Fußball: "Wir haben alles im Griff? Das möchte ich stark anzweifeln"

05. April 2011 14:19

OER-ERKENSCHWICK. Udo Kuhle aus Datteln war Zuschauer beim NRW-Ligaspiel Spvgg. Erkenschwick - Rot-Weiss Essen (0:1) am 3. April. Er schildert seine eigenen Erfahrungen:

Zum Spiel Spvgg. Erkenschwick – Rot-Weiss Essen möchte ich Folgendes mitteilen. Herr Krimpmann schreibt u.a., der Ordnungsdienst habe alles im Griff gehabt. Das haben meine Familie und ich etwas anders erlebt.

Schon während des Spiels schaukelten sich zwischen den Fans beider Lager die Verbalattacken hoch. Es stimmt einfach nicht, wenn geschrieben wird, dass es abgesehen von einigen Scharmützeln der viele Meter getrennten Fangruppen geblieben sei. Komischerweise saßen auch im unseren so genannten Einheimischen-Block mehr Essener als Zuschauer aus dem Vest. Nach Spielschluss kam es im Erkenschwicker Block zu massiven Auseinandersetzungen.

Als ich mit meiner Familie die Haupttribüne verlassen hatte, wurde vom Ordnungsdienst kurzfristig das Trenngitter bzw. der Trennzaun geöffnet. Auch wir wollten dort hinaus, um an den Hauptkassen vorbei zum Parkplatz zu gelangen. Doch man schlug uns förmlich das Tor vor der Nase zu. Was nun? Zurück durch den immer mehr aufgeheizten Mob? Da wurde von den Ordnern das Tor zum zweiten Mal geöffnet. Der nächste Versuch.

Die Hälfte meiner Familie war schon durch, wurde aber von den Ordnern ziemlich rüde zurückgedrängt. Mein Enkel Marvin, elf Jahre alt, wurde von den Ordnungskräften dermaßen grob zurückgedrängt und zurückgestoßen, dass er anfing zu weinen und ihm sein rechter Oberarm sehr schmerzte.

Wieso war der Ordnungsdienst mit dem Öffnen oder Nichtöffnen des Sicherheitszauns so uneins bzw. überfordert?
Und wie sah es zu diesem Zeitpunkt mit der Polizeipräsenz an diesem Brennpunkt aus? Auch nicht viel besser! Eine einzige Polizistin rannte wie ein aufgescheuchtes Huhn zwischen Haupttribüne und Sicherheitszaun hin und her. Man höre und staune: Schon nach fünf bis sechs Minuten wurde der Sicherheitszaun zum dritten Mal geöffnet, die Hundertschaft der Polizei stürmte hindurch und konnte doch einschreiten.

Ob bei all diesen Vorfällen noch von „Hier haben wir alles im Griff“ gesprochen werden kann, möchte ich zumindest stark anzweifeln.

Abschließend möchte ich nur noch erwähnen, dass nach dem Spiel meine Schwiegertochter und mein Sohn, die sich beide auf einem Zebrastreifen der Stimbergstraße befanden, von einem Autorowdy mit Mülheimer Kennzeichen, der noch Vollgas gab, fast umgefahren wurden.

Allen Lesern und allen echten Fans der Spvgg. Erkenschwick ein herzliches Glückauf! 

Sport-Blog von Olaf Krimpmann

Olaf Krimpmann

Ballaballa? Muss man nicht sein, um über Sport zu philosophieren. Manchmal hilft’s allerdings schon. Sportredakteur Olaf Krimpmann (41) jedenfalls liebt den Sport. So sehr, dass er sich sogar freiwillig in die Hallen und auf die Plätze bewegt. Dass dort nicht nur der Ball rund ist, sei schon jetzt verraten. Mehr zum Thema Bälle – große wie kleine – und Sport in all seiner Pracht gibt’s jedenfalls hier.

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