaus geht, die der Verein dem Spielerberater Necdet Tanis noch schuldet.
Ist Tanis der Sargnagel auf dem Deckel?
Siedelhofer: „Jetzt sind auch noch Steuern und Verbandsabgaben aufgelaufen. Wie hoch die Verbindlichkeiten insgesamt sind, werde ich am 20. Januar den Mitgliedern mitteilen.“ Fakt ist offenkundig nur, dass das Tanis-Darlehen wohl der Sargnagel auf dem Deckel des FC 96 war.
Gerüchte über finanzielle Engpässe hatte es in den letzten Jahren im Stadion Hohenhorst nämlich immer wieder gegeben.
Siedelhofer: „Herr Tanis fordert von uns das Geld in einer Summe zurück. Das können wir nicht bezahlen.“ Vor dem Oberlandesgericht Hamm hatte der FC 96 im vergangenen Jahr noch einen Vergleich mit Tanis geschlossen. Die nun noch im Raum stehenden 22 000 Euro will der Spielervermittler aber offenbar sofort sehen – komplett.
Was Siedelhofer besonders sauer aufstößt: Bestandteil des Vertrages mit der Tanis-Gruppe sei seinen Angaben nach ein Passus gewesen, der besagt, dass das Darlehen nur dann und dergestalt zurückgezahlt werden müsse, wenn der Fortbestand des Vereins nicht gefährdet sei.
Nachdem Tanis seine Forderungen zuletzt per Gerichtsvollzieher Nachdruck verlieh – offenbar ohne Erfolg – und Siedelhofer als Vorsitzender eine eidesstattliche Versicherung abgegeben musste, dass der Verein über keine flüssigen Mittel verfügt, sah sich Siedelhofer am 14. Dezember genötigt, den Gang zum Amtsgericht anzutreten. „Glauben Sie mir, leicht war das nicht“, schildert der Klubchef.
Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Steuerberater Wolfgang Lorisch bestellt. Der Hertener wickelt bereits die Insolvenz der Trabrennbahn Recklinghausen ab.
Wie geht's mit dem Spielbetrieb weiter?
Ob der FC 96 den Spielbetrieb aufrecht erhalten kann, ist jetzt die Frage. Es gibt nun zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit eins: Der Verein ist zahlungsunfähig und wird mangels Masse aus dem Vereinsregister gelöscht. Damit wäre das sofortige Aus für den FC 96 und allen Mannschaften besiegelt. Sämtliche Gläubiger gingen leer aus. Ein Nachfolgeverein würde in der Kreisliga C beginnen müssen.
Möglichkeit zwei wäre, dass Wolfgang Lorisch eine geordnete Insolvenz einleitet und einen Insolvenzplan erstellt. Dazu bräuchte er allerdings Geld, um die Gläubiger abzufinden. Jürgen Siedelhofer will den Verein und den Spielbetrieb auf jeden Fall retten.
Der Präsident: „Trainer und Spieler verzichten auf ihre Gelder. Und ich habe hoch gerechnet, dass wir bis Saisonende durch Werbeeinnahmen, Zuschauer, Verpachtung der Cafeteria und so weiter ungefähr 15 000 Euro erwirtschaften können.“
Ob diese Summe für ein geordnetes Insolvenverfahren ausreicht und ob diese Summe überhaupt realistisch ist, ist die Frage. Etliche Spieler wollen den Verein nach unseren Informationen in der Pause verlassen, auch sportlich droht der Bankrott. Insolvenzverwalter Lorisch war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Eine geordnete Insolvenz hatte vor einiger Zeit die Spvgg. Erkenschwick erfolgreich überstanden. Jürgen Siedelhofer: „Vielleicht sollte ich da mal nachfragen, wie so etwas geht.“


