FC Schalke 04 verlängert Vertrag mit Trainer: Mit Tedesco, ohne Kehrer

Gelsenkirchen Der FC Schalke 04 verlängert den Vertrag mit Trainer Domenico Tedesco bis 2022, verliert aber eine wichtige Säule in der Defensive. Thilo Kehrer wechselt überraschend nach Frankreich zu Thomas Tuchel nach Paris.

Der „Schalke-Tag“ kurz vor dem Saisonstart wird von den S04-Bossen gerne dazu genutzt, vor regelmäßig über 100.000 Besuchern wichtige Meldungen zu verkünden. So wie im Jahr 2003, als die Fans von Fernando Morientes träumten und stattdessen den späteren Kult-Kicker Edi Glieder als Neuzugang präsentiert bekamen. Am Sonntag hatte Manager Christian Heidel zum Start des blau-weißen Familientreffens ebenfalls Bedeutsames zu vermelden: „Wir haben den Vertrag mit unserem Trainer Domenico Tedesco aufgelöst!“
Damit das spürbare Entsetzen rund um die an der Veltins-Arena aufgebaute Bühne nicht zur mittelschweren Panik mutierte, sorgte Heidel sofort für eine nicht unwesentliche Vervollständigung dieser Meldung: „Und dann haben wir den Vertrag bis zum Jahr 2022 verlängert.“

Damit war zumindest der Sonntagvormittag für die anwesenden Schalke-Fans gerettet. Überraschend kam die Vertragsverlängerung mit dem Trainer zwar nicht mehr, weil sowohl Heidel als auch Tedesco oft bestätigt hatten, dass das ursprünglich bis 2019 laufende Arbeitsverhältnis vorzeitig verlängert werden sollte. Aber weil man sich in der Fußball-Branche ja nie so ganz sicher sein kann, war die Fixierung der Verlängerung natürlich eine gute Nachricht für die S04-Vereinsfamilie. Denn nach Fußball-Lehrern mit kurzer Aufenthalts-Dauer wie Roberto Di Matteo, André Breitenreiter und Markus Weinzierl hat Tedesco unbestritten einen dicken Stein im Brett – sowohl in der Schalker Chefetage als auch bei Fans und Spielern.

Ralf Fährmann bezeichnete den erst 32-jährigen Deutsch-Italiener erst vor wenigen Tagen in einem Gespräch mit dieser Zeitung als „besten Trainer der Liga“. Tedesco hat Schalke in seiner Bundesliga-Premieren-Saison nicht nur von Platz zehn auf Rang zwei geführt, er sammelt durch seinen Gesamt-Auftritt nach wie vor Punkte auf nahezu allen königsblauen Ebenen – auch Journalisten loben seine zuvorkommende Art, und sogar oft kritische Alt-Internationale wie Klaus Fischer oder die Kremers-Zwillinge hat Tedesco auf seine Seite gebracht, indem er sie früh in seine Überlegungen mit einbezogen und um Rat gefragt hat. Schalkes Jahrhundert-Trainer Huub Stevens hat Tedesco schon früh den „Ritterschlag“ verpasst: „Domenico Tedesco hat Schalke begriffen!“ Tedesco gibt dieses Lob voller Überzeugung zurück: „Ich fühle mich pudelwohl auf Schalke.“ Christian Heidel hatte Tedesco vor einem Jahr vom Zweitligisten Erzgebirge Aue, den Tedesco vor dem Abstieg gerettet hatte, nach Schalke geholt.

Als Tedesco bei der anschließenden öffentlichen Trainingseinheit in die Veltins-Arena kam, erhob sich das Publikum von den Sitzen und applaudierte dem Trainer stehend. Zu den Spielern, die zu diesem Zeitpunkt den Kommandos Tedescos lauschten, gehörte auch Thilo Kehrer. Die Zuschauer ahnten da noch nicht, dass es Kehrers vorerst letzte Übungsstunde auf Schalke sein würde. Denn mitten im Training bekam Christian Heidel einen Anruf von Paris St. Germain, der Fakten schuf: Kehrer, dessen Vertrag bis 2019 gelaufen wäre, wird für eine vermutete Ablösesumme in Höhe von 37 Millionen Euro zum von Thomas Tuchel trainierten französischen Meister wechseln, wo er u. a. mit Neymar und dem Ex-Schalker Julian Draxler spielen wird.

Angebot aus Paris

Er sei sich, so Heidel, mit Kehrer über eine Vertragsverlängerung schon so gut wie einig gewesen, als das Angebot aus Paris ins Haus flatterte: „Und es gibt Dinge, zu denen kann man aus wirtschaftlichen Gründen nicht Nein sagen...“ Der 21-jährige Verteidiger Kehrer, seit 2015 auf Schalke, ist nach Leroy Sané (für ca. 50 Millionen Euro zu Manchester City) der zweitteuerste Verkauf der S04-Geschichte.
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