Der »Senor« Raul. Foto: NBM
Wenn wir den Manager des FC Schalke 04 also beim Wort nehmen, so wird er sich heute oder morgen mit Raúl oder zumindest mit dessen Berater Ginés Carvajnal zu einer zweiten Verhandlungsrunde treffen. Der Ort wird vielleicht wieder das Düsseldorfer Hyatt-Hotel sein, doch selbstverständlich werden solche Treffen vorab geheim gehalten. Aber dort fand zumindest am 31. Januar das erste Gespräch statt. Über dessen Verlauf ist offiziell nicht viel verlautbart worden. Im Grunde nur dies: Die Atmosphäre sei gut gewesen, im Februar sollen die Gespräche fortgesetzt werden.
Möglicherweise hat Heldt selbst diese öffentliche Aussage bereut, auf die er in den Medien festgenagelt wird. Nun ist 2012 ja ein Schaltjahr, und deshalb hat Heldt noch einen Tag länger Zeit, um seine Terminvorgabe einzuhalten. Noch in der vergangenen Woche hatte Schalkes Manager bekannt, dass bislang „kein neuer Termin“ vereinbart worden sei. Und zugleich betont: „Wir haben noch Februar.“ Damit machte er selbst das Monatsende nochmals zu einer magischen Datumsgrenze, die – warum auch immer – nicht überschritten werden darf und eine öffentliche Erwartungshaltung aufbaut. Der Vernehmen nach aber, werden die Gespräche erst Anfang März fortgesetzt.
Raúl hatte im Januar signalisiert, bleiben zu wollen. Schalke hatte erklärt, ihn halten zu wollen – wenn man sich in Vertragsfragen einige. Schalke bietet dem Spanier angeblich einen Einjahresvertrag, mit einem Gehalt von drei Millionen Euro plus Einnahmen aus einem Abschiedsspiel. Raúl, so wollen es spanische und deutsche Boulevardjournalisten erfahren haben, die zuweilen gegenseitig voneinander abschreiben, ziehe es aber nochmals zu neuen Ufern ins Ausland.
Warum ein weiteres Treffen bislang nicht stattgefunden hat, wird öffentlich selbstverständlich nicht kommuniziert. Lag es an Raúl? Oder an Schalke? Benötigte Heldt, in den vergangenen zwei Wochen die Zeit, um Schalkes Werben um den Kölner Lukas Podolski zu intensivieren? Heldt wird in der Öffentlichkeit nichts sagen, was den bei den Schalker Fans hochbeliebten Spanier verärgern könnte. So warb er jüngst auch um Verständnis für die sehr schwankenden Leistungen des Stürmers, von dessen Formkurve das Schalker Spiel derzeit sehr abhängig scheint.
Ein weiterer Punkt, an dem Heldt sich mit seinen eigenen Aussagen konfrontiert sieht, ist die Torwartfrage. Zu Saisonbeginn hatte der Manager erklärt, Ralf Fährmann sei klare die Nummer eins im Schalker Tor. Dann kam Fährmanns Verletzung – und Lars Unnerstall ins Tor. Der machte seine Sache ordentlich und erklärte, die Nummer eins bleiben zu wollen. Nach dessen Verletzung seht seit einer Woche Timo Hildebrand im Schalker Tor – und verdiente sich bislang gute Noten.
Auf die Frage, ob denn Hildebrand auch in der nächsten Saison auf Schalke spiele (sein Vertrag läuft in diesem Sommer aus) und wer auf lange Sicht die Nummer eins werde, weicht Heldt derzeit aus. Er verweist auf die unterschiedlichen Vertragslaufzeiten, will sich aber nicht zeitlich festlegen und sagt: „Man muss das erst einmal auf sich zukommen lassen. Unser Ziel wird sein, mit drei festen Torhütern in die Saison zu gehen.“
Das ist kein klares Bekenntnis zu irgendeinem Spieler, das Heldt allerdings bereits als Abrücken von Fährmann ausgelegt wurde. Die Schalker seien sowohl von Fährmanns als auch von Unnerstalls Qualitäten nicht völlig überzeugt, heißt es im Umfeld. Der jetzt vollzogene Wechsel zu Hildebrand bewahre wegen der tragischen Umstände die anderen Torhüter vor einem Gesichtsverlust.
Der Manager aber sagt nur: „Meine Aufgabe ist es nicht, den Bestfall durchzuspielen, dass alle Torhüter zu 100 Prozent fit sind.“ Es gelte erst einmal abzuwarten, „wie sich Ralf Fährmann entwickelt. Er hat bislang noch nicht wieder auf dem Platz gestanden. Keiner kann mir die Frage definitiv beantworten, wann er wieder zu 100 Prozent fit sein wird.“ Nur auf Annahmen könne er seine Planung nicht aufbauen. Heldt spricht von einer „normalen Konkurrenzsituation“ und sagt, es gehe darum, das Beste für den Verein zu erreichen. Aber dabei kann er es nie allen recht machen – egal, was er sagt.









