Den Durchblick behalten

14. November 2011 12:19

Wer es noch nicht wusste: Auch Sportredakteure sind mitunter ganz normale Menschen. Ehrlich! Und als solche tun sie das, was viele ihrer Artgenossen tun: sie gehen den Weg, der am naheliegendsten ist.

Zum Beispiel am letzten Sonntag. An dieser Stelle über das Wetter im Vest zu schreiben, ist müßig. Alle - wirklich alle(!) - Kollegen auf den Plätzen haben's ja schon lang und breit getan.

So kommt an diesem Montag eine neue, geradezu ungeheuerliche Liste zusammen von Begriffen und Phrasen, die wohl so ziemlich alles Dagewesene in den Schatten stellt.

Gefühlte 34 Mal war heute zum Beispiel in unseren Ausgaben vom Nebel zu lesen, der sich über den Rasen-/Asche-/Kunstrasenplätzen der Region breit machte, und zwar in all seinen Formen. Da wurde dann fleißig im Nebel gefischt oder gestochert, dass man sich fragen musste: Geht Fußball nicht anders? Ist es nicht das Spiel, wo 22 Mann einem Ball hinterher rennen? Wer fischt da für wen, wer stochert wo und warum?

Dicht gefolgt in der Herbst-Hitparade der Fußballberichterstattung folgt der Durchblick, der gefühlte 18 Mal auf unseren Seiten an diesem Montag auftauchte obwohl er dort meist als fehlend beschrieben wurde.  

Beliebt auch die Begriffe trübes Wetter, trübe Witterung oder trübe Suppe. Sie merken: Alleine mit den Worten Nebel, Durchblick und trübe kann man bei uns ganze Seiten von Fußballberichten füllen!

Aber im ernst: Wer wollte nicht solche Vorlagen verwandeln wollen? Soll der Stürmer beim nächsten Mal etwa auch sagen: "Nee, den Ball mach' ich nicht, ich steh' doch schon zwei Meter vor dem Tor." Nein nein, Redakteure sind Menschen aus Fleisch und Blut wie es auch Fußballer welche sein sollen.

Doch keine Regel ohne Ausnahme! Im Marler Lokalsportteil gab es heute doch tatsächlich einen Kollegen, der eine handfeste Alternative zum Nebel hatte: Er titelte: Lenkerbeck versalzt Sickingmühle die Suppe.

Was für eine bemerkenswerte Überschrift, die geradezu manifestiert in sämtliche Lehrbücher des Lokaljournalistmus gehört! Denn die hat im Gegensatz zum herbstlichen Nebel eins: eine ganzjahreszeitliche Gültigkeit.

Hut ab, vor so viel Durchblick! 

Sport-Blog von Olaf Krimpmann

Olaf Krimpmann

Ballaballa? Muss man nicht sein, um über Sport zu philosophieren. Manchmal hilft’s allerdings schon. Sportredakteur Olaf Krimpmann (41) jedenfalls liebt den Sport. So sehr, dass er sich sogar freiwillig in die Hallen und auf die Plätze bewegt. Dass dort nicht nur der Ball rund ist, sei schon jetzt verraten. Mehr zum Thema Bälle – große wie kleine – und Sport in all seiner Pracht gibt’s jedenfalls hier.

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