Heidels Handschrift: Schalke muss mehr denn je kluge Transfers tätigen

GELSENKIRCHEN Wie schnelllebig es im Profifußball zugeht, zeigt der Schalker Kader. Christian Heidel hat in zwei Jahren große Veränderungen vorgenommen.

  • Christian Heidel

    Schalkes Manager, Christian Heidel: "Der Fußball hat sich einfach verändert.“. Foto: Guido Kirchner/Archiv

Nach der Schließung des Transferfensters am 31. August umfasst das Aufgebot der Königsblauen aktuell 27 Profis. Davon sind nur noch zwei Spieler – nämlich Johannes Geis und Franco Di Santo – von Heidel-Vorgänger Horst Heldt verpflichtet worden. Und auch bei diesen beiden Spielern hätte es nicht verwundert, wenn sie den Verein noch verlassen hätten. Doch für Geis gab es zwar lockere Anfragen, aber diese waren sportlich und finanziell offenbar nicht lukrativ genug – für den Ex-Mainzer heißt das, dass er jetzt in der Schalker U 23 trainieren muss.

Di Santo hätten die Königsblauen angesichts der verschärften Konkurrenzsituation im Angriff sicherlich bei einem Wechselwunsch keine Steine in den Weg gelegt, aber der Argentinier besitzt einen so gut dotierten Vertrag (angeblich vier Millionen Euro pro Jahr), dass er nicht an einen Abschied dachte.
Rund 54 Millionen Euro haben die Blau-Weißen für acht Neuzugänge ausgegeben. Dem stehen Einnahmen von rund 44 Millionen Euro gegenüber, die der Abschied von sieben Spielern einbrachte. Den größten Batzen machte hierbei der kurz vor Toreschluss vollzogene Wechsel von Thilo Kehrer zu Paris Saint-Germain aus, der 37 Millionen Euro in die Vereinskasse spülte.

Der personelle Umbruch fällt diesmal nicht ganz so stark aus wie im Vorjahr, wo insgesamt 18 Spieler den Verein verließen, darunter langjährige Leistungsträger wie Sead Kolasinac oder Klaas-Jan Huntelaar.
Sieht man sich die Transferbilanz genauer an, so gibt es Licht und Schatten. Zugänge wie Naldo, Guido Burgstaller oder Daniel Caligiuri entwickelten sich hervorragend und trugen wesentlich zum Gewinn der Vizemeisterschaft bei. Auch in den verpflichteten jungen Nachwuchskräften wie Amine Harit oder Weston McKennie steckt viel Potenzial, das Anlass zu Optimismus gibt.

Aber gerade die Transfers, bei denen Schalke in der Ära Heidel enorm viel investierte, blieben bisher hinter den Erwartungen zurück. Das gilt für Breel Embolo (22,5 Millionen Euro) ebenso wie für Nabil Bentaleb (20 Millionen Euro). Insofern darf man sehr gespannt sein, ob Sebastian Rudy (16 Millionen) den hohen Erwartungen gerecht werden kann.

Ein Novum ist die Tatsache, dass kein einziger Spieler aus der eigenen Jugend in diesem Sommer einen Profivertrag erhalten hat. Heidel hat zwar, wie bei vielen Bundesligisten üblich, manche Verträge für U19-Spieler so gestaltet, dass sie in der Bundesliga spielberechtigt wären, um die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga zu erfüllen. Doch auf der vereinseigenen Homepage gehören diese Spieler nicht zum Profikader – ein Beispiel ist Niklas Wiemann, der teilweise unter Domenico Tedesco mittrainiert.

Dass immer weniger Spieler aus der Knappenschmiede den Sprung in die Bundesliga schaffen, könnte für Schalke schon bald zum großen Problem werden, angesichts der Summen, die für Top-Spieler auf dem Transfermarkt verlangt werden. A-Jugendtrainer Norbert Elgert schlug zuletzt bereits nach der 1:4-Niederlage in der A-Jugend-Bundesliga gegen Borussia Dortmund Alarm.

Investitionen in die Infrastruktur sollen sich langfristig auszahlen, um die Rahmenbedingungen für den eigenen Nachwuchs zu verbessern. Heidel: „Wenn ich mir in anderen Vereinen die aktuellen Profikader anschaue, sehe ich auch dort kaum Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. Der Fußball hat sich einfach verändert.“
Um nicht zurückzufallen, muss Schalke zum Beispiel kluge Transfers tätigen. Ob das gelungen ist, wird die Saison zeigen.
1 KOMMENTAR
05.09.18 15:23

gut beobachtet

von schalkerdoc

Offenbar ist es nun auch der Presse erlaubt, vorsichtig nachzufragen. zwinkern
Embolo bleibt meilenweit hinter den Erwartungen zurück und scheint gar kein Torjäger zu sein. Dafür wandelt er des öfteren am Rande des Platzverweises - als Stürmer...
Bentaleb bekommt zu wenig Einsätze und somit wohl zu wenig Vertrauen vom Trainer, der dafür vermutlich seine Gründe haben wird. Nur ist das für ein Sensibelchen wie Bentaleb offenbar Gift.
Und Rudy zeigt hoffentlich mehr als in dem absolut missratenen Auftakt.
Absolut eingeschlagen haben Burgstaller, Naldo und mit Abstrichen Caligiuri.
Warum man Schöpf, Skrybski und Serdar geholt hat, das muß sich ebenso zeigen wie bei Teuchert und Mascarell. Kein einziger hat wohl einen Stammplatz, was schon bedenklich stimmt.
Es würde vermutlich helfen, wenn es doch so etwas wie Stammspieler gäbe und in der Winterpause reichlich Kandidaten verliehen oder gar abgegeben würden. So jedenfalls wirkt alles recht beliebig.

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  • Erstellt:
    5. September 2018, 04:04 Uhr
    Aktualisiert:
    7. Oktober 2018, 03:33 Uhr
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